Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Ganz unerhört

12.03.2019 • 16:29 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Jeder fünfte Vorarlberger hört nicht gut. Sind das am Ende jene, denen Kabel aus den Ohren wachsen oder kleine weiße Stummel, was dann entfernt an Außerirdische erinnert, wie sie in den 1980er Jahren fröhlich durch US-amerikanische Vorabendserien tollten? Und über allen wabert eine Wolke aus Musik. Eine einzige Disharmonie aus harten Beats und schreienden Stimmen mit einem Schuss Klassik. Das ist der Herr mit Schal und Baskenmütze, der getragen von Wagnerschen Walküren-Klängen im Bummelzug ins Oberland rattert.

„Cool, Alter“, würde sein jugendlicher Nachbar wohl sagen, und nur die Hubschraubergeräusche vermissen, die zu diesem Musikstück doch dazu gehörten! „Wie, nein? Noch nie „Apocalypse now“ gesehen, hä?“ „Nein, aber in der Oper gesessen.“ Jetzt würde der Dialog erst interessant. Kommt aber nicht zustande, weil auch der Junge beschallt vor sich hin stiert.

Also: Jeder fünfte Mitbürger hört schlecht. Das ist furchtbar. Vielleicht aber hat er auch angesichts dessen, was die Gespräche eines Alltags so erwarten lassen, absichtlich auf Durchzug gestellt. Martin Buber schrieb: Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Der würde sich wundern . . .

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