Dopingsünder Dominik Baldauf erhielt vom Land 26.900 Euro an Förderung

Vorarlberg / 13.04.2019 • 04:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Das Lachen ist ihnen vergangen: Dominik Baldauf und Max Hauke (v.l.) wurden bei der WM in Seefeld des Blutdopings überführt.APA
Das Lachen ist ihnen vergangen: Dominik Baldauf und Max Hauke (v.l.) wurden bei der WM in Seefeld des Blutdopings überführt.APA

Zumindest einen Teil davon wird der Sulzberger Langläufer nach seinen illegalen Aktivitäten zurückzahlen müssen.

Schwarzach Die „Bad Glamour“-Tour in den verschiedensten Medien mit den öffentlichen Doping-geständnissen samt Erklärungsversuchen sind für den Sulzberger Langläufer Dominik Baldauf (26) vorbei. Um ihn und um seinen Dopingkumpel Max Hauke, die bei der Nordischen WM in Seefeld des Blutdopings überführt wurden, ist es still geworden. Rosig schaut die nahe Zukunft für beide nicht aus, und der Kollateralschaden, den sie angerichtet haben, ist beträchtlich.

Trainer verlieren Jobs

Das wurde unter anderem auf der Präsidentenkonferenz des Österreichischen Skiverbands am Donnerstag offenkundig. „Wir lösen alle Trainingskader im Leistungssportbereich auf. Gefördert werden nur noch für die Nachwuchsgruppen unter 16. Dazu gibt es Schwerpunktunterstützung wie zum Beispiel für Teresa Stadlober“, kündigte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (77) den VN noch vor der Präsidentenkonferenz des ÖSV in Innsbruck an. Langlaufen soll innerhalb des ÖSV eine vollkommen neue Struktur erhalten. Während dafür der Leiter des Nordischen Ausbildungszentrums Eisenerz, Christian Schwarz, vom ÖSV angestellt wurde, verlieren andere Trainer nach dem Dopingskandal ihre Jobs. „Ihre Verträge werden nicht verlängert“, macht Schröcksnadel klar.

Froh ist der ÖSV-Präsident darüber, „dass keine Trainer und Betreuer von uns in diese Dopinggeschichten involviert waren. Es gab keine Dopingstruktur im ÖSV. Das steht fest.“

6000 Euro vor Olympia

Dominik Baldauf wird von seinem Dopingvergehen hingegen noch länger auf verschiedenen Ebenen verfolgt werden. Zum ersten verlor er eine berufliche Perspektive. Für die Polizeischule erhielt er eine Absage. Anfang April hätte der Sulzberger dort seinen ersten Kurs beginnen sollen, nachdem er seit Februar 2018 bereits Bediensteter im Innenministerium war.

Baldauf war beim Teamsprint mit seinem Partner Max Hauke überraschend schnell unterwegs.  Warum wohl?APA
Baldauf war beim Teamsprint mit seinem Partner Max Hauke überraschend schnell unterwegs. Warum wohl?APA

Ungemach droht dem Ex-Langläufer vor allem in finanzieller Hinsicht. Baldauf wurde vom Land Vorarlberg seit 2013 mit öffentlichen Geldern unterstützt. Und das nicht zu knapp. Bis 2019 erhielt er 26.900 Euro an Förderungen. Diese setzten sich aus einer Basisförderung (der geringere Teil) und Unterstützungen für spezielle Maßnahmen zusammen. Allein in der Olympiasaison 2017/2018 erhielt Baldauf 6000 Euro.

Das Land kann von einem Sportler, der sich illegaler Mittel zum Zwecke der Leistungssteigerung bedient, Fördermittel zurückfordern. In den Richtlinien der Landesregierung für die Förderung von Athletinnen und Athleten des Vorarlberger Einzelspitzensportkaders heißt es dazu unter Punkt 7 wortwörtlich: „Die Förderzusage bzw. die Fördervereinbarung verliert ihre Gültigkeit und bereits ausbezahlte Geldzuwendungen sind ganz bzw. teilweise zurückzuzahlen, wenn … b) die Förderempfängerin bzw. der Förderempfänger wegen Leistungsmanipulation (z.B. Doping) sanktioniert wurde …“
„Rückzahlungsforderungen an Baldauf wird es geben. In welcher Höhe, werden wir beraten müssen. Aber das können wir erst tun, wenn die Rechtskommission der Nationalen Antidopingagentur ihr Urteil gefällt hat“, erklärt Michael Zangerl (55), Leiter der Sportabteilung des Landes Vorarlberg. Der NADA-Abschlussbericht liegt noch nicht vor. So lange wartet man auch bei der österreichischen Sporthilfe, um allfällige Rückforderungen zu stellen. „Bei uns hat Baldauf insgesamt fünf Anträge gestellt. Nur zwei Mal haben wir ihn entsprechend unserer Richtlinien unterstützt. Insgesamt hat Baldauf während seiner Karriere von uns 3300 Euro erhalten. Das ist im Vergleich zu anderen Sportlern wenig“, berichtet Sporthilfe-Geschäftsführer Harald Bauer. Im Gegensatz zum Land ist die Sporthilfe laut Statuten eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die keine staatlichen Förderungen bezieht.

ÖSV will Ausrüstung zurück

Wenige Leistungen, die Kosten verursachten, bezog Baldauf vom sehr wohl öffentlich geförderten Olympiazentrum Vorarlberg. Im Jahr 2017 ließ er dort vor den olympischen Spielen in Korea eine Gesundenuntersuchung durchführen, ein Leistungsdiagnosetest ist aus dem Jahr 2013 aktenkundig.

Eine erste konkrete Rückforderung stellte indes ÖSV-Präsident Schröcksnadel. „Wir haben Baldauf gerade einen Brief geschrieben und ihn aufgefordert, alle Ausrüstungssachen, die er vom ÖSV erhalten hat, zurückzugeben. Das hat er bisher nämlich noch nicht getan.

„Wir haben Baldauf einen Brief geschrieben und ihn aufgefordert, seine Ausrüstung zurückzugeben.

Peter Schröcksnadel, ÖSV Präsident

Sportbetrug?

Noch nicht vom Tisch ist für Baldauf und Hauke auch eine mögliche strafrechtliche Verfolgung ihrer Dopingvergehen. Es geht dabei um eine im Raum stehende Anklage wegen Sportbetrugs. Bei einer Verurteilung drohen den beiden Ex-Sportlern bis zu drei Jahren Haft. Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck zu den VN: „Wir ermitteln in dieser Sache noch. Wie lange diese Ermittlungen dauern, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“ In moralischer Hinsicht erlauben sich VSV-Präsident Patrick Ortlieb (51) und Daniel Devigili (47), Leiter des Heeressportzentrums Vorarlberg, Bewertungen. Ortlieb findet Worte des Mitleids für Baldauf. „Er hat sich da wohl in etwas hineindrehen lassen. Ja, er tut mir leid. Andererseits hat er wohl zu wenig über die Konsequenzen nachgedacht. Zum Beispiel darüber, dass sein Vergehen auch andere Leute den Job kosten kann.“ Weniger Milde kann Devigili aufbringen. „Dieser Fall hat uns sehr geschadet. Es werden jetzt auch Pauschalverdächtigungen gegen Heeressportler erhoben. Darunter leiden wir sehr.“

Als Baldauf 2017 noch ein Vorzeigesportler des Landes Vorarlberg war: Diese Zeiten sind nach Auffliegen des Blutdopings vorbei.VN/Stiplovsek
Als Baldauf 2017 noch ein Vorzeigesportler des Landes Vorarlberg war: Diese Zeiten sind nach Auffliegen des Blutdopings vorbei.VN/Stiplovsek

Dominik Baldauf

Landesförderung:

2012/2013: 3200 Euro

2013/2014: 3200 Euro

2014/2015: 4000 Euro

2015/2016: 4500 Euro

2016/2017: 4000 Euro

2017/2018: 6000 Euro

2018/2019: 2000 Euro

Insgesamt: 26.900 Euro

Biografie:

2011: Matura am Sportgymnasium Dornbirn

2012 bis 2014: Heeressportgruppe

2014 bis 2018: Sportgruppe Finanzministerium (Zollsport)

2018 bis 2019: Vertragsbediensteter Innenministerium (Polizeisport)

Größte Erfolge:

Beste Olympiaplatzierungen: 35. Platz Sprint Pyeongchang 2018; 13. Platz in der Staffel

Beste WM-Platzierung: 6. Platz Seefeld 2019 im Teamsprint mit Max Hauke

Beste Weltcup-Platzierung: 8. Platz Skatesprint Jänner 2019 in Val Müstair (Schweiz)