Halsklammer, Schläge und Messerschnitte

Vorarlberg / 20.03.2019 • 18:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Einvernahme des Angeklagten gestaltete sich schwierig. VN/GS
Die Einvernahme des Angeklagten gestaltete sich schwierig. VN/GS

Lebensgefährtin wirft dem Angeklagten (32) Misshandlungen in Serie vor.

Feldkirch Die vorgeworfenen Gewaltexzesse hatten offenbar System. Denn sie geschahen laut Anklage ständig dann, wenn der 32-jährige Ungar betrunken war. Sehr zum Leid seiner Lebensgefährtin, die vom April 2017 bis Dezember 2018 ein fortlaufendes Beziehungsmartyrium durchzustehen hatte, und zwar zumindest alle drei bis vier Wochen.

Seltsame Nötigung

So soll es geschehen sein, dass der Mann der Frau in „einer Vielzahl von Angriffen“ mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe. Auf den Boden soll er sie gestoßen, in die Halsklammer genommen und ihr die Luft abgeschnürt haben.

Und das ist noch nicht alles. Der Gewaltreigen habe sich fortgesetzt, indem der 32-jährige seine Freundin immer wieder gegen die Wand stieß und auch dagegen drückte, wodurch sie Hämatome erlitt und über mehrere Tage von andauernden Schmerzen geplagt wurde.

Außergewöhnlich, ja beinahe abstrus erscheint noch jene Art der Nötigung, die der Beschuldigte zusätzlich begangen habe. Als nämlich seine Lebensgefährtin mit einem Messer die Waschmaschine öffnen wollte, hätte er ihre Hand, in der sie die Waffe hielt, gepackt und sich selbst damit mehrere Schnittverletzungen zugefügt. Nur um anschließend gegenüber der Polizei zu behaupten, er selbst sei von der Frau mit dem Messer traktiert worden. Was die Anklage um den Vorwurf der Verleumdung erweiterte.

Erinnerungslücken

Die Einvernahme des Beschuldigten durch Richter Andreas Böhler bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch gestaltet sich äußerst schwierig. Mit den Vorwürfen konfrontiert, antwortet der 32-Jährige ständig mit denselben, kurzen und lakonischen Floskeln: „Keine Ahnung, ich weiß nicht, was passiert ist und habe keine Erinnerung.“

Na schön, dass es hin und wieder „Stress“ in der Beziehung gegeben habe, gibt er zu. „Aber es waren nur Streitigkeiten mit Worten“, sagt er. Zur Anzeige und dem nunmehrigen Prozess war es übrigens gekommen, weil ein Nachbar aufgrund des Getöses die Polizei verständigt hatte.

Apropos Worte: Richter Böhler hegt langsam Zweifel, ob der ungarische Angeklagte der Verhandlung überhaupt klar folgen kann. „Verstehen Sie mich eigentlich? Denn wissen Sie, das ist hier wichtig! Wie gut können Sie deutsch?“, will Böhler wissen. Der Angesprochene erwidert achselzuckend: „Nicht so gut“.

Dolmetscher vonnöten

Probleme hätte es deswegen bereits mit der Polizei gegeben, behauptet der Ungar und versucht dem Gericht zu erklären: „Ich habe die Fragen der Beamten mit einem Brief beantwortet, den ich übersetzen ließ.“ Doch das erscheint gewissermaßen eigenartig. Schließlich war im Polizeiprotokoll von damals vermerkt, dass sich der Beschuldigte bei den Vernehmungen „ausreichend deutsch verständigen“ konnte.

Der Richter vertagt die Verhandlung auf Mai. Dann allerdings mit Dolmetscher. Um auf Nummer sicher zu gehen. VN-GS