Bürgerrat zur Landwirtschaft

Vorarlberg / 14.03.2019 • 19:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kohler und ihre Kollegen haben Unterschriften gesammelt, damit sich Vorarlberger mit Landwirtschaft beschäftigen. VN/steurer
Kohler und ihre Kollegen haben Unterschriften gesammelt, damit sich Vorarlberger mit Landwirtschaft beschäftigen. VN/steurer

Daniela Kohler und ihre Kollegen haben dafür bereits genug Unterschriften beisammen.

Buch Wenn Experten über direkte Demokratie sprechen und positive Beispiele suchen, fällt der Blick oft auf Vorarlberg. Die Bürgerräte gelten über die Grenzen hinaus als Vorbild. Das Instrument gibt es seit 2006, seitdem fanden über 50 Räte statt, regional, kommunal und landesweit. Sie wurden allerdings meistens von oben initiiert, zuletzt der Mobilitätsrat. Vor einem Jahr schickte sich eine Initiative zum ersten Mal an, 1000 Unterschriften zu sammeln, um einen Bürgerrat zum Thema Raumplanung abzuhalten: mit Erfolg. Nun steht der zweite Rat vor der Tür, der von Bürgern angestoßen wird. „Die nötigen 1000 Unterschriften haben wir bereits“, erläutert Daniela Kohler aus Buch. Die 45-jährige Biobäuerin ist Mitinitiatorin des Bürgerrats. Thema: Landwirtschaft. Heute, Freitag, kann noch unterschrieben werden.

Ernährung und Qualität

Biohof Kohler, irgendwo zwischen Buch und Alberschwende. Daniela Kohler sitzt im Gewächshaus zwischen ihren Pflanzen und spricht über solidarische Landwirtschaft, während sie über die Blätter des Gemüses streichelt. Sie und ihr Mann Tone sind Vollerwerbsbauern, ihre drei Kinder helfen mit. „Wir haben eine kleine vielfältige Landwirtschaft mit fünf Mutterkühen mit Kälbern und elf Hektar Grünland, wovon drei Hektar Streuwiesen sind.“ Die Kohlers versorgen sich selbst, sogar das Haus wurde großteils mit Holz aus dem eigenen Wald gebaut. Daniela Kohler spricht nicht nur über nachhaltige Landwirtschaft, sie lebt sie. „Gute Lebensmittel und gesunde Ernährung haben für mich und meine Familie höchste Priorität. Landwirtschaft geht uns alle etwas an. Schließlich ist jeder von uns zumindest drei Mal am Tag mit Lebensmitteln konfrontiert.“ Dieser Stellenwert sei aber noch nicht allen klar. „Mir ist wichtig, dass die breite Bevölkerung über die Landwirtschaft besser informiert wird“, fährt Daniela Kohler fort.

Das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung sieht sie mit gemischten Gefühlen: „Es gibt immer mehr Leute, die sich Gedanken machen und sich über Herkunft und Haltung informieren. Aber es gibt noch genug, die dabei gedankenlos sind. Die Tendenz zeigt aber in die positive Richtung.“ Der Bürgerrat solle nicht nur helfen, das Thema bekannt zu machen, sondern auch dazu dienen, die Ökolandstrategie des Landes voranzubringen. „Die Strategie ist gut, aber es scheitert leider an der Umsetzung“, bemängelt Kohler. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen, damit sich die Landwirtschaft ökologisch und regional entwickeln könne.

Wie bisher haben Daniela Kohler und die anderen Initiatoren keinen Einfluss auf das Ergebnis des Bürgerrats, außer sie würden zufällig ausgewählt. Sie möchten aber, dass der Bürgerrat folgende Themen bespricht: Wie soll unsere Landwirtschaft in Zukunft aussehen, damit wir gut von und mit ihr leben können? Was können wir dafür tun und welche Politik braucht es dazu? Die Fragen sollten noch dieses Jahr beantwortet werden.

„Es gibt immer mehr Leute, die sich über Herkunft und Haltung informieren.“