VN-Umfrage zum Ausbau des touristischen Angebots schlägt Wellen

Vorarlberg / 20.03.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Projekte wie der geplante Speicherteich spalten die Gemüter der Vorarlberger.
Projekte wie der geplante Speicherteich spalten die Gemüter der Vorarlberger.

Investitionen ins touristische Angebot im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit.

Montafon Ein Großteil der Vorarlberger ist gegen den Ausbau des touristischen Angebots in den Bergen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dr. Berndt hervor. Der repräsentativen Umfrage zufolge scheint vielen eine Grenze bei der Erschließung der Berge längst überschritten. 44 Prozent sind sogar für eine Beschränkung des Ausbaus.

Während das Ergebnis bei Naturschützen für Freude sorgt, wird das Umfrageergebnis von Tourismus- und Wirtschaftstreibenden im Montafon hingegen kritisch betrachtet. „Die Ergebnisse der veröffentlichten Umfrage sollten der Landesregierung sehr zu denken geben: Wenn auch die Landbevölkerung, die sportlichen jungen Leute sowie ÖVP- und FPÖ-Wähler sich mit einer klaren Mehrheit gegen neue Tourismusgroßprojekte in den Bergen aussprechen, hat man das Umweltinteresse der Bevölkerung offensichtlich unterschätzt“, kommentiert Naturschutzanwältin Katharina Lins (51) das Umfrageergebnis. „Das liegt wohl daran, dass der Kontakt der Regierung mit den Teilen der Bevölkerung, die etwas bauen wollen, intensiver ist, und dadurch die Wahrnehmung der „öffentlichen Meinung“ ziemlich verzerrt wird“, so Lins.

400 Millionen Euro

„Was in dieser Diskussion oft missinterpretiert wird, ist, dass diese Maßnahmen einzig auf die Erhaltung des Bestands sowie eine Qualitätsverbesserung abzielen. Die Erweiterung von Gebieten hat niemand vor“, entgegnet Montafon Tourismus Geschäftsführer Manuel Bitschnau (43). Laut dem Tourismuschef gehe es darum, „die bestehende Infrastruktur besser auszulasten, sowohl was die Betten, aber auch die Bahninfrastruktur anbelangt“.

Den Touristikern werde oft (zu Unrecht) vorgeworfen, sich zu sehr auf den Winter zu versteifen, so Bitschnau. „Fakt ist aber, dass seit einigen Jahren der Fokus auf den Sommer gelegt wird.“ Die Investitionen würden auch eine Erhaltung der Wertschöpfung bedeuten und seien daher erforderlich. „Durch den Tourismus kommen jährlich über 400 Millionen Euro ins Montafon. Zudem hängen 2500 Arbeitsplätze direkt davon ab. Indirekt sind es viel mehr“, so der Tourismuschef.

Ähnlich sieht das WIGE Montafon Obmann, Christof van Dellen (55): „Als Wirtschaftstreibende im Tal sind wir natürlich abhängig vom Tourismus.“ Eine sorgfältige Erweiterung des Angebots ist aus seiner Sicht durchaus zu begrüßen. „Es wird sicher zu einem Verdrängungswettbewerb kommen, da heißt es konkurrenzfähig zu bleiben.“ Auch der Schrunser Bürgermeister Jürgen Kuster (48) sieht im Tourismus eine wesentliche Wirtschaftsgrundlage. „Der Wohlstand des Tals basiert auf dem Tourismus“, hält der Gemeindechef fest. Gleichzeitig kritisiert Kuster, dass Wahrnehmung und Realität oft eine andere seien. Es gelte, eine gute Balance zu finden. „Der Tourismus ist kein Teufelswerk.“

Wie ein Planschbecken im Meer

„Ich sehe mich durch die Umfrage bestätigt“, freut sich hingegen Heribert Thoma (63) von der Bürgerinitiative Zukunft Montafon. „Ich bin der Meinung: Tourismus ja, aber sanfter Tourismus“, so Thoma. Ein Rückbau des bestehenden Angebots ist aus seiner Sicht zwar viel verlangt, aber der Vandanser spricht sich klar gegen einen weiteren Ausbau des touristischen Angebots in den Bergen aus. „Fortlaufende Projekte gehören verboten“, macht er seinen Standpunkt deutlich. Attraktion sollen die Landschaft bzw. die Berge sein: „Wir sind so gesegnet, wir brauchen keinen Rummelplatztourismus. Das ist, wie wenn man ein Planschbecken ins Meer baut.“