Werkraumschule Bregenzerwald – Experiment wurde zur Erfolgsgeschichte

Vorarlberg / 14.03.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Multifox“ ein Projekt, das im Rahmen der Werkraumschule entstand, wurde von Manuel Monsorno, Patrick Hager, Stefan Schneider und Jakob Geser präsentiert. STP
„Multifox“ ein Projekt, das im Rahmen der Werkraumschule entstand, wurde von Manuel Monsorno, Patrick Hager, Stefan Schneider und Jakob Geser präsentiert. STP

Projektpräsentation im Werkraumhaus zum Auftakt des „Schul-Abschlusses“.

Bezau, Andelsbuch Rundum zufriedene Gesichter bei der Schuljugend, ihren Lehrern und den Initiatoren des Experiments Werkraumschule, dessen erster Abschnitt vor dem Abschluss steht: Mit der Projektpräsentation im Werkraumhaus starteten die ersten Absolventinnen und Absolventen dieser neuen Schulform, die dreijährige Handelsschule und dreijährige Lehre in der fünfjährigen Ausbildung vernetzt, ins Finale des ersten Abschnitts. „Mit den jetzt präsentierten Projektarbeiten, den schriftlichen und mündlichen Prüfungen wird die Handelsschule abgeschlossen, in den kommenden zwei Jahren steht jetzt die Lehre im Mittelpunkt“, so Direktor Mario Hammerer.

Den richtigen Beruf finden

Eine Lehre im „richtigen“ Beruf, denn das Modell sieht vor, dass sich Jugendliche zunächst auf die Schule konzentrieren und sich im ersten Jahr behutsam an einen Handwerksberuf herantasten, der zusagt und in dem man sich wohlfühlt. 25 Schnuppernachmittage und ein vierwöchiges Praktikum bei einem Werkraum-Mitgliedsbetrieb bieten ausreichend Gelegenheit, Werkstoffe und Berufe auszuloten.
Im zweiten Schuljahr wird dieser Entscheidungsprozess u. a. mit einem zehnwöchigen Praktikum fortgeführt, und dann folgt die Festlegung auf den Handwerksbetrieb. Tischlerei, Glaserei, Fensterbau, Zimmerei, aber auch Schneider, Schuhmacher, Metalltechnik, Dachdecker, Spengler, Friseur, Kfz-Mechaniker, Bäcker, Metzger, Steinmetz, Ofenbauer und, und, und . . . insgesamt mehr als zwei Dutzend Ausbildungsberufe stehen bei den Mitgliedern des Werkraums zur Auswahl.

Fast keine Abbrecher

Diese Vorgangsweise hat einen starken „Nebeneffekt“: Weil sich die Jugendlichen sehr lange sorgfältig überlegen können, welcher Beruf ihnen am meisten zusagt, fühlen sie sich auch entsprechend wohl, sind hoch motiviert und haben so keinen Grund, die Ausbildung abzubrechen, begründen die Initiatoren des Ausbildungsmodells die Tatsache, dass es deshalb kaum Ausfälle gibt.
„Das war eines unserer Hauptziele“, freute sich auch Andreas Kappaurer, heute Leiter der Bildungsdirektion, damals Direktor der Bezauer Schule, der 2016 gemeinsam mit Werkraum-Obmann Martin Bereuter, dessen Stellvertreter Peter Fink sowie Architekt Klaus Metzler, der das Projekt coacht, dieses Projekt entwickelt hat. Bei „Halbzeit“ für die erste Werkraumschulklasse könne eine erfreuliche Zwischenbilanz gezogen werden „und wir sind überzeugt, dass es sowohl der Jugend als auch dem Wälder Handwerk wertvolle Impulse geben wird“, so Dir. Hammerer im Gespräch mit der VN Heimat. Dass sich die Werkraumschule in den ersten knapp drei Jahren so positiv entwickelt hat, „ist ganz maßgeblich das Verdienst der engagierten Lehrer, denen ebenso wie den Verantwortlichen in den beteiligten Handwerksbetrieben Dank gebührt“.

Der nachhaltige “Multifox”

Aus den bemerkenswerten Projekten ragt die Arbeit von Manuel Monsorno, Patrick Hager, Stefan Schneider und Jakob Geser heraus: „Multifox“ ist ein Konzept, das verdeutlicht, wie die Werkraumschule besser präsentiert werden kann. „Multifox“ war bereits im praktischen Einsatz, wie es in der ausführlichen, 62 Seiten starken Beschreibung heißt. Auch die anderen acht Projekte zeigen Vielfalt und Kreativität und sind ein Versprechen für den „Lehre-Teil“ der Ausbildung. STP