Das wahre Ländle-Kalb

15.04.2019 • 19:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die handzahmen Bullen auf dem Stiermäster-Hof der Familie Marte in Röthis fühlen sichtlich wohl.
Die handzahmen Bullen auf dem Stiermäster-Hof der Familie Marte in Röthis fühlen sichtlich wohl.

Preisträger zeigen, wie’s geht: Glückliche Tiere in Vorarlberg.

Bregenz Die leidige Geschichte und Diskussion um Kälbertransporte/Tierleid und Systemabhängigkeit scheint vorerst bei uns, aber auch in Tirol, ein gutes Ende zu finden. Immer mehr Landwirte setzen auf Mutterkuhhaltung bei Milch-Fleisch-Mischrassen wie etwa das Vorarlberger Braunvieh oder robuste Tiere wie Angus-, Hochland oder Charolais-Rinder oder auch Yaks. Das Motto lautet genauso Vielfalt statt Einfalt – zusätzliche Kleintierhaltung sowie Obst-, Gemüse- und Futtermittelanbau –, wie auch Tierwohl im Naturkreislauf. Es werden Kommunikations-, Kooperations- und Vermarktungsmöglichkeiten geschaffen, u.a. via Hofläden, Märkten, „MEHRWERT für alle“-Aktionen oder Events und Vermittlung durch BIO Vorarlberg. Unsere Vorarlberger Tierschutzpreisträger sind hier gute Beispiele. Qualität statt Quantität, lautet das Motto etwa der Familie Caprice und Stefan Innauer in Eichenberg. Eine liebevolle Haltung in der Aufzucht ist selbstverständlich. Der Stiermastbetrieb der Familie Böckle in Rankweil fasst 50 Tiere, die bereits 2016 zu 80 Prozent aus Vorarlberger Mutterkuhbetrieben kamen. Eigene Futtermittel werden angebaut. Dass sich „Tierwohl mit viel Einstreu und konsequenter Kreislaufwirtschaft im Endeffekt mehr als rechnet“, kann die Familie Böckle jedem Interessierten schwarz auf weiß gerne zeigen.

Neues Bewusstsein

Auf dem Stiermast-Hof von Familie Karlheinz Marte in Röthis ist viel Fläche mit reichlich Tiefstreu für ihre handzahmen Bullen oberstes Gebot. Diesen Wohlfühlfaktor hält auch Randolf Bildstein für seine „700–1000-kg-Buben“ hoch. Auch Elmar Weissenbach in Götzis setzt auf Mutterkuhhaltung und eigenes Futter: „Die Kuh weiß am besten, was fürs Kalb gut ist.“ Genauso wie auf dem Biohof Ingo Vaschauner in Satteins, der auch als selbstständiger Landschaftspfleger tätig ist. Mischrassen für Milch und Fleisch sind für sie alle ganz logische Selbstverständlichkeit. Auf dem Weissenbach-Hof ist inmitten der Herde ein schöner Charolais-Zuchtstier von der Familie Breuss in Übersaxen. Genügsame Angus-Rinder fühlen sich auf den Bio-Höfen von Angelika und Bernhard Feistenauer in Meiningen und bei Ulrike und Michael Gaßner in St. Gerold sichtlich wohl. Familie Lingenhel in Doren und Reinhard Bär in Andelsbuch halten liebevoll Vorarlberger Braunvieh. Auf Vielfalt, Tierwohl und mehrere Standbeine wird besonders auch aufgrund vieler Vorbilder vermehrt umgestellt, so auch auf gesunde Produkte von glücklichen Ziegen, Schafen und etwa Duroc-Schweinen wie auf den ausgezeichneten Höfen von Ingo Metzler in Egg, Yak Halden Lochau oder dem Flötzerhof von Bernd Hörfarter in Wolfurt. Sobald dieses neue Bewusstsein auch bei den Konsumenten breit greift, sind wir auf dem richtigen Weg.

In den beiden Kategorien „Ehrenamtlicher vorbildlicher Umgang mit Tieren“ und „Beruflicher Einsatz für gehobenes Tierwohl“ können sich alle Tierfreunde anmelden.

Einreichungen (Kurzbeschreibung und Fotos) bis Ende Mai an: tierschutzpreis@vn.at