Ein Bischof im „Flow“

14.03.2019 • 18:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Kesselhaus in Bregenz vermochte die vielen Besucher kaum zu fassen. katholische kirche
Das Kesselhaus in Bregenz vermochte die vielen Besucher kaum zu fassen. katholische kirche

Dialoginitiative „W’ortwechsel“ der katholischen Kirche startet wieder.

Bregenz So viel Publikum sieht das Kesselhaus in Bregenz vermutlich nicht alle Tage. Bis auf die Galerie unterm Dach und auf der Treppe drängten sich die Besucher, um dem Wortwechsel zwischen Bischof Benno Elbs, ORF-Moderatorin Claudia Reitterer und dem ehemaligen Skirennläufer Hubert Strolz zu lauschen. Es war der Auftakt zur diesjährigen Dialoginitiative der katholischen Kirche, in deren Rahmen bekannte Persönlichkeiten zum Talk in die heimischen Wohnzimmer eingeladen werden können. 70 Termine gibt es, 48 Leute stehen bereit, um Einladungen zu folgen. Die Reihe startet zwar erst am 6. Mai, Buchungen sind dennoch ab sofort möglich.

Das Leben als Auftrag

Einen ersten Vorgeschmack gab die Auftaktveranstaltung im Kesselhaus. Das Motto des Abends: Mit Hingabe leben. Wofür? Für wen? Warum? Bischof Benno fiel die Antwort auf diese Frage nicht schwer. Er sieht sein Leben als Geschenk, mit dem ein Auftrag verbunden

ist. Dort zu sein, wo Menschen sind, erfülle ihn, egal, ob es sich um schöne oder schwierige Situationen handle. Schmunzelnd räumte der Landesbischof ein, dass es aber auch in seinem Bereich sinnvollere und weniger sinnvolle Flows gebe. Für Claudia Reitterer, die die Sendung „Im Zentrum“ moderiert, bedeutet Hingabe, beruflich sowie privat das zu finden, woran man Freude hat und bei dem man mitunter alles andere vergisst. Sie sei mit Hingabe Krankenschwester gewesen, habe ihren Traumberuf, den Journalismus, jedoch nie aus den Augen gelassen. „Manchmal muss der Mensch größere Schuhe anziehen, als er hat, um seine Ziele zu erreichen“, sagte Reitterer.

Die Komfortzone zu verlassen, sei anstrengend, die Entscheidung zur Veränderung liege aber immer bei einem selbst. Der ehemalige Skirennläufer und nunmehrige Landwirt Hubert Strolz legte den Finger in die gleiche Kerbe. „Wichtig ist zu spüren, wo mein Platz ist. Lebenswege können sich wandeln, die Freude an der Sache muss bleiben.“ Es gehe darum, den Sinn für das Eigene zu bewahren, ohne dabei eigensinnig oder egoistisch zu sein.

Scheitern gehört dazu

Für eine Sache zu brennen führte, was wohl der Anwesenheit von Claudia Reitterer und Hubert Strolz geschuldet war, auch zur Dopingaffäre, die die Langlaufsportszene in den vergangenen Wochen in Atem gehalten hatte. Reitterer bedauerte, dass der ehemalige ÖSV-Rennsportdirektor für Langlauf und Biathlon den jungen Sportlern, die wie das sprichwörtliche Häufchen Elend am Rande der „Im Zentrum“-Sendung saßen, ein anschließendes Gespräch verwehrte. „Ich hätte es ihnen gewünscht“, offenbarte die Moderatorin. Benno Elbs argumentierte, Scheitern und Schuld würden zum Menschen gehören. Jesus habe diese Menschen wieder ins Leben geholt, daher müsse es immer eine Möglichkeit der Versöhnung geben. „Wir müssen auch dort sein, wo Menschen fallen“, gab der Bischof zu bedenken.

In diesem Jahr sind beim W’ortwechsel neben den Musikern Philipp Lingg und Marcus Nigsch, Unternehmer Josef Rupp, VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und Schauspielerin Beatrix Bilgeri auch Bischof Benno Elbs, Generalvikar Rudolf Bischof und der neue Abt der Mehrerau, Pater Vinzenz Wohlwend vertreten. Da zudem im Herbst die Landtagswahl ansteht, darf auch die Politik nicht fehlen. „Wir haben bewusst die Spitzenvertreter aller Parteien im Land eingeladen. Möglicherweise ist das für Interessierte eine gute Gelegenheit, einen Politiker oder eine Politikerin einmal von der persönlichen Seite kennenlernen zu können“, sagt Projekt-Koordinatorin Simone Fürnschuß-Hofer. VN-MM

W‘ortwechsel-Reihe: 6. bis 17. Mai 2019, Online-Buchungen unter www.wortwechsel.jetzt