Konflikt um Notarzt-Einsätze

14.03.2019 • 19:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine optimale Patientenversorgung basiert letztlich auf einer guten, aber auch bedarfsgerechten Zusammenarbeit aller Beteiligen.vol.at/rauch
Eine optimale Patientenversorgung basiert letztlich auf einer guten, aber auch bedarfsgerechten Zusammenarbeit aller Beteiligen.vol.at/rauch

Rotes Kreuz baut System der Notfallrettungswagen weiter aus.

feldkirch Vier Monate und 1200 Einsätze umfasste die Projektphase, in der das Rote Kreuz den Betrieb des Notfallrettungswagens (N-RTW) auf Herz und Nieren testete. Die Auswertung aller Daten fiel laut RK-Geschäftsführer Roland Gozzi positiv aus. Seit Februar ist der N-RTW im Bezirk Feldkirch deshalb fixer Bestandteil des dortigen Blaulichtwesens. Nun beginnen die Vorbereitungen für den Aufbau des Systems in Bludenz. Bis 2020/21 sollen auch die übrigen Dienststellen über einen Notfallrettungswagen verfügen. Ziel ist es, die Notärzte zu entlasten. Um diesen Plan ist allerdings ein Disput entbrannt.

Lernwillige Sanitäter

Derzeit sind etwa zwei Drittel der Ausrückungen im Endeffekt nicht notarztpflichtig. „Diese Fehleinsätze wollen wir reduzieren“, erklärt Gozzi, stellt aber klar: „Keinesfalls sollen Notärzte generell durch Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz, die auf dem N-RTW mitfahren, ersetzt werden.“ Das hatte der Neos-Abgeordnete Daniel Matt, wie berichtet, mehrfach kritisiert. Gozzi kontert: „Die Notfallversorgung beruht auf gut antrainierten und oft praktizierten Techniken. Hier geht es nicht, wie in der Medizin, darum, Ursachen von Beschwerden zu diagnostizieren und Therapien einzuleiten, sondern eine vorliegende Vitalgefährdung zu erkennen und auf Algorithmen aufgebaute Maßnahmen zu setzen.“

Als geradezu unverfrorene Anmaßung bezeichnet er die von Matt am Ausbildungsniveau der Notfallsanitäter gehegten Zweifel. Roland Gozzi verweist darauf, dass die Rotkreuz-Mitarbeiter im Bereich der Reanimation einen Spitzenplatz im Deutschen Reanimationsregister einnehmen. Sehr viele der Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz würden zusätzlich diverse Kurse besuchen. „Dabei drücken unsere Leute zusammen mit Notärzten und Diplompflegepersonal die Schulbank, um spezielle Notfälle noch besser und effizienter versorgen zu können.“ Außerdem organisiert das Rote Kreuz seit drei Jahren die Notfallausbildung für Ärzte im Landeskrankenhaus Bregenz sowie in niedergelassenen Ordinationen.

Entlastungsfunktion bestätigt

Die Basis des Rettungswesens im Land bildet der Krankentransport (KTW). Im Fahrzeug befinden sich ein ausgebildeter Sanitäter sowie ein Helfer, in Vorarlberg sind es durchwegs zwei Sanitäter. Die nächste Stufe ist der Rettungsdienst (RTW). Die Fahrzeuge sind größer und mit allen medizintechnischen Geräten ausgestattet, die es zur Versorgung von Notfallpatienten braucht. Die Besatzung besteht aus zwei fertig ausgebildeten Sanitätern, oft auch einem Notfallsanitäter. „Sie sind für Frischverletzte und akut Erkrankte ohne vitale Einschränkungen zuständig“, erklärt Roland Gozzi. Bei Patienten mit entsprechender Vitalgefährdung wird ein Notarzt mitalarmiert. Neu ist der Einsatz von Notfallrettungswagen. Sie unterscheiden sich vom RTW insofern, dass immer ein erfahrener Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz an Bord ist. „Diese Mitarbeiter sind deutlich engagierter in der Ausbildung und im Einsatz, weil sie ihren Kenntnissen gemäß eingesetzt werden“, zitiert Gozzi aus der Evaluierung des Pilotversuchs. Dieser habe auch eine Entlastung von Notärzten bei nicht notarztpflichtigen Patienten bestätigt.

Derzeit verfügt das Rote Kreuz über 150 Notfallsanitäter sowie 800 Freiwillige, die für den Rettungsdienst zertifiziert sind. Dazu kommen rund 100 hauptamtliche Mitarbeiter, die jedoch nicht ausreichen. In den kommenden drei Jahren muss das Berufspersonal um mindestens 30 Personen aufgestockt werden. Dafür hat der Landesrettungsfonds zusätzlich eine Million Euro genehmigt.

„Die Notfallversorgung beruht auf gut antrainierten und oft praktizierten Techniken.“