Historisches Ereignis: MS Österreich sticht zum ersten Mal in See

Vorarlberg / 13.03.2019 • 17:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pieter Goudrian und seine Kollegen aus Holland kommentierten die Testfahrt kurz und bündig mit dem Victory-Zeichen.
Pieter Goudrian und seine Kollegen aus Holland kommentierten die Testfahrt kurz und bündig mit dem Victory-Zeichen.

Museumsschiff absolviert die ersten zwei Stunden auf dem Wasser, Erleichterung und Freude beim Team.

Fußach Es war ein historisches Ereignis für den Verein „Freundeskreis MS Oesterreich e.V.“ und die „Museumsschiff Oesterreich GmbH“, als fast zehn Jahre nach der Ausmusterung im Oktober 2009 von der Brücke der „Oesterreich“ wieder das Kommando „Leinen los!“ kam und das Schiff wieder aus eigener Kraft in See stach.
Dem Team um Obmann Jürgen Zimmermann stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben, als die „Oesterreich“ in der Werft ablegte und die schmale Fahrrinne hinausglitt, ohne sich vom heftigen Wind irritieren zu lassen.

Keine Zeit zum Feiern

Mit jedem Manöver, das bei der zweistündigen Testfahrt absolviert wurde, wich die Anspannung, und als die „Oesterreich“ ihr Testprogramm überaus erfolgreich absolviert hatte und wieder anlegte, waren Erleichterung und Freude unübersehbar – und die Vereinsspitze und die Spezialisten aus Holland und der ÖSWAG in Linz hätten allen Grund gehabt, darauf anzustoßen, aber dafür nahm man sich keine Zeit, es wurde vielmehr mit vollem Einsatz weitergearbeitet.

Besonderes Wiedersehen

Obmann Zimmermann und Kapitän Adi Konstatzky hatten zu dieser ersten Testfahrt auch ganz besondere Gäste eingeladen: Kapitän a. D. Josef Mazzel, heute im Ruhestand und Ehrenmitglied des „Hohentwiel“-Vereins, bei dem er 1989 als Kapitän anheuerte. Unter seinem Kommando absolvierte der Dampfer fast 200 Fahrten, die meisten davon in den ersten beiden Saisonen, denn er war der erste Kapitän, der den Dampfer steuerte.
Der zweite Ehrengast der Premierenfahrt ist offiziell seit dem Vorjahr ebenfalls in Pension. Die Schifffahrt, bei der er 1988 anheuerte, ist aber Fritz Köchles Passion geblieben und er wird für den „Oesterreich“-Verein wieder auf der Brücke stehen, wenn seine Erfahrung gebraucht wird. Ehrensache, dass er es auch bei der ersten Testfahrt tat und nach kurzer Einschulung das Ruder übernahm. Jenes Ruder, das er vor fast zehn Jahren aus der Hand gab, denn damals steuerte er die letzte Kursfahrt der „Oesterreich“, die nach dieser Fahrt ausgemustert wurde. „Das war am 4. Oktober 2009“, wusste der Schiffshistoriker Arnulf Dieth zu berichten.

Schiff sofort im Griff

Kein Wunder, dass er „sein“ Schiff nach kurzer Einweisung durch die Techniker der holländischen Spezialfirma Van der Velden Marine Systems, mit deren modernster Technologie die „Oesterreich“ ausgestattet wurde, schnell wieder im Griff hatte. Hatten die Techniker aus Holland bis zur Abfahrt im Ruderhaus gewerkt, so war Projektleiter Reinhard Rath eher im Maschinenraum zu finden, wo er sich schnell vom klaglosen Funktionieren der Antriebsysteme überzeugen konnte.
„Läuft wie ein Uhrwerk und lässt sich fantastisch steuern“, war das einhellige Urteil der fachkundigen Passagiere – nautisches Personal von der „Hohentwiel“ –, die diese erste Testfahrt miterleben durften. Dabei waren auch Handwerker des Tiroler Unternehmens Auer, die sich nicht stören ließen und an der Ausstattung auch auf See weiterarbeiteten. Trotz heftigen Föhns lag die „Oesterreich“ so ruhig im Wasser, dass man kaum gespürt habe, dass sie in Fahrt verschiedene Manöver durchführte. stp