Exklusiv: Alle Pläne im Detail – 10 Fakten zum neuen Bregenzer Bahnhof

Vorarlberg / 12.04.2019 • 15:30 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Was er kosten wird, wer wie viel zahlt und wie es mit Seequartier und Seestadt weitergehen soll.

Bregenz Die Landeshauptstadt soll einen neuen Bahnhof bekommen. Einen, der auch gestalterisch dem Ansehen der Stadt entspricht, freut sich Bürgermeister Markus Linhart (59), der jetzt die Geheimnisse lüftet. Den VN liegen die Pläne im Detail vor. Erste Skizzen, Zeitplan und Finanzierung – 10 Fakten zum neuen Bahnhof.

1. So sieht der Bebauungsplan aus

Seit Jahren wird in Bregenz geplant, immer wieder hieß es zurück an den Start. Zuletzt 2017, als die Weichen für den Neubau bereits gestellt waren. Seither hat sich viel getan. Stadt, Land Vorarlberg und ÖBB haben sich auf einen Bebauungsplan geeinigt. Es soll ein Konzept ohne Drittnutzung realisiert werden, mit allen wichtigen Bahnhofsfunktionen. „Wir verzichten auf Kino und anderes Pipapo“, freut sich Linhart über die neuen Pläne. Bregenz sei die letzte Landeshauptstadt ohne ordentlichen Bahnhof. Das soll bald Geschichte sein. „Es wird ein prominentes Bauwerk, das auch gestalterisch etwas hergibt“, verspricht der Stadtchef.

2. Wer den Bahnhof plant und wie er aussehen wird

Den VN liegen exklusiv erste Skizzen vor. Sie stammen aus der Feder der renommierten Bregenzer Architekten Dietrich-Untertrifaller. Herzstück soll ein riesiges Dach werden, das Busterminal und Fahrradabstellplätze überzieht. Zwischen 4,5 Meter und 14 Meter hoch soll die Holz-Glas-Konstruktion sein und in kleinerer Ausgestaltung auch seeseitig gebaut werden. „Ein schwebendes Dach mit überlappenden Gläsern“, beschreibt Linhart die architektonische Besonderheit des Bauwerks.

3. Was er kostet und wer zahlt

Die Gesamtkosten des Bahnhofs belaufen sich auf 77 Millionen Euro. Den Löwenanteil der Finanzierung übernehmen die ÖBB mit 48 Millionen Euro. Das Land Vorarlberg soll 15 Millionen und die Stadt Bregenz 14 Millionen beisteuern.

4. So viel Platz gibt es für Fahrräder und Bus

Der überdachte Bahnhofsvorplatz wird zur Drehscheibe. Busgäste sollen trocken zu den Zügen gelangen. Für Fahrräder wird es großzügige Abstellmöglichkeiten geben. „Wir sind langfristig gewappnet für den Öffentlichen Personennahverkehr, wie wir ihn uns wünschen“, so der Bregenzer Bürgermeister. Zu den Busbetriebszeiten wird mit einem Minutentakt gerechnet. An den 16 Anlegekanten finden ebenso viele Busse Platz. Am Haupteingang des Bahnhofs sind 400 Stellplätze für Fahrräder geplant, weitere 250 auf der Rückseite Richtung See.

5. So schaut die Bahnsteigerschließung aus

Das Konzept sieht vor, dass die Bahngäste unterirdisch zu den Bahnsteigen gelangen. Breit und hell sollen die Wege sein, Rolltreppen bleiben und Kiki-fähige Lifte werde es auch geben, heißt es im Rathaus. Zudem erfolgt eine Erschließung über die geplante Tiefgarage.

6. Welcher Zeitplan vorgesehen ist

Bei der Sitzung am 28. Mai sollte es von der Stadtvertretung einen Grundsatzbeschluss zum Projekt geben. „Das wäre der Startschuss zu den Detailplanungen“, so Stadtbaumeister Bernhard Fink zu den VN. Frühestmöglicher Baustart wäre 2021 mit dem ersten Baulos, der Hypo-Unterführung. Sie dient der Bahnsteigerschließung bis zur Fertigstellung. 2022 sollten die Arbeiten am Bahnhof selbst beginnen können und dreieinhalb bis vier Jahre dauern.

Für die Baufelder zwischen Eberle-Türmen (vorne) und Bahnhof soll es nach Wunsch der Stadt einen neuen Wettbewerb geben.

7. Was beim Seequartier bleibt, was neu kommen soll

Die privaten Betreiber Rhomberg Bau mit i+R-Gruppe entwickeln das Seequartier. Sie werden auch das Hotel in unmittelbarer Nähe des Bahnhofgebäudes bauen. Zu den ursprünglichen Plänen unverändert sind zudem die beiden Eberle-Türme als prominenter Eintritt in die Innenstadt. Was mit den Baufeldern zwischen Hotel und Türmen passiert, ist offen. Die Stadt empfiehlt dem Betreiber einen neuen Wettbewerb. Auf der Wunschliste steht auch ein Lebensmittelgeschäft. Spar wollte ein solches im angrenzenden Konkurrenzprojekt Seestadt (Spar und Prisma) realisieren. Es brauche eine konstruktive Zusammenarbeit der beiden Betreiber, sieht Linhart Bemühungen der Vermittlung fruchten. Erste Signale würden jedenfalls in die richtige Richtung deuten.

8. Warum es für die Seestadt eine Hochgarage braucht

Die Stadt Bregenz hofft auf eine „Vernunftehe“ der Betreiber. Eine Zusammenarbeit braucht es schon wegen der gemeinsamen Tiefgarage. Das Seestadt-Projekt wurde 2017 gestoppt, weil die Kosten für eine Parkplatzlösung (zweigeschoßig, unterirdisch) nicht finanzierbar waren. An diesem Dilemma hat sich nichts geändert. „Wir müssen jetzt dem Thema einer Hochgarage nähertreten“, öffnet Linhart die Tür für ein neues Seestadt-Projekt. Vor der Bezirkshauptmannschaft könnte sie befristet gebaut und nach 15 bis 20 Jahren anders genutzt werden, „wenn sich die Mobilitätsgewohnheiten geändert haben“, so der Rathauschef.

Unverändert bleiben die Eberle-Türme Teil des Seequartier-Konzepts. Sie sollen den markanten Eintritt in die Innenstadt bilden.

9. Welche Hürden es jetzt noch gibt

Am 28. Mai braucht es grünes Licht der Stadtvertretung. Kritische Stimmen hatten zuletzt die Führung der Landesstraße in bestehender Form infrage gestellt. Bürgermeister Markus Linhart hält fest, entsprechende Prüfungen seien sehr umfangreich erfolgt. Eine weitere Untersuchung habe gerade ohne neue Erkenntnisse stattgefunden. Ein Schlüsselpunkt bei der Realisierung des Projekts ist die Kooperation der beiden privaten Betreiber von Seestadt und Seequartier, die es für eine gemeinsame Tiefgarage braucht.

10. Warum eine Unterflurbahn Vision bleibt

Was wäre, wenn die Bahn nicht trennend zwischen Stadt und See verlaufen würde? „Diese Vision wird bleiben und wer weiß, was einmal sein wird“, sagt Markus Linhart. Allerdings müsse man auch die Ehrlichkeit haben, zu sagen, wie realistisch so etwas ist. Die reizvolle Vision mit den konkreten Bahnhofsplanungen zu verquicken, wäre für Linhart fatal. „Dann hätten wir in Jahrzehnten noch keinen neuen Bahnhof.“