Wortführer, Sesselrücker, Dauerredner: Die redseligsten Abgeordneten im Landtag

07.03.2019 • 13:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die FPÖ freute sich über einen Weihnachtskuchen der Neos.VN/Hartinger
Die FPÖ freute sich über einen Weihnachtskuchen der Neos.VN/Hartinger

Landtagsjahr 2018 brachte viel Gesprächsstoff und für Erich Schwärzler eine gesetzliche Ausnahme.

Bregenz Der Landtagssaal ist nicht weniger als die heilige Halle der Vorarlberger Demokratie. Hier entscheiden die Volksvertreter über die Geschicke des Landes, hier wetzen sie Worte statt Klingen, um im Fechtkampf der Argumente das Wohl des Landes voranzutreiben. Worte sind bekanntlich mächtiger als das Schwert. im Landtagssaal wird Politik gelebt! Nur: Die Realität sieht oft anders aus.

Gesetze entstehen nicht im Landtagssaal, sondern in den Fachabteilungen der Verwaltung, von der Regierung genehmigt und im Landtag abgenickt. Inhaltliche parlamentarische Arbeit geschieht vor allem in den Ausschüssen, doch die finden hinter verschlossenen Türen statt. Die Öffentlichkeit kann sich von den Ausschussdiskussionen kein ungefärbtes Bild machen. Hierbei spielt der Landtag eine essenzielle Rolle: Er ist die Bühne der Politik. Neos-Fraktionschefin Sabine Scheffknecht nUtzte sie im Vorjahr am Häufigsten, wie eine Auswertung der Redevideos auf der Webseite des Landtags zeigt.

Fleißige Neos

80 Mal betrat Scheffknecht das Rednerpult, sprach im Durchschnitt vier Minuten und 55 Sekunden, was einer Gesamtredezeit von über sechseinhalb Stunden entspricht. Der Abgeordnete mit den längsten Reden ist der grüne Klubobmann Adi Gross mit durchschnittlich sechs Minuten und 38 Sekunden pro Beitrag. Innerhalb der Landesregierung meldete sich Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) am häufigsten zu Wort, die durchschnittlich längsten Reden hielt Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP).

Personell hat sich im Landtag im Vorjahr einiges getan. Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP) erinnert sich: „Besonders eindrucksvoll war die Verabschiedung von Erich Schwärzler als langjähriger Landesrat.“ Schwärzler durfte nach seinem Abschied noch einmal eine Rede halten, was gesetzlich eigentlich nicht vorgesehen ist. „Da haben wir einen kleinen Sprung über die strenge Geschäftsordnung gewagt. Wir waren dem Anlass entsprechend ein wenig situationselastisch“, fährt Sonderegger fort. Er und Vizepräsident Ernst Hagen (FPÖ) durften an ihrer Seite ein neues Mitglied im Präsidium begrüßen: Martina Rüscher (ÖVP) rückte auf.

„Sehr gute Zusammenarbeit“

Sie zieht eine erste Bilanz: „Für mich hat sich insbesondere der Rollenwechsel während der Landtagssitzungen verändert. Es braucht rasche Wechsel zwischen den Redebeiträgen als VP-Bereichssprecherin und als Vizepräsidentin, die für alle Fraktionen gleichermaßen da ist.“ Das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Parteien klappe sehr gut. Nachsatz: „Ich hoffe sehr, dass sich das auch im Wahljahr 2019 nicht ändert.“ Auch privat hat sich ihr neues Amt bemerkbar gemacht. „Wir sind dieses Jahr Gastfamilie für Austauschschüler aus Amerika und Australien. Ich habe sie einmal zu einem Landtagsbesuch eingeladen. Bei ihrem Besuch hatte ich gerade die Sitzung geleitet, und sie waren sehr überrascht, mich als Frau dort zu sehen. Es hat danach wieder einige Tage gedauert, bis ich zu Hause wieder als ganz normale Gastmutter gesehen wurde“, erzählt sie und grinst. Bei all den ernsten Themen und demokratiepolitischem Säbelrasseln: Humor darf auch in der Politik nicht fehlen.

Es ist die Zeit vor Weihnachten, und wünschen ist ausdrücklich erlaubt.

Gib das Hassposting dem Sicherheitslandesrat, der gibt es dem Landespolizeidirektor. Der SPÖ-Klubobmann hat einen Rat für Kollegin Sprickler-Falschlunger.

Leuchttürme gehören heutzutage eher zur Vergangenheit.

Man muss mit der Legendenbildung aufhören, dass unter Sausgruber alles besser war. Vergangenheitsbewältigung des grünen Landesrats und Parteichefs.

Ich tue mir schwer, weil ich mich immer noch als Schwarzen sehe.

Zahlreiche Gesetzesänderungen standen 2018 auf dem Programm.VN/KH
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