Artenne-Gründer Hildegard und Helmut Schlatter setzen sich für Kultur ein

Vorarlberg / 28.03.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hildegard und Helmut Schlatter engagieren sich für eine gute Kulturvermittlung im ländlichen Raum, konkret in ihrer Heimat, dem Walgau.bi

Artenne feiert heuer ihr 25-jähriges Jubiläum.

NENZING Die Artenne Nenzing feiert heuer das 25-jährige Bestehen. Gegründet wurde dieses außergewöhnliche Projekt von Hildegard und Helmut Schlatter mit dem Ziel, eine Plattform für Auseinandersetzungen mit Kunst und Kultur im ländlichen Raum zu bieten. In diesem Rahmen soll das Bewusstsein für das Kulturerbe und dessen Potenzial in der Region gestärkt sowie ein Zugang zur zeitgenössischen Kunst und Kultur für die regionale Bevölkerung geschaffen werden. Das Jubiläumsjahr wird heuer mit unterschiedlichsten Aktivitäten gefeiert.

Wie kam es zur Gründung der Artenne?

HELMUT Ich hatte immer schon gerne gemalt und gezeichnet, war künstlerisch unterwegs und wollte eigentlich die Kunstakademie besuchen. Zudem hatten Hildegard und ich schon lange die Idee, eine andere Form der Auseinandersetzung mit Kunst bieten zu können.

HILDEGARD Ein Großonkel meinerseits, der kinderlos war, hinterließ mir das große Bauernhaus mit Stall. Dies erwies sich als Glücksfall, denn es bot uns die Gelegenheit, 1994 einen ersten Sommerworkshop für Künstler anzubieten. Wir waren mit sehr viel Enthusiasmus dabei. Es wurde konzeptionell und in Ruhe gearbeitet. Dieser Workshop stellte vor allem einen Impuls dar, ins Tun zu kommen. Dabei stand nicht der Ausstellungsgedanke im Vordergrund, vielmehr der Austausch und die Ermunterung. In Vorarlberg hatte es bislang so etwas noch nie gegeben, es war eine Form einer Meisterklasse wie auf einer Akademie.

Wie ging es dann weiter?

HILDEGARD Dieser erste Workshop mit akademischen Künstlern und Autodidakten hat uns begeistert. Für einige Teilnehmer war es die Initialzündung, sich noch intensiver mit Kunst zu befassen. Von Pepi Hanser, einem Urgestein in der Kulturvermittlung und einem Freund der Familie, kam dann die Idee, eine Ausstellung zu veranstalten. So initiierten wir im Herbst 1994 eine Ausstellung, die ein grandioser Erfolg wurde. Der Stall diente als Galerie, Holzbretter haben die verschiedenen Ebenen miteinander verbunden. Der Ausstellungsraum ist in den folgenden Jahren dann gewachsen.

HELMUT Ich habe von 1998 bis 2000 in Wien eine Diplomausbildung zum Kurator für Kommunikation im Museums- und Ausstellungswesen am Institut für Kulturwissenschaft absolviert. Dadurch bin ich viel herumgekommen und habe sehr interessante Leute kennengelernt. Im Rahmen meiner Abschlussarbeit habe ich dann ein neues Konzept erarbeitet, eben die Artenne.

Was beinhaltet dieses Konzept?

HILDEGARD Ursprünglich haben wir unser Projekt Tenneale, in Anlehnung an die Biennale, die Berlinale oder die Viennale genannt, dann haben wir uns aber doch für Artenne entschieden. Artenne versteht sich dabei als ein Ort und nicht als ein Projekt. Mit der neuen Verortung sollte auch ein ganzes Jahresprogramm geboten werden.

HELMUT Der Raum sollte als Plattform geöffnet werden. Es ist uns ein Anliegen, regionale Themen in den Fokus zu stellen, wie die Themenbereiche Bergheimat, Sommerfrische im Himmel, Walgau sichten und sammeln. Dabei werden nicht nur Experten der Kunstebene einbezogen, sondern auch Architekten, Landschaftsgärtner oder Biologen. Das Ganze führte dann in das Leader-Projekt 2007, einem Förderprogramm der Europäischen Union und der Vorarlberger Landesregierung. Wir waren im Oberland die Ersten, die für ein Kulturprojekt solch eine Investitionsförderung erhielten. Das bedeutete für uns einen immensen Professionalisierungsschub. So kam es dann auch zur Gründung des Vereins Artenne, und unser Rahmenprogramm hat sich in dem folgenden Jahren massiv erweitert. BI