“Dreck und Lärm an Bärenkreuzung nur schwer zu ertragen”

Vorarlberg / 02.04.2019 • 10:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Matthias Mayer ist aus Überzeugung elektrisch unterwegs, hier etwa mit dem E-Roller. Das würde er sich auch vom Feldkircher Stadtbus wünschen. VN/Schweigkofler
Matthias Mayer ist aus Überzeugung elektrisch unterwegs, hier etwa mit dem E-Roller. Das würde er sich auch vom Feldkircher Stadtbus wünschen. VN/Schweigkofler

Matthias Mayer hat zwanzig Jahre am Verkehrshotspot gelebt. Er glaubt, dass schon vor dem Stadttunnel Verbesserungen hermüssen und macht auch immer wieder Vorschläge dazu.

Feldkirch Matthias Mayer kennt die Bärenkreuzung und das dortige Verkehrsproblem sehr gut. Der Zahnarzt hat fast zwei Jahrzehnte direkt an der Kreuzung gelebt. In dieser Zeit hat sich der gebürtige Oberschwabe immer wieder in die Diskussion um den Verkehrshotspot in Feldkirch eingebracht. Im VN-Bürgerforum, bei städtischen Arbeitskreisen und auch im privaten Umfeld. Getan hat sich bisher wenig. Mittlerweile ist er nach Gisingen umgezogen – mehr Platz, bessere Luft und auch die Ruhe haben ihn dazu bewogen. Aber Mayer bringt sich auch weiterhin mit Vorschlägen und Ideen ein – die Verbesserung der Situation ist dem überzeugten Elektromobilisten ein Anliegen.

“Ich habe zwanzig Jahre am Hirschgraben gelebt”, erzählt er. “Wir hatten da eine wunderschöne Wohnung mit Dachterrasse. Aber der Dreck und Lärm waren schwer zu ertragen.” Bereits vor 15 Jahren habe er an einem öffentlichen Prozess der Stadt teilgenommen. “Die erste Prämisse war: Der Stadttunnel steht nicht zur Diskussion”, erinnert sich Mayer. Dabei ist er überzeugt, dass man erstens nicht so lange warten darf und es zweitens auch jede Menge Sofortmaßnahmen gäbe. “Man sollte beispielsweise die Schulbeginnzeiten entflechten”, schlägt der Feldkircher vor. Viele Eltern bringen ihre Kinder nun mal mit dem Auto in die Schule, das könne nicht wegdiskutiert werden. Wenn diese nun auf den Pendlerverkehr nach Liechtenstein treffen, gibt es Stau, und der betrifft die Bärenkreuzung und die dortigen Anwohner besonders. Mayer wünscht sich auch, dass auch hierzulande über Carpooling nachgedacht wird. “Die meisten Autos im morgendlichen Stoßverkehr sind nur mit dem Fahrer besetzt”, erklärt er. “Das ist ein Wahnsinn.” In anderen Ländern gibt es schnellere Fahrstreifen für Autos, in denen mehrere Passagiere sitzen. “Man könnte doch im Bereich einen Carpooling-Parkplatz schaffen”, schlägt Mayer vor. So könnten die Pendler aus den verschiedenen Ortschaften bis kurz vor Feldkirch fahren und sich dann zusammentun. Ein dritter Vorschlag wäre, temporär E-Autos zu bevorzugen: Mit der grünen Nummertafel versehene Autos sollten etwa gratis parken oder auch Busspuren benutzen können. “Ich habe immer wieder Vorschläge gemacht, die wurden aber nicht weiterverfolgt”, ist Mayer verärgert.

“Die meisten Autos im morgendlichen Stoßverkehr sind nur mit dem Fahrer besetzt. Das ist ein Wahnsinn.”

Matthias Mayer

Mayer ist dabei nicht nur ein Rufer und Mahner, die Elektromobilität lebt er selber vor. In die Arbeit fährt er mit dem E-Bike oder E-Moped, manchmal auch mit dem E-Auto. Mit dem geht es regelmäßig auch quer durch Europa: Seine Frau kommt aus dem heute polnischen Oberschlesien, wo erst kürzlich der Weltklimagipfel stattfand. Die über 1000 Kilometer lange Anreise lasse sich auch ohne Verbrennungsmotor locker bewerkstelligen, erklärt Mayer.

Busse elektrifizieren

Aktuell setzt sich Mayer für die Elektrifizierung der Busse ein. “Es ist ein Wahnsinn, dass in einem Luft-Sanierungsgebiet, wie es Feldkirch ist, immer noch Dieselbusse angeschafft werden”, meint er. “Das macht doch keinen Sinn.” Vonseiten der Verantwortlichen bei Stadt- und Landbus sieht man das etwas anders. Wie berichtet, gibt es bereits bei den vier bestellten Bussen für den Testbetrieb mit Elektrobussen Lieferprobleme, der Betrieb hat noch nicht gestartet. VN.at berichtete. “Unsere Flotte ist wahrscheinlich die modernste Flotte Österreichs”, erklärt Gerhard Kräutler. 75 Millionen Euro seien in den letzten zehn Jahren in Busse mit modernster Technik investiert worden. Im Schnitt sei ein Bus sechs Jahre alt.

“Feinstaub ist bei Nutzlastdiesel kaum mehr messbar”, geht Sigi Burtscher, bei den Stadtwerken Feldkirch für den Stadtbusverkehr zuständig, sogar weiter. Die Anzahl der Überschreitungen bei den Feinstaubmesswerten an der Bärenkreuzung sei stark rückläufig. Trotzdem sei man bereit, die neuen E-Busse in Einsatz zu bringen. Auch bei der neuen Bahnhofcity würden bereits Vorbereitungen für die notwendige Ladeinfrastruktur getroffen. In Zukunft werde das Thema E-Motor nämlich sicher an Bedeutung gewinnen: “Der Wirkungsgrad ist unübertroffen.” Eine Verbesserung würden aber E-Busse jedenfalls bringen: beim Lärm. Denn hier haben E-Busse, darin stimmen Kräutler und Burtscher überein, immense Vorteile.

Verkehr an Innenstadt vorbei

Für Mayer ist die laufende Modernisierung ein hinterfragenswertes Erfolgsrezept. “Wie nachhaltig ist der Austausch alle sechs Jahre?” Und eine Verbesserung sieht er auch nicht. “Der Lärm und Dreck bleibt, niemand wird an einem Busauspuff atmen wollen.”

Die Elektrifizierung werde jedenfalls stattfinden, davon ist er überzeugt. Er hegt dabei eine Befürchtung: “Wenn jetzt eine Stadtumfahrung geschaffen wird, dann fahren in Zukunft die Kunden wahrscheinlich auch nicht mehr ins Zentrum.” Dass Diskonter bereits heute mit der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur beginnen und diese als Marketingmaßnahme setzen, sollte den Verantwortliche zu denken geben, meint er. Mayer wird sich jedenfalls weiter mit Ideen zur Verkehrsberuhigung zu Wort melden, das Thema brennt beim Zahnarzt weiter unter den Nägeln.