Umfrage: Breite Front gegen Großprojekte wie Montafoner Speicherteich

Vorarlberg / 18.03.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Projekte wie der geplante Speicherteich im Montafon werden von einem Großteil der Bevölkerung im Land abgelehnt. silvretta Montafon
Projekte wie der geplante Speicherteich im Montafon werden von einem Großteil der Bevölkerung im Land abgelehnt. silvretta Montafon

Fast jeder Zweite ist sogar für einen Rückbau des bestehenden Angebots.

Schwarzach Als die VN im Vorjahr erstmals über die Pläne eines Speicherteichs im Montafon berichtet hatten, gingen die Wogen hoch. Gegner und Befürworter des Projekts, das gewohnte Dimensionen sprengt, brachten sich in Stellung. Für Touristiker im Montafon ist die Realisierung nicht weniger als eine Existenzfrage, Umweltschützer befürchten hingegen einen weiteren Dammbruch. Sie haben das Landesverwaltungsgericht gerufen und einen Etappenerfolg erzielt. Die Umweltabteilung des Landes hat zu prüfen, ob für das Großprojekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Was jetzt schon klar ist: Ein Baustart ist in weite Ferne gerückt.

Das wiederum dürfte ganz im Sinne einer Mehrheit im Land sein, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsinstituts Dr. Berndt im Auftrag der VN zeigt. Nur jeder 8. Vorarlberger plädiert demnach für einen weiteren Ausbau des Angebots in den Bergen. Der Speicherteich selbst ist in der Frage erwähnt – das Ergebnis der Umfrage damit auch eine deutliche Absage an die Pläne im Montafon.

Naturschutz hat Priorität

Wenn es um die Interessenabwägung zwischen Tourismuswirtschaft und Naturschutz geht, haben die Vorarlberger klare Prioritäten. Vielen scheint eine Grenze bei der Erschließung der Berge längst überschritten. Wie die repräsentative Umfrage zeigt, spricht sich mit 44 Prozent fast jeder zweite Befragte gar für Beschränkungen aus. Jeder Dritte (32 Prozent) ist der Meinung, dass der derzeitige Stand beibehalten werden sollte. „Wir konstatieren grundlegend eine hohe Sensibilität in Umweltfragen“, beschreibt Meinungsforscher Edwin Berndt die Umfrageergebnisse.

„Wir konstatieren grundlegend eine hohe Sensibilität in Umweltfragen.“

Dr. Edwin Berndt, Meinungsforscher

Das Ergebnis ist deutlich, leichte Unterschiede gibt es allerdings regional und bei der politischen Zugehörigkeit. Während bei der Landbevölkerung, die teils vom Tourismus lebt, ein paar Prozent mehr für einen Ausbau sind (16 Prozent), zeigt sich bei Städtern ein gegensätzliches Bild (8 Prozent). Und dass Anhänger von kleineren Parteien wie Neos und den Grünen mit nur 6 Prozent Zustimmung bei einem Angebotsausbau vom Durchschnitt abweichen, überrascht ebenfalls kaum. Eine große Ablehnung gibt es zudem bei SPÖ-Anhängern (48 Prozent). Aber auch ÖVP-Wähler erteilen entsprechenden Plänen eine deutliche Absage. 41 Prozent sind dagegen. Bei FPÖ-Anhängern ist die Ablehnung mit 37 Prozent etwas geringer.

Und noch etwas zeigt die Umfrage: Eher Ältere, die über 60-Jährigen, sind überdurchschnittlich sensibilisiert in Umweltfragen. 55 Prozent sind für Einschränkungen, nur acht Prozent für einen weiteren Ausbau. Auch sozial weniger Gutbemittelte (C-Schicht) sind mit 49 Prozent überdurchschnittlich stark in jener Gruppe vertreten, die für Beschränkungen sind.