Volksschule in Göfis wegen Masernfall gesperrt

Vorarlberg / 11.04.2019 • 20:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schuldirektorin Sigrid Schmidle und Bürgermeister Thomas Lampert erläuterten gestern Abend bei einer Infoveranstaltung an der Schule die weitere Vorgehensweise.Witwer, Uysal
Schuldirektorin Sigrid Schmidle und Bürgermeister Thomas Lampert erläuterten gestern Abend bei einer Infoveranstaltung an der Schule die weitere Vorgehensweise.Witwer, Uysal

Erkrankung bei Drittklässler festgestellt. Derzeit das Infektionsteam am Werk.

Göfis Die Volksschule Göfis-Kirchdorf ist von einem Masernfall betroffen. Wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard auf VN-Anfrage bestätigte, hat sich der ursprüngliche Verdacht erhärtet. Am Donnerstagmorgen rückte ein Infektionsteam aus, um den Impfstatus von Kontaktpersonen des Kindes zu erheben. Wer nicht geimpft ist, darf 18 Tage lang nicht mehr das Haus verlassen. „Dieser Bescheid kann bei Nichteinhaltung auch behördlich sanktioniert werden“, erklärte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher. Gestern Abend fand eine Informationsveranstaltung statt, an der 80 Personen teilnahmen. Heute bleibt die Schule definitiv geschlossen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass das aus Amtsärzten gebildete Infektionsteam wegen Masernalarms ausrücken musste. Es gab heuer bereits vier solcher Einsätze.

Informationskette

Die Schule wurde laut Direktorin Sigrid Schmidle am Donnerstagmorgen um acht Uhr informiert, der Unterricht lief bis Mittag normal weiter. Eine kleine Gruppe von Kindern, deren Impfstatus klar war, konnte auch am Nachmittag in der Schule bleiben. Gemeindearzt Hubert Kaut öffnete seine Praxis, um Eltern und Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Antikörper im Blut bestimmen zulassen. Die Ergebnisse sollen laut Schmidle bereits heute vorliegen. „Als wir vom Masernfall erfahren haben, wurden sofort die Eltern und Kollegen informiert“, bestätigte Sigrid Schmidle. Nach den Osterferien sollte der Schulbetrieb wie gewohnt weitergehen können. Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher sprach in Anbetracht der bevorstehenden Osterferien ebenfalls vom Glück im Unglück.

Der Masernfall in Göfis zeitigt noch andere Konsequenzen. So hat die betroffene Schule das für heute geplante Leseprojekt abgesagt. Die Militärmusik, die kürzlich bei einer Instrumentenpräsentation mit zehn Mann an der Schule war, stellte vorsorglich alle noch vorgesehenen Schulauftritte ein. Zudem ließen einige Soldaten ihren Impfstatus abklären und unterzogen sich im Bedarfsfall einer Impfung. Die sinkende Durchimpfungsrate wird als Grund für das massive Wiederauftreten der Masern genannt.

18 Tage „Hausarrest“

Um einen Schutz zu erreichen, muss zweimal geimpft werden. „Personen, die über einen vollen Impfschutz verfügen, scheiden aus der Erhebung aus“, beschreibt Wolfgang Grabher das Prodzedere, das im Fall von Göfis angelaufen ist. Eine weitere Möglichkeit, den Status zu bestimmen, besteht in einer Blutabnahme. Diese Auswertung dauert einen Tag. Wer nicht geimpft ist, eine Blutabnahme aber verweigert, erhält einen Absonderungsbescheid, der verheißt, dass die Person 18 Tage lang ab dem Zeitpunkt der möglichen Infektion nicht mehr außer Haus darf. Sollten Lehrer betroffen sein, wurden Ersatzlehrer zugesichert. In Österreich sind heuer bislang 64 Fälle von Masern gemeldet worden, die meisten in der Steiermark (36). In Klagenfurt hatten Masernfälle kurzzeitig sogar den öffentlichen Verkehr lahmgelegt. VN-MM, WIM

„Als wir vom Masernfall erfahren haben, wurden sofort die Eltern und Kollegen informiert.“

Stichwort masern – eine hochansteckende erkrankung

Masern sind eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch das Masern-Virus übertragen wird. Es handelt sich hierbei um eine der ansteckendsten Erkrankungen überhaupt. Das Virus wird meist durch Tröpfcheninfektion – also Sprechen, Niesen, Husten – übertragen. Bei typischem Verlauf der Erkrankung kommt es etwa acht bis 14 Tage nach der Ansteckung zu Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und einer Bindehautentzündung. Am zweiten bis dritten Krankheitstag kommt es zu einer Rötung des Gaumens und typischen weißen Flecken an der Wangenschleimhaut, danach zu einem Abfall des Fiebers und ab etwa dem vierten Krankheitstag zum Auftreten des charakteristischen roten, fleckigen Hautausschlags. Dieser geht nach etwa einer Woche unter Bildung von Schuppen wieder zurück. Wer einmal an Masern erkrankt ist, hat in der Regel einen lebenslangen Schutz. Man kann Masern also nur einmal bekommen. Masern sind jedoch alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit. Durch die Infektion mit den Viren wird das Immunsystem stark geschwächt. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es zu einer Mittelohrentzündung, die meist durch Bakterien hervorgerufen wird. Bei etwa jedem zwanzigsten Masernfall kommt es zu einer Bronchitis oder Lungenentzündung, die durch das Virus selbst oder durch eine bakterielle Superinfektion ausgelöst wird. Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die sogenannte Masernenzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns. Die Impfung gegen Masern ist besonders wichtig, weil eine einmal voll ausgebrochene Erkrankung nicht ursächlich behandelt werden kann. Gegen die bakteriellen Superinfektionen hingegen können Antibiotika eingesetzt werden.