Unglücksflieger muss am Boden bleiben

Vorarlberg / 12.03.2019 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Boeing 737 Max 8 hat nun auch in Österreich Flugverbot.  AFP
Die Boeing 737 Max 8 hat nun auch in Österreich Flugverbot.  AFP

Flugverbot für das Modell Boeing 737 Max 8 in Österreich und in Deutschland.

Schwarzach Am Himmel über Vorarlberg herrscht mitunter reger Betrieb. Das ist kein Wunder: Zürich, München, Innsbruck, Stuttgart, Friedrichshafen, Memmingen, Altenrhein – Flugziele in der Nähe gibt‘s genug. Die Chance, dass sich darunter Maschinen des Typs Boeing 737-800 befinden, ist groß, der Flieger ist beliebt. Mittlerweile hat Boeing eine neue Maschine entwickelt: Sie nennt sich 737 Max 8. 350 Modelle sind bereits im Einsatz, über 5000 sind bestellt. Seit dem Unglück in Äthiopien vor wenigen Tagen, als 157 Menschen starben, ist die Begeisterung für das neue Modell verflogen. Es war der zweite Absturz einer Max 8 innerhalb eines halben Jahres, nun zogen zahlreiche Staaten die Notbremse. Auch in Österreich wurde der Luftraum für dieses Modell gesperrt. Der Vorarlberger Flugexperte Rolf Seewald sieht darin vor allem ein Versagen von Boeing. Auf den umliegenden Flughäfen sind kaum Maschinen dieses Typs im Einsatz.Plötzlich ging es schnell: zuerst China, Malaysia, Singapur, später Großbritannien, dann Österreich, Deutschland Frankreich. Viele Länder haben mittlerweile ein Startverbot verhängt, jenes in Österreich gilt ab Mitternacht in der Nacht auf heute, gab der zuständige Minister Norbert Hofer (FPÖ) bekannt. Rolf Seewald, der 1973 die Fluglinie Rheintal-Flug gründete, hätte sich mehr Initiative des Flugzeugherstellers gewünscht: „Es ist ein schlechtes Zeichen von Boeing. Eigentlich müsste der Hersteller reagieren und die Flugzeuge so lange aus dem Verkehr ziehen, bis das Problem feststeht. Das sollten nicht die Staaten übernehmen.“

In den umliegenden Flughäfen kamen kaum solche Modelle zum Einsatz. Eine VN-Anfrage in Memmingen ergibt, dass dort Airbus A320, Airbus A321, ATR 42-320, Embraer 170 und Boeing 737-800 verkehren, aber keine Maschinen der Max-Reihen. Auch in Friedrichshafen stehen keine Max 8 auf dem Flugplan. In Zürich fliegen damit zwei Fluglinien: die Turkish Airlines nach Istanbul und die polnische LOT nach Warschau. Auf VN-Anfrage ergänzt eine Pressesprecherin des Flughafens aber: „Es gibt keine Fluggesellschaft, die den Flughafen Zürich regelmäßig mit einer Max 8 anfliegt.“ Die Maschine würden nur ungefähr einmal im Monat landen. In München fliegt die Norwegian nach Oslo und Stockholm mit dem Boeing Max 8, die Icelandair nach Keflavik und Reykjavik sowie die Globus Airlines nach Nowosibirsk. Nun müssen sie am Boden bleiben. Am Abend erteilte die europäische Flugaufsicht EASA dem Flugzeugmodell 737 MAX 8 ein Flugverbot. 

Boeing selbst verwies am Dienstag erneut darauf, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA derzeit keine weiteren Maßnahmen fordere. In den kommenden Wochen wolle der Konzern ein Software-Update für die Baureihe anbieten. Die Devise laute: „Ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer machen.“

„Eigentlich müsste der Hersteller reagieren und die Flugzeuge aus dem Verkehr ziehen.“