Hanno Loewy

Kommentar

Hanno Loewy

Migration. Ein echtes Problem

Vorarlberg / 28.03.2019 • 07:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Für manche Länder Europas ist Migration wirklich ein ernsthaftes Problem. Zum Beispiel für Ungarn und Polen. Dort regiert der offene Fremdenhass. Beide Länder brüsten sich damit, Europas Bollwerk gegen die Masseneinwanderung von Muslimen zu sein. Und bekommen dafür immer wieder Applaus von Kanzler Kurz und seiner türkis-blauen Entourage. Ungarn und Polen, kämpfen allerdings nicht wirklich mit einem Massenansturm von Flüchtlingen oder mit einer Flut von Einwanderern. Sie kämpfen mit einem anderen, wirklich ernsthaften Problem. Ihre Bevölkerung sinkt dramatisch. Sie wandert aus. Und genug Nachwuchs haben sie natürlich auch nicht.

Alle Appelle ihrer rechten Regierungen, es doch mal wieder mit ungeschütztem Sex zu versuchen, verhallen ungehört. Die Ungarn und die Polen wollen sich einfach nicht aufs Kinderkriegen konzentrieren. Und beide Länder hadern mit Migranten. Ihren „eigenen“. Ungarn und Polen, die das Land in Scharen verlassen und ihr Glück anderswo suchen. Selbst dann wenn sie, wie die Polen, in Großbritannien zum Gegenstand von anti-katholischer Fremdenfeindlichkeit werden. Vielleicht hoffen die polnischen Nationalisten nun darauf, dass die Briten ihre Landsleute wieder zurück in die Heimat vertreiben. Aber diese seltsame Hoffnung wird wohl auch nicht aufgehen.

„Schätzungen der UN zufolge wird die ungarische Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts um ein Drittel schrumpfen.“

Schätzungen der UN zufolge wird die ungarische Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts um ein Drittel schrumpfen. Für Polen sehen die Zahlen noch schlechter aus. Man rechnet mit einem Bevölkerungsrückgang auf 58%. Das klingt schon dramatisch genug. Nach Entvölkerung ganzer Landstriche, denn parallel dazu wachsen die Städte und schrumpfen die Dörfer.

In Wirklichkeit aber ist es noch viel dramatischer. Denn diejenigen die bleiben, sind deutlich älter als der Durchschnitt, schlechter gebildet, und weniger engagiert. Von ein paar politischen Profiteuren dieser Abwärtsspirale einmal abgesehen. Die meisten von ihnen leben von der Rente oder hoffen darauf, es bald zu tun. Eine Hoffnung, die sich kaum erfüllen wird. Denn mit dem Rückgang vor allem der berufstätigen Bevölkerung ist dann auch Schluss mit der Altersversorgung. Ob die Polen und Ungarn – und andere Länder die es ihnen politisch gleich tun oder es gerne täten – aus diesem Abwärtsstrudel noch herauskommen werden? Im Moment bekommen sie jedenfalls aus Österreich Lob – für diesen Selbstmord auf Raten.

Hanno Loewy ist Direktor des ­Jüdischen Museums in Hohenems.