VN-Ombudsmann Gottfried Feurstein wird 80

Vorarlberg / 06.03.2019 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gottfried Feurstein, wie ihn viele kennen und schätzen: als fachkundiger VN-Ombudsmann im Dienste seiner Klienten. VN/Paulitsch
Gottfried Feurstein, wie ihn viele kennen und schätzen: als fachkundiger VN-Ombudsmann im Dienste seiner Klienten. VN/Paulitsch

Der Andelsbucher setzt sich immer für Andere ein. Der Dienst an der Gemeinschaft bestimmt sein Leben.

Andelsbuch, Bregenz Schwester Maria (75) kennt ihn in- und auswendig, ihren großen Bruder Gottfried, der er im besten Sinne bis heute geblieben ist. „Gottfried ist der Älteste von uns fünf Geschwistern. Und so hat er das positiv für uns auch immer gelebt.“ Eine Art wohlmeinender großer Bruder ist Gottfried Feurstein in seinem bisherigen Leben für tausende Vorarlberger geworden. Einer, der immer für Andere da war und ist: als Gemeindevertreter von Andelsbuch, als Geschäftsführer der Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald, als Nationalratsabgeordneter und ÖVP-Sozialsprecher, als Obmann des Seniorenbundes, als führender Funktionär in mehreren Vereinen und Verbänden, als Führer für hunderte Schulklassen im Parlament, vor allem aber als Helfer und Ratgeber zum Anfassen. Letzteres tat er sowohl als VN-Ombudsmann, der er seit 2007 ist, aber auch als Gottfried Feurstein Privatmensch: immer hilfsbereit, immer erreichbar, stets bestens mit jenen vernetzt, die für Menschen in Not Probleme entschärfen oder lösen können.

Seine Bestimmung

Feurstein braucht für seine Biographie nicht das Stilmittel des verklärenden und idealisierten Rückblicks. Nie wollte der Sohn einer Andelsbucher Landwirts- und Metzgerfamilie nämlich etwas Anderes, als für andere da sein. Und das tat er auch. „Eigentlich hätte der Vater gewünscht, dass er Metzger wird. Aber das musste er bald ad acta legen“, schmunzelt seine Schwester. Gottfrieds Bestimmung war, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.

„Vater hätte sich gewünscht, dass Gottfried Metzger wird. Doch das musste man bald ad acta legen.“

Maria Feurstein, Schwester

Damit begann der HAK Bregenz-Absolvent schon in der katholischen Jungschar und politisch als junger Gemeindevertreter von Andelsbuch. „50 Jahre blieb Feurstein in der Gemeindevertretung. Die war im wichtig“, weiß Freund Reinhard Willi. Beleg dafür: Selbst als er schon längst im Nationalrat war, fuhr Feurstein für GV-Sitzungen mit dem Zug nach Vorarlberg anschließend sofort wieder zurück. Als Doktor der Wirtschaftswissenschaften (Promotion 1963 an der Universität Innsbruck) leitete er ab 1967 die Landesstelle für Statistik, von 1975 bis 2002 war sein Hauptarbeitsplatz der Nationalrat.

Unvergessen bleibt Feursteins Auseinandersetzung mit Bundeskanzler Bruno Kreisky. Dieser hatte den Andelsbucher 1981 wegen dessen Hartnäckigkeit im Zusammenhang mit einem Schmiergeldskandal als „dummer Mensch“ bezeichnet. Die politischen Wogen gingen hoch.

Unermüdlicher Einsatz

Auseinandersetzungen mit Ämtern und Behörden scheut Gottfried Feurstein nicht. Nicht dann, wenn es um das Wohl von Menschen geht, die unter die Räder zu geraten drohen und für deren Rechte er kämpft.

Selbst zwei Schlaganfälle im Jahre 2014 bremsten den Bregenzerwälder in seinem unermüdlichen Einsatz für Andere nur kurz. Kaum genesen, nahm er seine Tätigkeit als VN-Ombudsmann in vollem Umfang wieder auf.

Gottfried Feurstein ist ein Mensch mit vielen Facetten. Keiner kann ihn besser beschreiben als sein „Lebensmensch“ Schwester Maria, mit der er in Andelsbuch zusammenlebt. „Gottfried geht Geselligkeit über alles. Er ist sehr genau und gewissenhaft. Traditionen sind ihm sehr wichtig. Seine Großnichten- und Neffen sind seine absoluten Lieblinge. Freilich ist er auch ein bisschen stur und lässt sich nicht gerne dreinreden.“

Für sein öffentliches Wirken erhielt Feurstein das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich sowie das Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg.

Gottfried (Bild rechts) als kleiner Bub an Weihnachten zu Hause in Andelsbuch. Als Ältester von fünf Geschwistern übernahm er schon früh Verantwortung.  Feurstein
Gottfried (Bild rechts) als kleiner Bub an Weihnachten zu Hause in Andelsbuch. Als Ältester von fünf Geschwistern übernahm er schon früh Verantwortung. Feurstein
Als Jugendlicher in seiner Freizeit an der Bregenzerach. Gottfried blieb seiner Heimat stets eng verbunden.  Feurstein
Als Jugendlicher in seiner Freizeit an der Bregenzerach. Gottfried blieb seiner Heimat stets eng verbunden. Feurstein
Bereits in jungen Jahren wurde Feurstein (oben links) Gemeindevertreter in Andelsbuch. Er blieb das 50 Jahre lang.  Feurstein
Bereits in jungen Jahren wurde Feurstein (oben links) Gemeindevertreter in Andelsbuch. Er blieb das 50 Jahre lang. Feurstein
Gottfried Feurstein 1963 bei der Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck.  Feurstein
Gottfried Feurstein 1963 bei der Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck. Feurstein
Gottfried Feurstein arbeitete ab 1967 an der Landesstelle für Statistik, die er auch leitete. Feurstein
Gottfried Feurstein arbeitete ab 1967 an der Landesstelle für Statistik, die er auch leitete. Feurstein
Gottfried Feurstein in Feierlaune auf seinem Vorsäß, der Alpe Suegg. Ein Kind von Traurigkeit war Gottfried nie.  Feurstein
Gottfried Feurstein in Feierlaune auf seinem Vorsäß, der Alpe Suegg. Ein Kind von Traurigkeit war Gottfried nie. Feurstein