Sehnsucht nach ihren Kindern

Vorarlberg / 08.04.2019 • 16:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mirjana Radulovic mit drei ihrer vier Kinder, bevor sie auf Pflegeplätze verteilt wurden: „Ich vermisse sie sehr.“ vn/hrj
Mirjana Radulovic mit drei ihrer vier Kinder, bevor sie auf Pflegeplätze verteilt wurden: „Ich vermisse sie sehr.“ vn/hrj

Mirjana Radulovic macht alles, um ihre vier Kleinen wieder bei sich haben zu können.

Heidi Rinke-Jarosch

dornbirn Die Kinder sind weg. Das Jugendamt hat ihr die Obsorge für die zwei kleinen Mädchen und zwei Buben entzogen und sie getrennt unterbringen lassen. Zwei leben zurzeit in einem Kinderdorf, zwei bei einer Pflegefamilie. „Ich darf nur alle 14 Tage zwei Stunden lang mit ihnen zusammen sein“, klagt Mirjana Radulovic. Die 27-jährige Österreicherin mit serbischen und türkischen Wurzeln ist unendlich traurig. Sie vermisst ihre Kleinen sehr.

Naturgemäß leiden auch die Kinder sehr unter der Trennung von ihrer Mutter und den Geschwistern. Den Jüngsten – er ist eineinhalb – hat Mirjana sogar noch gestillt. „Ein solch brutaler Abbruch kann doch nicht gut für das Kind sein“, meint sie.

Bis der amtlich angeordnete Kindesentzug vollzogen wurde, war im Leben der jungen Frau einiges schiefgelaufen. (Die VN berichteten.) Entstanden sind ihre Probleme durch schwierige familiäre Umstände. Eine Ursache ist der Kindesvater, ihr ehemaliger Lebensgefährte. Er sitzt im Gefängnis. Gewalttaten haben ihn für mehrere Jahre hinter Gitter gebracht. Er sei auch ihr gegenüber grob gewesen, räumt Mirjana ein, sehr grob. „Er hat mich geschlagen.“ Die Folgen waren Nasenbeinbruch, Platzwunden am Kopf, Rippenprellungen und so weiter. „Warum ich bei ihm geblieben bin? Weil er nicht nur schlecht war. Er hat mir auch Liebe gegeben.“ Den Kindern gegenüber sei der Mann übrigens nie gewalttätig gewesen, versichert Mirjana. Sie habe aber längst keinen Kontakt mehr zu ihm, „und ich werde auch keinen mehr zu ihm suchen“.

2017 wurde Mirjana Radulovic schwerkrank. Doch erst ein Jahr später, nach vielen Arztbesuchen und Spitalsaufenthalten, wurde die Diagnose gestellt: Metastasierter Lymphdrüsenkrebs, Stadium IV. Mit der Diagnose hätten ihr Ärzte, die sie behandeln, eine sehr begrenzte Lebenszeit prognostiziert, erzählt Mirjana.

Sie selbst sei sich bewusst, dass sie mit einer Krebserkrankung, die in einem so späten Stadium entdeckt wurde, möglicherweise nicht alt werde. „Aber die Zeit, die mir bleibt, will ich mit meinen Kindern verbringen. Sie sollen, so lange es möglich ist, mich als ihre Mutter um sich haben und meine Liebe zu ihnen spüren.“

Doch noch sind die Kinder fremd untergebracht. Und das, Mirjana zufolge, so lange, bis die Bedingungen der Kinder- und Jugendbehörde erfüllt seien. „Ich darf keinen Kontakt mehr zum Kindesvater haben, brauche einen Job, mit dem ich meine Familie erhalten kann, und eine Wohnung“, zählt Mirjana auf.

Seit Anfang dieses Monats arbeitet Mirjana als Vollzeitkraft in einem Modegeschäft und kann somit ein sicheres Einkommen vorweisen. „Ja, trotz der Krebserkrankung wurde ich angestellt“, betont sie. Und trotz Behindertenpass, den sie seit Kurzem besitzt.

Zwei Bedingungen erfüllt

Demnach hat Mirjana Radulovic bereits zwei Bedingungen erfüllt. Jetzt braucht die junge Mutter, die zurzeit in einem Zimmer im Kolpinghaus Dornbirn lebt, noch eine Wohnung. „Das ist das Schwierigste“, weiß sie.

Bislang ist ihre Suche erfolglos geblieben. „Wer gibt schon einer alleinerziehenden Mutter mit vier kleinen Kindern, die halt nicht leise sind, eine Wohnung?“, fragt sie entmutigt. Vielleicht gibt es doch jemanden, dem das nichts ausmacht und der dieser fünfköpfigen Familie Wohnraum vermietet.

Mirjana hat jedenfalls die Hoffnung, dass sich für sie noch alles zum Guten wenden wird, nicht aufgegeben. „Egal, wie schlimm die Situation ist, ich versuche immer positiv zu denken“, erklärt sie. Das helfe ihr, die Zeit zu überstehen, bis sie wieder mit ihren Kindern vereint sei. „Und es hilft mir dabei, dass es mir selbst gut geht“, sagt sie nun voller Optimismus. „Meine Haare wachsen wieder. Ich habe viel Energie. Ich bin stark. Ich werde den Kampf gegen den Krebs gewinnen und meinen Kindern noch lange Mutter sein können.“

„Egal, wie schlimm die Situation ist, ich versuche immer positiv zu denken.“

Die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ unterstützt Menschen wie Mirjana Radulovic, die sich in einer Notsituation befinden.