Um ein Drittel mehr Autos: Verkehrslawine im Rheintal

Vorarlberg / 22.03.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Allein zwischen Dornbirn-Nord und Wolfurt sind 2018 im Jahresdurchschnitt in beide Richtungen 54.380 Fahrzeuge erfasst worden.VN/Steurer

Allein seit 2012 hat die Zahl der Fahrzeuge auf der A14 um ein Drittel zugenommen.

Johannes Huber

SCHWARZACH Wenn man auf der Rheintalautobahn unterwegs ist, ist es nicht nur ein Gefühl, das einem sagt, dass es mit dem Verkehr immer heftiger werde. Es ist messbar. Die Asfinag, die sich um die höherrangigen Straßen kümmert, hat automatische Zählstellen laufen. Unter anderen auch auf der A14, Höhe Schwarzach, zwischen Dornbirn-Nord und Wolfurt, Lauterach. 2012 sind hier im Jahresdurchschnitt in beide Richtungen 41.922 Fahrzeuge erfasst worden. Dabei ist es nicht geblieben. In Laufe der Zeit wurden es immer mehr. 2018 sind es bereits um ein Drittel mehr gewesen. 54.380 nämlich. 3622 davon waren Lkw und Busse, 50.758 Motorräder, Autos und Lieferwagen bis dreieinhalb Tonnen.

Wobei es sich eben nur um Jahresdurchschnittswerte handelt. Tagsüber ist mehr los als nachts. Freitags mehr als sonntags und im Juli mehr als zum Beispiel im Jänner. Konkret: An Freitagen sind im Juli 2018 bei Schwarzach 67.007 Fahrzeuge pro Tag gezählt worden. Das entspricht knapp 50 pro Minute.

„Auf der A14 und der S 16 können wir bereits seit mehreren Jahren eine kontinuierliche Verkehrszunahme feststellen.“

Karlheinz Rüdisser, Verkehrslandesrat

Die Statistik würde noch viel erzählen: Noch mehr Fahrzeuge als bei Schwarzach gab es 2018 im Jahresdurchschnitt zwischen Bregenz und Wolfurt, Lauterach sowie zwischen Hohenems und Altach, Götzis. Im ersten Fall handelte es sich um 63.619, im zweiten um 60.335 im Jahresschnitt. Da wie dort liegen jedoch keine älteren Werte vor, sodass ein längerfristiger Vergleich noch nicht möglich ist. Das ist das eine. Das andere: Folgt man nach Süden der A14 und schließlich der Arlbergschnellstraße S16, lässt der Verkehr nicht nur nach, er hat in den letzten Jahren auch nicht so stark zugenommen. Zwischen den Anschlussstellen Bludenz, Bürs und Montafon seit 2012 beispielsweise nur um ein Achtel auf 27.126 Fahrzeuge.

Zusätzliche Investitionen

Verkehrslandesrat Karlheinz Rüdisser (64, ÖVP) sieht die Entwicklung nicht nur negativ: „Auf der A14 und der S16 können wir bereits seit mehreren Jahren eine kontinuierliche Verkehrszunahme feststellen“, sagt er: „Das hängt mit der dynamischen Entwicklung Vorarlbergs zusammen und zeigt zum einen, dass es recht gut gelingt, den Verkehr auf das hochrangige Straßennetz zu lenken und damit die Ortsdurchfahrten vor größerem Verkehrsaufkommen zu bewahren.“ Selbstverständlich aber zwinge das auch zu zusätzlichen Investitionen, wie der 64-Jährige betont: Für geplagte Autobahnanrainer seien Lärmschutzmaßnahmen nötig. Mit der Asfinag sei man in intensiven Vorbereitungen zur Realisierung der längst überfülligen Autobahnverbindung in die Schweiz, der S18 also. Rüdissers Regierungskollege Johannes Rauch (59) von den Grünen, der für öffentlichen Verkehr zuständig ist und zuletzt alternative Anbindungsmöglichkeiten ans Nachbarland ins Spiel gebracht hat, sieht ein anderes Problem. Es heißt 800.000 grenzüberschreitende Lkw-Fahrten pro Jahr. 40.000 davon würden allein auf Kiestransporte von Deutschland über Vorarlberg in die Schweiz entfallen. Das müsse angegangen werden. Wie? Rauch: „Hätten wir, wie die Schweiz, eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe, würde das den Ländern nicht nur rund 650 Millionen Euro an Einnahmen bringen, sondern den Anreiz, auf die Schiene zu gehen, massiv erhöhen.“ Abgesehen davon stellt der Landesrat jedoch fest, dass nicht nur der Autobahnverkehr zunimmt, sondern auch die Nachfrage der Bevölkerung nach Bus und Bahn, und zwar um zehn Prozent pro Jahr. Das immerhin sei positiv.