„Illegale schaden vor allem uns“

Vorarlberg / 20.03.2019 • 18:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jürgen Irsigler ist seit 14 Jahren Chef bei Admiral Sportwetten. VN/Paulitsch
Jürgen Irsigler ist seit 14 Jahren Chef bei Admiral Sportwetten. VN/Paulitsch

100-Millionen-Euro-Umsatz-Wettanbieter fordert Novelle des Glücksspielgesetzes.

SCHWARZACH Sich von illegalem Glücksspiel und unlauteren Wettaktivitäten klar abzugrenzen, ist eines der Hauptanliegen von Admiral Sportwetten-Geschäftsführer Jürgen Irsigler. Deswegen würde man auch sehr eng mit Behörden und Politik zusammenarbeiten, sagt Irsigler im VN-Interview.

 

Gibt es derzeit einen Hype bei Sportwetten?

Irsigler Sagen wir so: Es gibt eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Dazu trägt vor allem der digitale Markt bei. Man kann ja mittlerweile Wetten per PC oder Smartphone platzieren. Das Geschäft in den Wettlokalen stagniert oder ist leicht rückläufig. Nichts hat sich an unserem klassischen Kundenprofil geändert. Unsere Hauptkunden sind weiterhin sportaffin und männlich.

 

Wie hart umkämpft ist der Markt?

Irsigler Der Markt ist umkämpft, klar, aber er hat sich in letzter Zeit gesundgeschrumpft. Weniger professionelle Unternehmen haben sich auch aufgrund strengerer Auflagen zurückgezogen, übrig geblieben sind im Wesentlichen fünf Anbieter, die alle innerhalb des Österreichischen Sportwettenverbandes organisiert sind. 90 Prozent des gesamten Umsatzes im Sportwettengeschäft wird von den Mitgliedern des Verbandes lukriert. Wir haben 250 Filialen, beschäftigen 1200 Mitarbeiter. 75 Prozent der Standorte sind Eigenfilialen, 25 Prozent sind Franchise-Partner. In Vorarlberg haben wir drei Standorte.

 

Sportwetten und Glücksspiele werden von vielen sehr kritisch gesehen. Wie gehen Sie als Anbieter mit diesem Image um?

Irsigler Uns ist klar, dass Sportwetten eine sensible Dienstleistung sind, die manchmal zu Problemen führen. Deswegen arbeiten wir auch mit Spielerberatungsstellen und Therapiestationen zusammen. Alle unsere Mitarbeiter von Admiral in Vorarlberg waren zum Beispiel schon einmal gemeinsam auf der Maria Ebene und haben dort eine Schulung gemacht.

 

Gibt es bei Ihrem Unternehmen so etwas wie Spielerschutzmaßnahmen?

Irsigler Es gibt bei uns eine eigene Abteilung mit sieben speziell geschulten Mitarbeitern, die allen unseren Mitarbeitern ein Basiswissen zu diesem Thema vermitteln. Die Mitarbeiter erhalten einen Stufenplan, der es ihnen ermöglicht, Spieler auszumachen, die Probleme haben. Kunden können sich bei uns entweder selbst sperren lassen, oder wir sperren sie. Das passiert zum Beispiel dann, wenn sie sich weigern ein Gespräch über ihr Problem mit einem unserer Experten zu führen, oder sie sind in diesem Gespräch nicht einsichtig.

Wann hat ein Spieler Ihrer Meinung nach ein Problem?

Irsigler Wenn sie zum Beispiel aggressiv oder depressiv sind.

 

Wie viele regelmäßige Spieler haben Sie, und wie viele sperren Sie pro Jahr?

Irsigler Wir haben derzeit circa 12.000 registrierte Kunden. 30 bis 40 Spieler werden jährlich gesperrt, die Zahl der Selbstsperren ist deutlich höher. Sie liegt zwischen 150 und 200 Personen pro Jahr.

 

Sind Ihre Automaten mit dem Finanzministerium verbunden?

Irsigler Im Glücksspielbereich sind die registrierten Automaten ans Bundesrechenzentrum angeschlossen, ja, im Bereich Wetten nein. Wobei der Glücksspielbereich für Vorarlberg keine Rolle spielt. In Ihrem Bundesland sind Glücksspielautomaten nämlich grundsätzlich verboten. Automatenglücksspiel ist nur in fünf Bundesländern erlaubt. Bei den Wettterminals gibt es keine gesetzliche Vorgabe, die einen Anschluss an das Finanzministerium vorsieht. Aber es wäre kein Thema, sollte das Vorschrift werden.

 

Durch welche Maßnahmen kann man sich effizient vor illegalem Glücksspiel und verbotenen Wett-umtrieben schützen?

Irsigler Wir unterstützen jede Maßnahme der Vollziehung im Kampf gegen illegale Angebote. Es gibt regelmäßige Besprechungen mit Verantwortlichen. Erst letztes Jahr gab es ein Treffen, an dem Vertreter des Landes Vorarlberg, von Polizeibehörden, von der Spielerberatungsstelle Maria Ebene und von der Wirtschaftskammer teilgenommen haben. Wir haben da Informationen ausgetauscht. Wir haben gemeinsam die Frage behandelt: Was kann man tun, um Illegalität wirksam zu bekämpfen? Uns ist allen klar, dass das Glücksspielgesetz novelliert werden muss. Ich weiß, dass man jetzt intensiv daran arbeitet. Es soll ja noch dieses Jahr zu einer Novellierung des Gesetzes kommen. Die Vollzugsorgane brauchen noch effizientere Instrumente, um die Illegalität wirksam zu bekämpfen. Das ist absolut in unserem Sinne. Und zwar weil ja vor allem unsere Image unter den illegalen Aktivitäten leidet, und weil diese kriminellen Anbieter natürlich unmittelbar unsere Kunden ansprechen.

 

Welche effizienten Instrumente meinen Sie da konkret?

Irsigler Diese Betreiber sollten die Legalität ihrer Aktivitäten selber beweisen müssen. Es sollten bei Verdacht rasche und nachhaltige Betriebsschließungen möglich sein, es sollte keine sogenannten Klingelbetriebe geben dürfen. Mit Klingelbetrieben sind Lokale gemeint, bei denen man läuten muss, und dann werden nur bestimmte Personen eingelassen. Wir unterstützen die Forderungen der Exekutive voll und ganz.

 

Was sind Ihre Zukunftspläne in Vorarlberg?

Irsigler Es gibt Überlegungen, zu den drei Standorten, die wir derzeit in Vorarlberg haben, noch drei weitere hinzuzufügen. Es sind auch Sponsoraktivitäten denkbar, vor allem dort, wo wir auch mit Filialen vertreten sind.