Vorarlberg altert stärker

10.03.2019 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Immerhin aber bleiben Männer und Frauen immer länger gesund.

schwarzach Von der Bevölkerungsstruktur her ist Vorarlberg nach Wien das jüngste Bundesland. Prognosen zufolge wird sich das in den nächsten Jahren jedoch ändern. Vorarlberg wird demnach bis 2050 am stärksten altern. Für Christine Mayrhuber sind die Prognosen nicht neu. Als Mitarbeiterin des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo beschäftigt sie sich wie viele andere Expertinnen und Experten ständig damit. Umso mehr zeigt sie sich überrascht, dass in der Politik und in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr darüber diskutiert wird: „Dass nicht mehr unternommen wird, Ältere aktiv zu halten, die Weiterbildung anzupassen und auch Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt zu halten“, wie sie sagt. In den Niederlanden sei man diesbezüglich weiter. Betriebe und Beschäftigte seien dort bei längeren Krankenständen verpflichtet, andere Betätigungsmöglichkeiten zu finden, damit nicht gleich ein Wechsel in die Invaliditätspension nötig wird. Der Anteil der ab 65-Jährigen wird in den nächsten Jahren in allen Bundesländern steigen. In Vorarlberg wird er laut Statistik Austria bis 2050 um mehr als die Hälfte auf 27,5 Prozent zunehmen. Überall sonst wird die Zunahme geringer ausfallen. In Wien wird es sich nur um ein Drittel handeln, sodass die Hauptstadt mit einem Anteil von 21,6 Prozent mit Abstand am jüngsten bleibt. Weiterhin die ältesten Bundesländer werden dagegen das Burgenland und Kärnten mit letzten Endes jeweils knapp 33 Prozent ab 65-Jährigen sein.

Zunahme der Lebenserwartung

Die entscheidenden Faktoren sind ein Rückgang von Zuwanderung und Geburtenrate sowie eine Zunahme der Lebenserwartung. Womit auch ein erfreulicher Aspekt verbunden ist, der grundsätzlich einiges relativiert: Die Leute sind immer länger gesund. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich die Zahl der Jahre, die 65-Jährige noch in guter Verfassung verbringen, auf durchschnittlich mehr als elf verdoppelt.

So gesehen wäre es an der Zeit, im Zusammenhang mit der Alterung über neue Grenzen zu reden. „Die Altersgrenze 65 stammt noch aus einer Zeit, in der die Lebenserwartung deutlich geringer war“, bestätigt Mayrhuber. Zumindest in der Forschung hat man bereits reagiert. Dort ist man im Zusammenhang mit der Pflegebedürftigkeit dazu übergegangen, den Fokus auf Männer und Frauen ab 80 zu richten; sie sind am ehesten entscheidend. Andererseits: Laut Mayrhuber würde es nichts bringen, zum Beispiel einfach nur das Pensionsalter anzuheben. Damit es dann nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit kommt, wären auch begleitende Maßnahmen nötig.

Die Herausforderungen sind beträchtlich. Um zum Stichwort Pflege zurückzukehren: Für Land und Gemeinden Vorarlbergs erwartet das Wifo einen besonders starken Anstieg der Ausgaben für Pflegedienstleistungen. Bis 2050 sei mit durchschnittlich 4,9 Prozent pro Jahr bzw. alles in allem mehr als einer Verfünffachung auf rund 380 Millionen Euro zu rechnen. JOH

„Die Altersgrenze stammt noch aus einer Zeit, in der die Lebenserwartung geringer war.“