Vandanser Mutter beklagt Ausgrenzung ihres Sohnes bei Ferienbetreuung

19.03.2019 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pio vor seinem Haus mit Mama Claudia. Er ist ein quicklebendiger Bub mit Temperament und viel Empathie. VN/Paulitsch

Pio hat das Downsyndrom. In der kommunalen Ferienbetreuung will man ihn deswegen nicht.

Vandans Pio ist ein quicklebendiges Kerlchen. Er flitzt mit dem Tret-Gokart flink durch den Garten seines Elternhauses, lacht und jauchzt. Im April wird er sieben. Seinen Eltern macht er große Freude. Diese Freude wird von der offiziellen Gemeinde Vandans jedoch nicht geteilt. Pio soll nicht in die kommunale Ferienbetreuung aufgenommen werden. „Weil er ein schwieriges Kind sei, begründet das der Bürgermeister“, erzählt Mutter Claudia Kiparra (42).

Kein Formular erhalten

Seit über einem Jahr liegt Claudia Kiparra, angehende Sozialpädagogin und leidenschaftliche Kämpferin für Menschen mit Downsyndrom, mit dem Vandanser Bürgermeister Burkhard Wachter (64) im Clinch. Begonnen hatte alles mit einer nicht erhaltenen Post. „Während die Eltern aller anderen Schulkinder ein Formular mit den Anmeldemodalitäten für die Ferienbetreuung im Sommer bekamen, ging bei uns nichts ein.“ Kiparra wollte wissen warum, weil sie Pio in die Ferienbetreuung schicken wollte. Wochenlang bekam sie keine Antwort. Schließlich forderte sie einen Termin beim Bürgermeister ein. Als sie den endlich bekam und mit einem IFS-Experten bei Gemeindechef Wachter erschien, „erzählte man mir, es gebe kein Betreuungspersonal für ein so schwieriges Kind wie das meinige“.

Pio soll während der Ferienbetreuung in eine "Einrichtung". Doch das gefällt seiner Mutter ganz und gar nicht.VN/Paulitsch
Pio soll während der Ferienbetreuung in eine „Einrichtung“. Doch das gefällt seiner Mutter ganz und gar nicht.VN/Paulitsch

Als sie versucht habe, Lösungsmöglichkeiten für die Rekrutierung von Personal aufzuzeigen, sei man von Gemeindeseite ungemütlich geworden. „Man sagte mir, ich solle das gefälligst ihnen überlassen, was hier geschehe und was nicht.“

Mutter klagt an

Nach langem Hin und Her wurde Pio letztlich in die Ferienbetreuung aufgenommen. Dort sei es dann, so räumt die Mutter ein, nicht so einfach gewesen. „Aber es gab in Vandans halt auch kein qualifiziertes Personal. Pio war manchmal stur, und man muss wissen, wie mit Kindern mit Entwicklungsverzögerungen umzugehen ist“, argumentiert die zweifache Mutter. Ihre Kritik an der Ferienbetreuungspraxis in Vandans ist fundamental. „Es kann doch nicht sein, dass Kinder mit leichten Beeinträchtigungen ausgegrenzt und isoliert werden sollen. Pio braucht keine Medikamente oder spezielle körperliche Hilfen. Er ist ein empathisches Kind mit seinen Schwierigkeiten, ja. Aber das ist es auch schon.“

Kiparra will, dass Pio auch in den Ferien im Dorf bleiben kann und in seiner natürlichen Umgebung mit den dort befindlichen Kindern zusammen sein darf.

Pio und die „Einrichtung“

Für heuer scheint das im Zusammenhang mit der Ferienbetreuung nicht möglich. Von der Gemeinde kommen klare Signale. Man wolle für Pio eine Lösung finden – außerhalb vom Dorf. Pio sei ein schwieriges Kind . „Er müsse in eine Einrichtung, teilte mir der Bürgermeister mit“, berichtet Kiparra. Sie ist erzürnt. „Wenn ich das Wort Einrichtung nur höre. Pio soll bei den Kindern im Dorf bleiben dürfen. Er braucht keine ‚Einrichtung'“.

Die VN baten Bürgermeister Burkhard Wachter selbstverständlich um eine Stellungnahme. „Er ist krank und derzeit nicht erreichbar“, wurde vom Gemeindeamt mitgeteilt.

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