Dieter Petras mühsamer Weg zum Traumberuf

Vorarlberg / 19.03.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieter Petras mit seinem Dackel Norbert. vn/JLO
Dieter Petras mit seinem Dackel Norbert. vn/JLO

Gemeindearchivar Dieter Petras setzte seine Träume konsequent um.

Schlins Zielstrebigkeit ist wohl einer jener Begriffe, mit dem man Dieter Petras treffend beschreiben könnte. Sein ganzes Leben ist nämlich von einem roten Faden geprägt, dem Drang nach Geschichte. „Ich wusste schon während meiner Zeit in der Lehre zum Werbe- und Industriefotograf, dass ich später Geschichte studieren und einen Beruf in diesem Feld ausüben will“, erzählt Petras von seinem langen aber disziplinierten Weg zum Doktorat.

Bildungswege eins, zwei und drei

Seine Laufbahn begann dabei in einem seiner heutigen Tätigkeit entfernten Gebiet: dem Postwesen. „Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, hätte ich auch bei der Post bleiben sollen“, sagt Petras und schmunzelt. „Da war schon die Lehre zum Fotografen der zweite Bildungsweg.“ Mit dem gefassten Entschluss ging es dann aber Schlag auf Schlag – nach der Tätigkeit als Fotograf folgte die Abendmatura und 1996 dann der Start des Geschichtestudiums. Bis dieses in trockenen Tüchern war, sollten aber noch einige schwere Jahre vergehen.

„Kurz nach meiner Abendmatura wurde bei mir Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert“, erzählt Petras. Das war bereits das zweite Mal. „Da stand natürlich auch die Frage im Raum, ob ich nicht gleich wieder aufhören soll zu studieren.“ Petras biss aber durch, überstand die Behandlungen und konnte sich nach einem Jahr und 20 Kilo weniger wieder seinen Studien widmen. „Der Krebs war natürlich auch ein starker Antrieb. Ich dachte mir, dass ich kein zweites Leben mehr habe und ich im Hier und Jetzt an der Verwirklichung meiner Träume arbeiten will“, sagt der heutige Historiker. 2006 konnte er den zweiten Abschnitt seines Studiums beenden und 2015 – vor vier Jahren – sein Doktorat.

Heute arbeitet Petras für die Gemeindearchive von Schlins, St. Gallenkirch und Lochau. „In Schlins fand ich unmittelbar nach meiner Rückkehr aus Innsbruck 2008 eine Stelle“, erzählt der auch heute noch in Schlins Lebende. „Der damalige Bürgermeister Harald Sonderegger kam auf mich zu, weil die Jagdberggemeinde eine Dorfbuchreiche machen wollte. Auf mich aufmerksam gemacht hat dabei Andreas Rudigier.“

Dass er dabei in Schlins bleiben würde, ahnte Petras damals noch nicht: „Es hat mir hier dann eben sehr gut gefallen. Und die Dorfgemeinschaft ist super, es hat mich in meinen zehn Jahren hier noch niemand auf die Seite genommen, um über jemand anderen zu ‚schnorren‘.“

Neben der Dorfbuchreihe und weiteren Büchern war bisher ein zentraler Punkt in Petras Arbeit seine Dissertation. In dieser beschäftigte er sich mit der Auswanderung aus dem Walgau. „Ich hätte genügend Material, um mich auch mit der Einwanderung und der Binnenwanderung im Walgau zu befassen oder mit der Migrationsthematik im Brandnertal“, gibt der Historiker schon Aussicht auf seine künftigen Pläne. Aus der Dissertation entwickelte Petras nun unter der Federführung von Christof Thöny und im Auftrag der Regio im Walgau eine Wanderausstellung, die am Donnerstag, 21. März, ab 20 Uhr erstmals im Nenzinger Wolfhaus präsentiert wird.

Vertieft sich Petras mal nicht in historische Texte oder Datensammlungen, treibt es ihn an die frische Luft. „Fünf Jahre, nachdem ich den Krebs besiegt hatte, dachte ich mir, dass ich wohl noch länger leben werde“, erklärt Petras. „Deshalb hörte ich auf zu rauchen und Alkohol zu trinken. Stattdessen gehe ich täglich bis zu zwei Stunden spazieren mit meinem Hund – Norbert.“