Gemeinsame Aktion „Gesunde Niere Vorarlberg“ wurde zum Erfolgsprojekt

Gesund / 16.03.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Zahl der Dialysepatienten steigt zwar wieder an, aber weniger Patienten mussten wegen eines akuten Nierenversagens dialysiert werden. KHBG/Nussbaumer
Die Zahl der Dialysepatienten steigt zwar wieder an, aber weniger Patienten mussten wegen eines akuten Nierenversagens dialysiert werden. KHBG/Nussbaumer

Die Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt.

Feldkirch Bei der Nierengesundheit ist Vorarlberg auf Erfolgskurs. Das zeigt eine Bilanz des 2017 gestarteten Vorsorgeprojekts „Gesunde Niere Vorarlberg“ anlässlich des heurigen Weltnierentags (14. März). Insgesamt wurden 2018 über 7200 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Damit hat sich die Zahl seit 2015 mehr als verdoppelt. „Das Projekt ist ein großer Erfolg für die Nierengesundheit“, konstatiert Primar Karl Lhotta von der Abteilung Innere Medizin III. Träger sind das Land, die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) sowie die von Lhotta geleitete Innere Medizin III.

Chronische Nierenerkrankungen sind häufig. Weltweit leiden 850 Millionen Menschen daran, jährlich sterben 2,4 Millionen an den Folgen. In den westlichen Industrienationen leben etwa zehn Prozent aller Erwachsenen mit einer chronischen Nierenschädigung. Die Hauptursachen sind Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und familiäre Veranlagung für Niereninsuffizienz. Prävention, Früherkennung und eine rasche sowie effektive Behandlung sind der Schlüssel zu einer Verbesserung der Situation. Mit dem Projekt „Gesund Niere Vorarlberg“ wurde hierzulande ein wichtiger Schritt gesetzt. „Im vergangenen Jahr führte das Medizinische Zentrallabor 7240 Albuminuntersuchungen durch“, freut sich Primar Karl Lhotta über diese deutliche Bewusstseinssteigerung in der Bevölkerung. Es zeige sich, dass das Programm von Patienten und Ärzten gut angenommen werde.

Zur Untersuchung motivieren

Eine Verschlechterung der Nierenfunktion bleibt oft lange Zeit unbemerkt und ohne Symptome. Erste Anzeichen machen sich bei Patienten meist erst dann bemerkbar, wenn die Nieren ihre Funktion fast vollkommen eingestellt haben und der Krankheitsverlauf nicht mehr beeinflussbar ist. Ziel des Projektes „Gesunde Niere Vorarlberg“ ist es, Personen zwischen 40 und 65 Jahren mit einem erhöhten Risiko für Nierenerkrankung zu einer Untersuchung zu bewegen. Im Fokus stehen Menschen mit Diabetes, hohem Blutdruck, starkem Übergewicht oder Nierenversagen in der Familie. Durchgeführt werden eine Blutabnahme zur Bestimmung der Nierenfunktion sowie eine Harnuntersuchung zur Messung der Albuminausscheidung (Protein) als Hinweis auf eine beginnende Nierenschädigung. Beide Untersuchungen sind kostenlos. Bei betroffenen Patienten wird, falls notwendig, eine Optimierung der medikamentösen Therapie durchgeführt. Sie erhalten Informationen, wie durch Lebensstil und Ernährung die Nieren geschützt werden können. Gegebenenfalls erfolgt eine Überweisung zu einem Spezialisten. „Chronische Nierenerkrankungen sind nicht nur häufig, sondern auch gefährlich. Sie können bis zum vollständigen Verlust der Nierenfunktion führen mit Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzversagen oder Schlaganfall. Um diese katastrophalen Folgen zu verhindern, sind eine rechtzeitige Diagnose und Therapie unumgänglich“, betont Lhotta.

Neue Medikamente

Die Zahl neuer Dialysepatienten steigt zwar wieder an. Erfreulich ist allerdings der Rückgang der Patienten, die wegen eines akuten Nierenversagens an der Inneren Medizin III dialysiert werden mussten. So verzeichnete Vorarlberg von 2015 bis 2018 mit 37, 43, 43 und 48 neuen Patienten jeweils nur einen geringen Zuwachs. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei jährlich 128. Eine Spenderniere erhielten im vergangenen Jahr 18 Vorarlberger. Seit 2012 wurden aus Vorarlberg 131 Patienten transplantiert. Was die Behandlungsmöglichkeiten bei Nierenschäden durch Diabetes betrifft, blickt Primar Lhotta optimistisch in die Zukunft: „Aktuell werden neue Medikamente, die sogenannten SGLT2-Hemmer in die Behandlung von Patienten mit Diabetes eingeführt. Die SGLT2-Hemmer führen zur Ausscheidung von Blutzucker über die Nieren. Sie senken nicht nur den Blutzucker, sondern auch den Blutdruck und das Körpergewicht. Sie können, haben einige große Studien ergeben, auch das Fortschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung verhindern, insbesondere dann, wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass Patienten mit Diabetes auf ihre Nierenfunktion untersucht werden.“