Mutter beklagt Gewalt gegen ihr Kind im Kindergarten

Vorarlberg / 08.04.2019 • 21:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christina K. mit ihrer Freundin und Gota ihrer Tochter Martina T. vor dem Büro der Kindergartenleiterin im Kinderhaus Carina in Feldkirch-Tisis. VN/Hämmerle
Christina K. mit ihrer Freundin und Gota ihrer Tochter Martina T. vor dem Büro der Kindergartenleiterin im Kinderhaus Carina in Feldkirch-Tisis. VN/Hämmerle

Ein gleichaltriger Bub habe ihre Tochter mehrfach misshandelt und verletzt. Kinderhaus Carina in Feldkirch-Tisis wehrt sich.

Feldkirch Montag 7.30 Uhr im Kinderhaus Carina in Feldkirch Tisis. Christina K. (37) wartet mit ihrer Freundin Martina T. vor der Bürotür von Kindergartenleiterin Brigitte Rautz. Spannung liegt in der Morgenluft. „Ich will jetzt wissen, ob sie meine Kinder tatsächlich nicht mehr hierher lassen“, sagt K. Plötzlich treten die Leiterin mit Feldkirchs Stadträtin Gudrun Petz-Bechter sowie die in der Montfortstadt für Kindergartenangelegenheiten zuständige Stadtbedienstete Astrid Hubman aus einem Raum heraus und gehen auf K. und T. zu. „Sie können Ihre Kinder bringen. Die Entscheidung der Stadt, Ihre Kinder in den anderen Kindergarten zu verlegen, hat nach dem Schreiben Ihres Anwalts aufschiebende Wirkung“, verkündet Hubmann.

Kratz- und Würgespuren

Es ist dies der letzte Akt in einer unseligen Geschichte, die am 18. September des Vorjahres ihren Anfang nahm. Damals kam Christina K’s Tochter mit Schlag-, Kratz- und Würgespuren im Gesicht und am Hals nach Hause. Für die Mutter des Mädchens war klar: „Der, der das getan hat, ist ein anderes Kindergartenkind, ein Bub.“ Das Mädchen habe den Namen des Buben genannt. Die Mutter wandte sich an die Verantwortlichen des Kindergartens und verlangte Maßnahmen gegen den Buben, der das Mädchen verletzt habe. Weitere Übergriffe auf das Mädchen wie Festhalten, Versuche, es zu küssen und zu umarmen, hätten sich ereignet.

Spuren von Gewalteinwirkung am Hals des kleinen Mädchens. Die Mutter will das nicht hinnehmen.Kogler
Spuren von Gewalteinwirkung am Hals des kleinen Mädchens. Die Mutter will das nicht hinnehmen.Kogler

Die Mutter konsultierte eine Psychotherapeutin. Es kam zu einem Gespräch mit den Müttern des Mädchens und des beschuldigten Buben, Vertreter der Stadt, der Kindergartenleiterin, der Kindergarteninspektorin und der Gruppenleiterin der Kindergartengruppe. Es wurden pädagogische und didaktische Maßnahmen vereinbart, der Bub sollte psychiatrisch abgeklärt und im Kindergarten genau beobachtet werden. Die Abklärung habe beim Knaben keine zwingenden Gründe ergeben, ihn in eine heilpädagogische Einrichtung zu schicken.

Brief von der Stadt

Die Situation besserte sich allerdings nicht. Im Gegenteil: Christina K. beklagte weitere Angriffe des Buben auf ihre Tochter. Schließlich wurde auch Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch eingeschaltet, K. nahm sich Anwalt Clemens Achammer als juristische Vertretung.

Die Stadt Feldkirch reagierte mit einem Brief vor exakt einer Woche. Darin wurde Christina K. mitgeteilt, dass sowohl ihr fünfjähriges Mädchen als auch ihr zweijähriger Sohn ab 8. April in den nahe gelegenen Ganztagskindergarten Tisis zu gehen hätten. „Die derzeitige Situation hat bereits Auswirkungen auf das Gruppengeschehen der Kinder und unser Betreuungspersonal im Kinderhaus Tisis Carina gezeigt“, wird die Maßnahme im Brief begründet.

Verschiedene Ansichten

K. will das nicht hinnehmen. Der Beschwerdebrief ihres Anwalts folgte auf den Fuß. „Jetzt sollten wohl die Opfer gehen und nicht die Täter. Dabei ist meine Tochter nicht das einzige Kind, das von diesem Buben misshandelt wird.“ Tatsächlich beklagt auch eine andere Mutter, dass es auf ihre Tochter Übergriffe gegeben habe. Auch sie sieht den Buben als Täter. „Er hat sie vergangenes Jahr zwei Mal gewürgt“, behauptet die Mutter.

„In diesem Fall sind sicher noch nicht alle Möglichkeiten einer Problemlösung ausgeschöpft.“

Michael Rauch, Kinder- und Jugendanwalt

Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch mahnt zur Vernunft. „Dass die Stadt die Kinder der Christina K. vom Kindergarten verweist, geht nicht. Hier sind noch lange nicht alle Möglichkeiten der Problemlösung ausgeschöpft“, glaubt Rauch. Konkret schlägt er eine Art Schlichtungsstelle der Stadt vor, die Druck vom Kindergartenpersonal wegnehmen und die Situation aufarbeiten soll. 

Kindergarteninspektorin Patricia Hollersbacher hingegen bringt Verständnis für die Entscheidung der Stadt auf, K’s Kinder in einen anderen Kindergarten zu versetzen. „Es wurde hier alles versucht, um das Problem zu lösen. Leider hat nichts etwas genutzt. Die Pädagoginnen im Kinderhaus Carina stehen unter enormem Druck. Es geht hier auch um die Gesamtsituation am Standort. Die ideale Lösung gibt es in einem solchen Fall ohnehin nicht.“