Suchtexperten warnen eindringlich vor Cannabis

03.04.2019 • 14:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Primar Michael Willis, Andreas Prenn, Kirsten Habedank: Die süchtig machenden Inhaltsstoffe haben dem „Gras“ seine vermeintliche Harmlosigkeit längst genommen. Rauch

Neue Studien belegen die Gefährlichkeit von „Gras“.

Götzis Wirtschaftliche Belange gerieten diesmal zur Randnotiz. Viel wichtiger war es den Suchtexperten der Stiftung Maria Ebene, eine eindringliche Warnung vor dem Gebrauch von Cannabis unters Volk zu bringen. Primar Michael Willis, Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene, verwies auf valide Daten, laut denen Cannabis alles andere denn harmlos ist und vor allem die Gehirnreifung bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren massiv beeinträchtigen kann. Außerdem führe der Konsum von Cannabis schnell zu psychotischen Erkrankungen, etwa zehn Prozent der Konsumenten würden abhängig. Willis kritisierte auch die Betonung des medizinischen Nutzens scharf. „Der Einsatz von Cannabis ist bei den meisten Indikationen nicht gerechtfertigt“, widersprach der Arzt bei der Präsentation des Jahresberichts anderslautenden Meldungen.

Hohe Kifferrate

Diese aus der Sicht der Suchtexperten ungute Entwicklung veranlasste die Verantwortlichen, dem Thema den Jahresschwerpunkt zu widmen. Unter anderem wird die Werkstatt für Suchtprophylaxe (SUPRO) im November ein Symposium dazu ausrichten. Einer unter 1800 Schülern durchgeführten Umfrage zufolge haben 50 Prozent schon gekifft. „Die Daten sind zwar noch nicht vollständig ausgewertet, aber diese Einschätzung dürfte hinkommen“, sagte SUPRO-Leiter Andreas Prenn. Auch in der Therapiestation Lukasfeld ist das Problem bekannt. „Die Cannabisabhängigkeit nimmt zu“, konstatierte Leiterin Kirsten Habedank und sprach von 15 bis 20 Prozent an Betroffenen. Häufig gehe der Cannabiskonsum mit einer Alkoholabhängigkeit einher. Als besondere Schwierigkeit bezeichnete Habedank den frühen Einstieg in den Cannabisgebrauch. Schon 14-Jährige versuchen sich daran. Damit steige die Gefahr des Umstiegs auf andere Drogen. Die im Lukasfeld behandelten Cannabis-Klienten weisen Kirsten Habedank zufolge häufig psychosoziale Defizite und irreparable Schäden in der Hirnstruktur auf.

Hinschauen und reagieren

Christine Köhlmeier, Leiterin der ambulanten Beratungsstelle Clean in Feldkirch, wartete ebenfalls mit bedenklichen Zahlen auf. Ein Drittel der 272 Klienten waren Cannabis-Konsumenten, 57 von ihnen waren unter 20, die anderen unter 30. Die meisten kamen auf behördliche Anordnung. Trotzdem hört Köhlmeier immer wieder: „Ich bin froh, dass ich kommen muss.“ Sie weiß: „Betroffene werden erst aktiv, wenn sie an eine Grenze geraten.“ Deshalb der Appell der Fachleute: „Angehörige sollten genau hinschauen und sofort reagieren, wenn sie etwas merken.“ Bei einem Auto warte man auch nicht, bis es stehenbleibe. An „Gras“ kommen die Jugendlichen offenbar überall und einfach. „Die Dealer stehen dort, wo die jungen Leute sind“, listete Prenn neben Bahnhöfen auch Skaterplätze und andere Freizeiteinrichtungen auf. Die Gefährlichkeit von Cannabis wird in erster Linie den veränderten Inhaltsstoffen zugeschrieben.

„Es gibt kaum Indikationen, die den Einsatz von Cannabis rechtfertigen.“

Primar Michael Willis, Suchtkrankenhaus Maria Ebene

Silberne Zertifizierung

Doch es gab auch viel Positives zu berichten. So konnte bei den stationären Einrichtungen der Stiftung eine Auslastung von über 90 Prozent erzielt werden, 1200 Patienten profitierten von einer ambulanten Therapie. Zudem ist es gelungen, alle offenen Ärztedienstposten zu besetzen. Die SUPRO erreichte mit ihren Präventionsprogrammen über 10.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die drei Clean-Stellen in Bregenz Feldkirch und Bludenz verzeichneten 28.419 Leistungen. Als weiterer Meilenstein gilt die Umsetzung des Projekts „Rauchfreies Krankenhaus“. Dafür gab es eine Zertifizierung in Silber.