Dame mit betrügerischem Charme

12.03.2019 • 17:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Staatsanwaltschaft Feldkirch klagt mutmaßliche Millionenbetrügerin an.

Christiane Eckert

feldkirch Es wird ein langes Verfahren, Beginn ist am 8. April, sein Ende voraussichtlich am 15. April. Richterin Sonja Nachbaur muss sich mit einer Betrugsserie auseinandersetzen, deren Schaden die Staatsanwaltschaft mit rund 1,9 Millionen Euro beziffert. Dazu kommen knapp 40.000 Euro Schaden aus Veruntreuungen. Im Zentrum steht eine 49-jährige Deutsche, die in ihrer Heimat bereits drei Vorstrafen wegen Betrugs hat.

Mit auf der Anklagebank sitzt ihr 63-jähriger Geschäftsfreund. Rechtsanwalt Edgar Veith verteidigt den Zweitangeklagten und sagt: „Mein Mandant wurde in diesen Monsterprozess hineingetrieben“. Die Hauptangeklagte selbst war bislang nicht geständig und wartet in U-Haft auf ihren Prozess.

Mehr Schein als Sein

Laut Anklage gab die 49-Jährige vor, eine liquide Geschäftsfrau zu sein. Mit einer Firma in Marbella, einer Wohnung in Teneriffa, internationalem Agieren und mit besten Kontakten.

Teure Markenmode, noble Fahrzeuge wie beispielsweise ein schicker Audi R8 und ihr selbstsicheres Auftreten hätten das Ganze unterstrichen. Ihre Immobilien, ein angeblich dickes Bankkonto und eine Nobelautovermietung sollten laut Anklage über die tatsächlich triste finanzielle Situation der Frau hinwegtäuschen.

 „Einige der Männer, die ihrem Charme erlagen und auf das große Geld hofften, glauben immer noch, es stecke keine Betrugsabsicht dahinter“, heißt es.

Im Glauben erfolgreicher Geschäftsanbahnungen lieh man der Frau großzügig Geld. Als die Dame allerdings einen bestuhlbaren Pool mit integriertem Whirlpool bestellte, zögerte man schließlich und hielt die Leistung im Wert von 600.000 Euro vorerst zurück.

Gefälschter Kontoauszug

„Um ihre Opfer bei Laune zu halten, ließ die Angeklagte einen Kontoauszug der Rothschildbank fälschen“, führt der öffentliche Ankläger aus. Das Konto der auf Anlageberatung und Vermögensverwaltung spezialisierten Privatbank wies laut Fälschung 58 Millionen Euro auf.

Zweijähriger Tatzeitraum

Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache relativ klar. Für sie liegt neben zahlreichen weiteren angeklagten Delikten ein klarer gewerbsmäßiger schwerer Betrug vor, begangen in den Jahren 2017 und 2018. Man wird sehen, was am Ende dieses Prozessmarathons zu einem Schuld- und was zu einem Freispruch führt.

„Mein Mandant wurde in diesen Monster­prozess hinein­getrieben.“

Die Angeklagte, die mit einer Eigentumswohnung in Teneriffa prahlte, befindet sich derzeit in U-Haft in FeldkirchShutterstock, vol.at
Die Angeklagte, die mit einer Eigentumswohnung in Teneriffa prahlte, befindet sich derzeit in U-Haft in FeldkirchShutterstock, vol.at