Rankler „Sternen“ steht vor dem Aus

Vorarlberg / 02.04.2019 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gunther Wetzel zieht einen Schlussstrich: nach mehrjährigem innerfamiliären Streit bietet er das Gasthaus Sternbräu zum Verkauf an. VN/Schweigkofler
Gunther Wetzel zieht einen Schlussstrich: nach mehrjährigem innerfamiliären Streit bietet er das Gasthaus Sternbräu zum Verkauf an. VN/Schweigkofler

120 Jahre Gasthaustradition stehen vor dem Aus: Das Kult-Gasthaus in Rankweil wird von Familie Wetzel als „Abbruchreifer Bestand“ zum Verkauf angeboten. Der „Sternen“ soll aber in neuer Form weiterbestehen.

Gernot Schweigkofler

Rankweil Am 1. April 1899 wurde die Sternbräu-Brauerei, der Sternen, in Rankweil von der Familie Wetzel übernommen. 120 Jahre später, am 1. April 2019, hat der derzeitige Inhaber Gunther Wetzel die Immobilie zum Verkauf auf die Immobilienplattform laendleimmo.at gestellt. „Es ist leider kein Aprilscherz“, betont Wetzel im Gespräch mit den VN.at. Vorangegangen sind diesem Schritt erst ein Konkurs vor zwei Jahren und dann ein längerer familieninterner Streit. Nach dem Konkurs wollte Wetzel einen Teil des Grundstücks an eine Verwandte verkaufen, die hätte es ihm ermöglicht, das Gasthaus weiter zu betreiben. Dazu wurde aber die Löschung von 26 Vorkaufsrechten notwendig, die Familienmitglieder innehatten. „Zwei sind bereits verstorben, 23 haben zugestimmt“, erzählt der Sternen-Wirt. Eine Verwandte hat sich aber dagegen ausgesprochen, es kam zu einem zweijährigen Streit vor Gericht. Und auch den Verkauf an einen Investor hat Wetzel letztlich nicht durchgezogen, das Angebot „hat mir damals missfallen“ .

„Abbruchreifer Bestand“

Jetzt zieht Wetzel aber einen Schlussstrich. Ein Kaufangebot der Verwandten hat er abgelehnt. „Das vorgeschlagene Projekt erscheint uns wirtschaftlich nicht nachvollziehbar“, erklärt der Wirt. „Mir ist das Geld, die Kraft und die Lust vergangen“, erklärt er, warum er das Gebäude jetzt zum freien Verkauf anbietet. Bisher hatte die Wirtsfamilie immer Klauseln eingefordert, der Betrieb der Gastwirtschaft sollte gewährleistet bleiben. Beim Verkauf geht es vor allem um das Grundstück, denn in der Anzeige auf der Immobilienplattform wird der Sternen als „Abbruchreifer Bestand“ bezeichnet. Wert hat hier das Grundstück – 2900 Quadratmeter Baumischfläche sowie 830 Quadratmeter Wald. „Auf dem Sternen waren immer Schulden, deshalb gibt es einen großen Investitionsstau“, erklärt Wetzel, wie es zu dieser Einschätzung kommt.

„Sternen ist mehr als Ziegel“

Was mit dem Gebäude geschehe, das liege jetzt am Investor. „Wenn der Teile für erhaltenswert hält, dann stehen wir Gewehr bei Fuß“, würde Wetzel den Sternen weiterhin betreiben. Auch wenn ein Investor in einem gemischt genutzten Neubau eine Wirtschaft einrichten würde, wäre das eine Möglichkeit. Ansonsten gäbe es andernorts einen gastronomischen Neustart. „Unser Konzept ist gut“, ist Wetzel überzeugt. Seit dem Konkurs schreibe man schwarze Zahlen, die Menschen schätzen das reichhaltige Angebot an Bierspezialitäten.

„Der Sternen sind keine Ziegel oder Mauern, sondern der Sternen sind die Menschen, die bei uns in der Wirtschaft sitzen.“

Gunther Wetzel, „Sternen“-Wirt

Ein Neustart wird deshalb gezielt auf den Stärken aufbauen. Ein Getränkehandel und ein auf Bier fokussiertes Gastronomiekonzept sollen umgesetzt werden. „Wir haben unser Bier, die Marke, das Know-how und die Menschen“, bekräftigt er. Mit an Bord wäre auch die mittlerweile fünfte Generation von Wetzels, erklärt der Wirt. „Der Sternen sind keine Ziegel oder Mauern, sondern der Sternen sind die Menschen, die bei uns in der Wirtschaft sitzen“, ist er überzeugt, dass auch andernorts die von vielen geschätzte Sternen-Atmosphäre aufkommen würde. „In den letzten Tagen und Wochen habe ich viel Zuspruch erhalten“, freut sich Wetzel über die Reaktion seiner Gäste und Geschäftspartner.

Abschiedsparty

Jetzt geht es aber erst einmal ganz normal weiter: „Ich denke, ein Jahr wird sicher noch hier gewirtet“, ist sich der Gastronom sicher. Wenn dann aber geschlossen werde, dann mit einer großen Feier. „Wir waren im Sternen daheim, das soll den Menschen in Erinnerung bleiben“, wünscht sich Wetzel.