Expertin macht Druck beim Klimaschutz

Vorarlberg / 02.04.2019 • 10:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Helga Kromp-Kolb ist eine der Initiatorinnen von „Scientists for Future“. 23.000 Unterschriften hat die Initiative bereits gesammelt. APA

Zur argumentativen Hilfe holte der grüne Klubobmann Adi Gross die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb nach Bregenz.


Bregenz Worte machen Politik. Dem grünen Klubobmann Adi Gross ist zum Beispiel der Begriff Klimaerwärmung zu schwach. Er verwendet „Klimaerhitzung“. Helga Kromp-Kolb ist zwar keine Politikerin, hat ihr Repertoire an Begriffen aber auch erweitert, wie sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gross erläutert. Kromp-Kolb zählt zu den führenden Klimawissenschaftlern Österreichs. Sie ist Professorin für Meteorologie und Klimatologie und leitete bis 2018 das Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Boku in Wien. Die Expertin schlägt Alarm: „Ich habe bisher immer über den Klimawandel gesprochen. Aber das ist es eigentlich nicht, es ist eine Klimakrise.“ Regionen und Länder könnten einen wichtigen Beitrag leisten, diese Krise zu bekämpfen. Für Gross steht deshalb fest: Vorarlberg braucht ein eigenes Klimaschutzgesetz. Er möchte einen einstimmigen Landtagsbeschluss für ein Paket, das besagtes Gesetz enthält.

Die Hitze machte im Sommer auch der Landwirtschaft zu schaffen. DPA
Die Hitze machte im Sommer auch der Landwirtschaft zu schaffen. DPA

Kromp-Kolb betont: Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend. Schafft es Österreich bis dahin nicht, die Treibhausemissionen zumindest um die Hälfte zu reduzieren, ist das Pariser Klimaziel außer Reichweite. Das Pariser Abkommen von 2015 sieht vor, die Klimaerwärmung langfristig bei unter zwei Grad Celsius zu halten, mittelfristig sogar bei unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. „Wenn es so weitergeht, wird Österreich bereits zwischen 2035 und 2045 1,5 Grad erreicht haben“, fährt Kromp-Kolb fort. „Um die Wende zu schaffen, sollten wir die Emissionen bis 2030 zur Hälfte gesenkt haben und bis 2040 bei Null sein. Und zwar nicht bilanziell, sondern tatsächlich.“ Die Wissenschaftlerin rechnet ein weiteres Problem vor: „Nur zwei Drittel des CO2-Ausstoßes, für den Österreich verantwortlich ist, fallen auch tatsächlich in Österreich an.“

Große Ziele

Adi Gross möchte, dass die Bekämpfung des Klimawandels/der Klimaerhitzung/der Klimakrise positiv gesehen wird: „Klimaschutz bedeutet saubere Luft, Heizkosten von 150 Euro pro Jahr, Busse im 15-Minuten-Takt, eine Bahn bis nach Gaschurn und in den Bregenzerwald, weniger Abfall, gesündere Lebensmittel“, zählt der grüne Klubobmann auf. Deshalb müsse nun das Projekt Energieautonomie wiederbelebt werden. Zwar sei schon einiges passiert, die Energieautonomie habe aber an Schwung verloren. „Es braucht mehr Verbindlichkeit“, ist er überzeugt. Er fordert deshalb einen Landtagsbeschluss mit neuen Eckpunkten. Darin sollen Ziele formuliert sein wie: minus 50 Prozent der Emissionen gegenüber 2005; ein Fahrplan, wie Ölheizungen aus den Kellern verschwinden können, eine Sanierungsrate von drei Prozent, 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2025, ab 2030 sollen keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr neu auf der Straße landen, und eben ein Klimaschutzgesetz. „Für alles gibt es ein Gesetz, nur für diese wichtige Frage nicht.“

Gross‘ Wunsch: ein einstimmiger Beschluss. Deshalb möchte er sich mit allen Klubobleuten zusammensetzen. „Und zwar in Ruhe, nicht in der Öffentlichkeit“, ergänzt er. Ein bisschen Eile ist aber geboten: Gross möchte eine Einigung noch in dieser Legislaturperiode erreichen. Die Landtagswahl ist bekanntlich im September.