Einer, der immer für andere da ist

Vorarlberg / 06.03.2019 • 18:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gottfried Feurstein (oben links) als junger Mandatar in der Gemeindevertretung von Andelsbuch. Dieser fühlte er sich 50 Jahre lang eng verbunden.

Gottfried Feurstein (oben links) als junger Mandatar in der Gemeindevertretung von Andelsbuch. Dieser fühlte er sich 50 Jahre lang eng verbunden.

VN-Ombudsmann Gottfried Feurstein feiert heute seinen 80. Geburtstag. Eine Würdigung.

Andelsbuch, Bregenz Schwester Maria (75) kennt ihn in- und auswendig, ihren großen Bruder Gottfried, der er im besten Sinne bis heute geblieben ist. „Gottfried ist der Älteste von uns fünf Geschwistern. Und so hat er das positiv für uns auch immer gelebt.“

Eine Art wohlmeinender großer Bruder ist Gottfried Feurstein in seinem bisherigen Leben für Tausende Vorarlberger geworden. Einer, der immer für andere da war und ist: als Gemeindevertreter von Andelsbuch, als Geschäftsführer der Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald, als Nationalratsabgeordneter und ÖVP-Sozialsprecher, als Obmann des Seniorenbundes, als führender Funktionär in mehreren Vereinen und Verbänden, als Führer für Hunderte Schulklassen im Parlament, vor allem aber als Helfer und Ratgeber zum Anfassen.

Letzteres tat er sowohl als VN-Ombudsmann, der er seit 2007 ist, aber auch als Privatmensch Gottfried Feurstein: immer hilfsbereit, immer erreichbar, stets bestens mit jenen vernetzt, die für Menschen in Not Probleme entschärfen oder lösen können.

Seine Bestimmung

Feurstein braucht für seine Biografie nicht das Stilmittel des verklärenden und idealisierten Rückblicks. Nie wollte der Sohn einer Andelsbucher Landwirts- und Metzgerfamilie nämlich etwas anderes, als für andere da sein. Und das tat er auch. „Eigentlich hätte der Vater gewünscht, dass er Metzger wird. Aber das musste er bald ad acta legen“, schmunzelt seine Schwester. Gottfrieds Bestimmung war, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.

Damit begann der HAK-Bregenz-Absolvent schon in der katholischen Jungschar und politisch als junger Gemeindevertreter von Andelsbuch. „50 Jahre blieb Feurstein in der Gemeindevertretung. Die war ihm wichtig“, weiß Freund Reinhard Willi. Beleg dafür: Selbst als er schon längst im Nationalrat war, fuhr Feurstein für GV-Sitzungen mit dem Zug nach Vorarlberg und anschließend sofort wieder zurück. Als Doktor der Wirtschaftswissenschaften (Promotion 1963 an der Universität Innsbruck) leitete er ab 1967 die Landesstelle für Statistik, von 1975 bis 2002 war sein Hauptarbeitsplatz der Nationalrat.

Unvergessen bleibt Feursteins Auseinandersetzung mit Bundeskanzler Bruno Kreisky. Dieser hatte den Andelsbucher 1981 wegen dessen Hartnäckigkeit im Zusammenhang mit einem Schmiergeldskandal als „dummer Mensch“ bezeichnet. Die politischen Wogen gingen hoch.

Unermüdlicher Einsatz

Auseinandersetzungen mit Ämtern und Behörden scheut Gottfried Feurstein nicht. Nicht dann, wenn es um das Wohl von Menschen geht, die unter die Räder zu geraten drohen und für deren Rechte er kämpft.

Selbst zwei Schlaganfälle im Jahre 2014 bremsten den Bregenzerwälder in seinem unermüdlichen Einsatz für andere nur kurz. Kaum genesen, nahm er seine Tätigkeit als VN-Ombudsmann in vollem Umfang wieder auf.

Gottfried Feurstein ist ein Mensch mit vielen Facetten. Niemand kann ihn besser beschreiben als sein „Lebensmensch“ Schwester Maria, mit der er in Andelsbuch zusammenlebt. „Gottfried geht Geselligkeit über alles. Er ist sehr genau und gewissenhaft. Traditionen sind ihm sehr wichtig. Seine Großnichten- und -neffen sind seine absoluten Lieblinge. Freilich ist er auch ein bisschen stur und lässt sich nicht gerne dreinreden.“

Für sein öffentliches Wirken erhielt Feurstein das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich sowie das Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg.

„Unser Vater wollte, dass Gottfried Metzger wird. Doch das musste er bald ad acta legen.“

Gottfried als Naturbursch in seiner Bregenzerwälder Heimat. Der Region blieb er immer treu.

Gottfried als Naturbursch in seiner Bregenzerwälder Heimat. Der Region blieb er immer treu.

Gottfried als kleiner Bub (ganz rechts) vor dem Christbaum mit seinen Geschwistern. Er übernahm schon sehr früh Verantwortung.

Gottfried als kleiner Bub (ganz rechts) vor dem Christbaum mit seinen Geschwistern. Er übernahm schon sehr früh Verantwortung.

Gottfried Feurstein 1963 bei seiner Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck. Danach ging's für ihn zum Militär.

Gottfried Feurstein 1963 bei seiner Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck. Danach ging’s für ihn zum Militär.

Ab 1967 leitete Gottfried Feurstein die Landesstelle für Statistik.

Ab 1967 leitete Gottfried Feurstein die Landesstelle für Statistik.

Gottfried Feurstein auf seinem Vorsäß Suegg vor Schönebach. Dort ließ es der Jubilär öfter richtig krachen. Immer wieder lud er dorthin Gäste ein.

Gottfried Feurstein auf seinem Vorsäß Suegg vor Schönebach. Dort ließ es der Jubilär öfter richtig krachen. Immer wieder lud er dorthin Gäste ein.

So kennen ihn Jung und Alt heute: Gottfried Feurstein im Dienst als VN-Ombudsmann. Oft findet er in schier ausweglosen Situationen eine Lösung.

So kennen ihn Jung und Alt heute: Gottfried Feurstein im Dienst als VN-Ombudsmann. Oft findet er in schier ausweglosen Situationen eine Lösung.

Als Redner im Parlament war der Andelsbucher auch noch in gesetzterem Alter tätig. Er setzte sich speziell für Senioren ein.

Als Redner im Parlament war der Andelsbucher auch noch in gesetzterem Alter tätig. Er setzte sich speziell für Senioren ein.