Diesel- statt Elektrobus

Vorarlberg / 25.03.2019 • 18:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Test mit E-Mobilität im Bus-Linienverkehr läuft nicht: Bisher wurde kein Bus geliefert.

feldkirch Mit großem politischen Aufgebot wurde im Oktober verkündet, dass Vorarlberg in Sachen Elektromobilität ein weiteres Mal eine Vorreiterrolle übernehmen werde. Vier E-Busse sollten, so der Plan, ab Dezember 2018 im Bereich des Landbus Oberes Rheintal eingesetzt werden. Sie würden, verkündete Landesrat Johannes Rauch, auf vier Linien in besonders emissionsbelasteten Gebieten eingesetzt werden. Bis heute ist aber kein einziger Elektro-Bus im Vorarlberger Linienverkehr unterwegs. Einzig die Ladestation in der Feldkircher Reichsstraße wurde bisher fertiggestellt.

Lieferprobleme bei Achse

Wie Verkehrsverbund-Projektleiter Gerhard Kräutler erklärt, hängt das Problem an den Rädern. Für den Winterbetrieb in Vorarlberg ist eine Doppelbereifung notwendig, die beim gewählten Busmodell an und für sich nicht vorgesehen ist. Die wird vom Zulieferer Ziehl-Abegg gemacht, der bis heute nicht an ebe-Europa, das Memminger Unternehmen, das den Bus baut, geliefert. Auf der Achse befindet sich der Radnabenmotor, der den Bus antreibt. Bis wann geliefert wird, weiß man in Vorarlberg nicht.

Alternative habe es keine gegeben, nur dieses Unternehmen sei bereit gewesen, für die Batterie eine Garantie über die gesamte geplante Laufzeit von zehn Jahren zu geben. Die Konkurrenz gebe maximal sieben Jahre Garantie. „Wenn kein Batterietausch vorgenommen werden muss, dann ist der Erhalt im Vergleich zu einem Dieselantrieb derzeit gleich teuer“, erklärt Kräutler. Eine Tauschbatterie veranschlagt mit 150.000 Euro, damit würden die Lebenszeitkosten weit über die der derzeit verwendeten Dieselbusse hinausgehen.

Die vier bestellten, aber nicht gelieferten Busse dienen als Testballon. Zwölf Monate lang werden sie im regulären Betrieb eingesetzt. Dann wird evaluiert, ob mit einem elektrisch betriebenen Bus zu jeder Jahreszeit der gleiche Komfort und die gleiche Laufleistung erzielbar sind, erklärt Kräutler. Dass sich der Test verzögert, sieht der Projektleiter durchaus auch positiv. „Jedes halbe Jahr bringt große Entwicklungssprünge“, meint er. Regionen, die mit frühen Generationen gearbeitet haben, hätten sich mangels technischer Reife von der E-Mobilität abgewandt.

Kräutler streut dem Dieselbus Rosen. „Wir verfügen über die wahrscheinlich jüngste Flotte in Österreich“, erklärt er. Die eingesetzten Busse seien sehr schadstoffarm. Trotzdem glaubt er aber, dass die Zukunft in der Elektromobilität liegt: Bei Lkw und Bus sei dabei das Speichermedium noch nicht fix. Neben der Batterie könnte auch Wasserstoff, der mit überschüssigem Strom erzeugt wird, eine Rolle spielen.

Es wird jedenfalls noch dauern, mit dem großflächigen Einsatz von E-Bussen in Vorarlberg. Auch nach einer positiven Testphase müsste man warten: Derzeit liegen die Lieferzeiten für Elektrobusse bei zwölf bis 14 Monaten.

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