VN-Stammtisch: Tourismus braucht Alpen als Zugpferd

Vorarlberg / 07.03.2019 • 11:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Alpen sind ein Idyll für Groß und Klein. Ist es mit der Unbeschwertheit nun endgültig vorbei? L. Berchtold
Die Alpen sind ein Idyll für Groß und Klein. Ist es mit der Unbeschwertheit nun endgültig vorbei? L. Berchtold

Auf den Alpen kollidieren verschiedenste Interessen. Wie soll’s weitergehen? Diskussion am VN-Stammtisch.

Hohenems Eine deutsche Touristin wird am 28. Juli 2014 auf einer Alpe in Stubaital von einer Mutterkuhherde zu Tode getrampelt. Die Frau hatte ihren Hund bei sich. Offensichtlich fühlten sich die Rinder durch den Vierbeiner bedroht und griffen an. Wie auch immer: Das Landesgericht Tirol verurteilte den Grundeigentümer der Alpe zivilrechtlich zu einer Schadenersatzzahlung von 490.000 Euro. Dieses Urteil löste Schockwellen bei Alpwirtschaft und Tourismus aus. Viele Fragen bleiben offen: Wie zugänglich bleiben die Alpen für Wanderer und Biker? Welche Sicherheitsauflagen warten künftig auf Älpler? Müssen riesige Gebiete umzäunt werden? Rentiert es sich überhaupt noch, Alpen zu bewirtschaften, wenn Zwischenfälle wie jener im Stubaital für Grundeigentümer ruinöse Folgen haben können?

Aufregung ist groß

Zu Wort gemeldet haben sich im Zusammenhang mit dem Thema bereits verschiedenste Interessensgruppen. Älpler bangen um die Zukunft der Alpwirtschaft nach traditionellem Muster, einige fordern ein generelles Hundeverbot auf Alpen, während Hundeliebhaber sich vehement dagegen wehren und ihrerseits Vorwürfe gegen die Besitzer von Kuhherden erheben. Älpler berichten von zunehmend negativen Erfahrungen mit Touristen, vor allem mit Hundebesitzern. In Oberösterreich wird indes ein Hundeverbot auf Alpen bereits geprüft. Die Aufregung ist allgemein groß, auch wenn das Urteil von Innsbruck noch nicht rechtskräftig ist und der verurteilte Bauer dagegen berufen hat.

Touristisch attraktive Alpen

Klarerweise beschäftigt die derzeitige Situation auch Verantwortliche des Tourismus. Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus, betont die Bedeutung der Alpen für den Sommertourismus in Vorarlberg. „Sie spielen bei der Bewerbung für den Sommer eine ganz wichtige Rolle. Als Übergangsorte zwischen Tallagen und Hochgebirge sind Alpen ein Anziehungspunkt für sehr viele Menschen, Wanderer wie Moutainbiker. Wir wollen ihre Zugänglichkeit natürlich weiterhin gewährleistet wissen“, äußert sich Schützinger. Man müsse sich jetzt zusammensetzen und sich um Lösungen bemühen, mit denen alle leben könnten, meint der Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus. Vorstellen kann sich Schützinger Maßnahmen zu einer ausgewogeneren Verteilung von Frequenz auf den Alpen.

„Wir wollen die Zugänglichkeit zu Alpen weiterhin gewährleistet wissen.“

Christian Schützinger, Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus

Vorhang auf zur Diskussion

Diskutiert wird über die Zukunft der Alpwirtschaft mit allen Facetten nach dem aufsehenerregenden Gerichtsurteil von Innsbruck beim heutigen VN-Stammtisch in Hohenems. Auf dem Podium vertreten sind Vertreter verschiedenster Interessensgruppen. Die Veranstaltung findet im Seminarraum des bäuerlichen Bildungszentrums in Hohenems statt. Selbstverständlich soll auch das Publikum in die Diskussion mit eingebunden sein.

VN-Stammtisch: Nach Kuh-Urteil – wie geht’s auf unseren Alpen weiter?

Wann: Donnerstag, 7. März, 19 Uhr.

Wo: Bäuerliches Schul- und Bildungszentrum Hohenems, Seminarraum

Auf dem Podium: Josef Moosbrugger, Landwirtschaftskammerpräsident Österreich und Vorarlberg; Christoph Freuis, Geschäftsführer Alpwirtschaftsverein Vorarlberg; Erik Schmid, Fachtierarzt und Hundeexperte; Christian Kohler, Älpler; Jürgen Zudrell, Hotelier und Wanderführer.

Moderation: Klaus Hämmerle, VN-Redaktion.