Vorarlberger in Paris: „Wir leiden mit den Franzosen“

15.04.2019 • 22:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Linhart (kl. Bild): „„Es ist einfach furchtbar. Die Leute sind bestürzt und fassungslos, um nicht zu sagen den Tränen nahe.“AFP

Drei Vorarlberger, die das Feuerinferno in Paris hautnah miterlebten.

Paris „Es ist eine echte Katastrophe. Notre Dame ist das Symbol Frankreichs. Ganz Österreich ist mit den Franzosen und den Parisern“, brachte es Michael Linhart (60), Bruder des Bregenzer Bürgermeisters und seit dem Vorjahr Botschafter der Republik Österreich in Frankreich auf den Punkt. Der Bregenzer begab sich gestern Abend auf eine Brücke nahe der Île de la Cité um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Es ist einfach furchtbar. Die Leute sind bestürzt und fassungslos, um nicht zu sagen den Tränen nahe“, sprach Linhart gegenüber den VN von großer Trauer und Bestürzung, „nicht nur in Paris sondern im ganzen Land.“
„Wir sind alle völlig schockiert“, brachte auch der aus Dornbirn stammende Fotokünstler Arno Gisinger (55) gestern Abend sein Entsetzen gegenüber den VN zum Ausdruck. Gisinger lebt seit Jahren in Paris und unterrichtet an der Universität. „Es ist ein natürlicher Reflex, dass man hinströmt“, erklärte er sein Handeln. „Man kann zwar nichts tun, aber die Menschen, und so geht es auch mir, empfinden es als Akt der Anteilnahme. Man sieht viele Weinende. Natürlich kommen da auch die Erinnerungen an die Attentate wieder hoch, da liegt noch Unvernarbtes offen.“ Um 22 Uhr befand sich Arno Gisinger noch mit Tausenden von Menschen in unmittelbarer Nähe des immer noch brennenden Dachstuhls der Kathedrale. Es sei ein Tag gewesen, an dem man in der Stadt den Frühling genossen hatte und nun das: „Man schaut hinauf, ist ohnmächtig, kann es nicht fassen“, beschrieb er die bedrückte Stimmung, die Traurigkeit.

„Leute sind sehr aufgewühlt“

Auch der Bludenzer David Sprenger (23) lernte die Stadt angesichts der dramatischen Ereignisse von einer anderen Seite kennen. „Die Leute sind sehr aufgewühlt. Ich habe mitbekommen, dass eine riesige Menschenmenge vor Ort ist“, so der Oberländer, der seit rund eineinhalb Jahren in Paris lebt und arbeitet. „Von unserem Büro aus war zu sehen, wie die Stadt in eine riesige Rauchwolke gehüllt wurde. Aus der Entfernung war zu erkennen, dass der Turm in Flammen steht“, schilderte der Bludenzer seine Eindrücke. „Ich habe mich mit einigen Arbeitskollegen ausgetauscht. Alle stehen unter Schock“, so Sprenger weiter. Auch auf der anderen Seite der Stadt, wo sich sein Arbeitsplatz befindet, seien die Sirenen zu hören gewesen.
„Die Leute haben den Kopf geschüttelt; konnten nicht glauben, was sich unmittelbar vor ihren Augen abspielt. Die Île de la Cité wurde evakuiert, damit die Hilfskräfte nicht gestört werden. Die Hitze war enorm. Die Feuerwehr kam lange nicht an die Flammen heran, da es bis zu 800 Grad Celsius hatte“, beschrieb Linhart die sich abspielenden Szenen. Die Kathedrale sei eines der europäischen Kulturgüter schlechthin. „Das ganze macht mich sehr bestürzt“, rang der Botschafter gestern Abend mit den Worten. „Wir leiden mit den Franzosen.“

Arno Gisinger zeigte sich von den Ereignissen schockiert.
Arno Gisinger zeigte sich von den Ereignissen schockiert.
David Sprenger sah die Flammen von seinem Büro aus.
David Sprenger sah die Flammen von seinem Büro aus.