„Wenn wir so weitermachen, ist die Landwirtschaft bald Geschichte“

16.03.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hannes Royer ist Obmann der Initiative „Land schafft Leben“.  VN/Ger

Bergbauer Hannes Royer nimmt auch Konsumenten in die Pflicht.

Geraldine Reiner

Schwarzach „Land schafft Leben“ hat sich zum Ziel gesetzt, den Konsumenten mit Bildern, Videos und Texten zu zeigen, wie in Österreich Lebensmittel produziert werden. „Ich denke, wenn man einmal eine Basisinformation hat, dann fängt man auch ein bisschen bewusster an einzukaufen“, sagt Obmann Hannes Royer (42), der in dieser Woche auf der Jahreshauptversammlung des Vorarlberger Rinder-Zuchtverbands einen Vortrag über „Tierwohl im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft“ hielt. Mit den VN sprach er über Kälbertransporte und die EU-Agrarförderungen.

Ein Spannungsfeld ist derzeit sicher das Thema Kälbertransporte . . .

Man isst Kalbfleisch, hat sich aber als Konsument noch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, dass zum Beispiel die Kuh zur Milchproduktion ein Kalb bekommen muss und dass, wenn das Kalb ein Stierkalb ist, damit etwas passieren muss. Weil die Milchmast eine sehr, sehr intensive Art der Mast ist, haben sich Holland und andere Länder darauf spezialisiert. In Österreich macht das derzeit niemand unter diesen Preisvorstellungen. Die eigentliche Crux an der Sache ist, dass wir die Stierkälber zuerst quasi unter viel Tierleid exportieren und dann wieder zurück nach Österreich holen. Ich denke, da darf die Landwirtschaft darüber nachdenken, wie man intern diese Kreisläufe wieder schließen kann, aber der Impuls darf auch vom Konsumenten ausgehen.

Welchen Einfluss kann der Konsument darauf nehmen?

Der Konsument vergibt den Produktionsauftrag. Den wenigsten ist bewusst, was sie damit auslösen, wenn sie nicht nach der Herkunft fragen oder wenn sie sich fürs Essen nicht interessieren. Wir sehen jetzt zum Beispiel, dass sehr viele Landwirte in den Bio-Bereich gegangen sind, auch in Vorarlberg, aber immer noch viel zu wenige zu Bio greifen. Was passiert? Die Bio-Produkte kommen ins Ausland, weil sie in Österreich nicht gekauft werden. Die drei Prozent Bauern haben alleine sicher nicht die Kraft die Dinge zu verändern. Das muss von der Gesellschaft ausgehen und es ist zu wenig nur mit dem Finger darauf zu zeigen und zu sagen macht das bessern.

Und was sagen Sie den Bauern?

Wir müssen uns in jeder Richtung total auf Qualität einschießen. Wir brauchen einen radikalen, neuen Weg. Wir brauchen auch eine neue Wertehaltung. Letztendlich wollen wir als Gesellschaft stolze, ehrlich wirtschaftende Bauern, zu denen man mit Freude hingeht und nicht Bauern, die versuchen mit allen Mitteln am Weltmarkt mitzuhalten. Auch mit dem Ergebnis, das wir vielleicht nicht mehr für jeden Konsumenten Lebensmittel produzieren können.

Welche Rolle spielt die EU-Agrarförderung für die Zukunft der Landwirtschaft?

Das Modell der GAP kann sehr viel steuern und da ist Österreich sicher gefordert sehr, sehr klug zu handeln. Klug im Sinne, welche Art von Landwirtschaft möchte ich fördern. Möchte ich, dass noch intensiver gewirtschaftet wird oder möchte ich eine qualitätsorientierte Produktionsweise mit einer klaren Vision. Klar ist: Wenn wir so weitermachen wie jetzt, ist die bäuerliche Landwirtschaft bald Geschichte. Durch den Preisdruck dem die Landwirtschaft ausgesetzt ist, durch unser Einkaufsverhalten, die ständigen Aktionen im Lebensmittelhandel, vernichten wir die bäuerliche Familienstruktur vollkommen.