Renate Dünser begleitet Kinder und Erwachsene in schweren Zeiten

16.04.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Renate Dünser ist kein Einsatz Routine. HOKI

Die Seelsorgerin reicht allen, die es brauchen, ihre Hand.

dornbirn Schon früh war Renate Dünser mit Krankheit, Sterben und Tod konfrontiert. Sie erlebte Trauer und Schmerz am eigenen Leib. Ihre Erfahrungen bewogen die 54-Jährige schließlich, sich auch beruflich auf diese schwierige Thematik einzulassen. Sie absolvierte einen Fernkurs in Theologie, eine Ausbildung zur Diplom-Pastoralassistentin sowie einen Lehrgang in Krankenhausseelsorge. Seit fünf Jahren arbeitet Renate Dünser nun als Krankenhaus-Seelsorgerin. Derzeit ist sie im Krankenhaus Dornbirn beschäftigt. Noch länger engagiert sie sich beim Hospiz für Kinder und Jugendliche (HoKi). Zehn Jahre sind es inzwischen, in denen sie immer wieder Kinder und deren Familien durch die schwere Zeit von Trauer und Abschiednehmen begleitet hat. Routine kennen solche Einsätze nicht, im Gegenteil. „Ich werde zunehmend sensibler im Wahrnehmen von Stimmungen und Strukturen. Über die Jahre sind meine Sinne schärfer geworden“, erzählt Renate Dünser. Sie beobachtet, ohne zu werten und zu bewerten. „Ich lege großen Wert darauf, Menschen ohne Schubladendenken zu begegnen“, sagt sie.

Geschenk Gottes

Sie trägt ihre Berufsbezeichnung mit Stolz. „Seelsorger sind alle, die sich um Menschen kümmern“, meint Renate Dünser. Sie tut das täglich. Ihre Fähigkeiten dazu, sieht sie als ein Geschenk Gottes und als Gnade, dass sie diese entdecken, lernen, leben und aushalten darf. Als praktizierende Christin betreute Dünser auch schon muslimische, buddhistische und konfessionslose Familien. Respekt und Wertschätzung sind für sie oberstes Gebot. Einsätze, bei denen Kinder die unmittelbar Betroffenen sind, berühren die dreifache Mutter und vierfache Großmutter naturgemäß besonders. „Diese Kinder sind schwerkrank, verunfallt, liegen im Sterben oder trauern um ein Familienmitglied“, nennt sie Beispiele, die ihre ganze Zuwendung und Aufmerksamkeit fordern. Dabei profitiert auch Renate Dünser selbst. „Kinder gehen mit einer Ausnahmesituation sehr natürlich um. Auf diese Weise werden sie für mich zu Lehrmeisterinnen und Lehrmeistern“, berichtet die Seelsorgerin von ihren Erfahrungen.

Manche Begegnungen sind nur einmalig, andere dauern länger. Renate Dünser weiß, dass es nicht einfach ist, in schweren Zeiten einer Fremden das Vertrauen zu schenken. Das brauche Mut. „Die HoKi-Einsatzleitung vertraut mir diese Situation, diese Menschen an. Ich lasse mich berühren und reiche der Familie meine Hand, und wir gehen ein Stück des Weges gemeinsam“, zeichnet Renate Dünser um ihre Arbeit einem Bild gleich einen Rahmen. Krankheit, Sterben, Trauer sind da. Sie lassen sich nicht ungeschehen machen, sind Teil des Lebens. Renate Dünser versucht, im Unabwendbaren trotzdem eine positive Kraft zu sehen und diese weiterzugeben. Manchmal bekommt sie zu hören, dass sie wohl ordentlich abgehärtet sein müsse, wenn sie diese Tätigkeit machen könne. Sie verneint energisch: „Ich bin ganz und gar nicht abgehärtet.“ Sie will es nicht sein. Sie will spüren, was ihr Gegenüber benötigt. Nur dann kann Begleitung gut gelingen.

Eine besondere Zeit

Die Karwoche ist auch für Renate Dünser eine besondere Zeit. Der Tod Jesu bewege die Menschen. Persönlich hat sie ebenfalls schon viele Karfreitage erlebt. Das Wissen, dass darauf ein Ostern und mit Ostern die Auferstehung folgt, gaben ihr Mut, im Schweren das Positive zu sehen. „Die Person zu sein, die ich heute bin, habe ich auch Hospiz Vorarlberg zu verdanken“, merkt sie an. „Ich durfte mich weiterbilden und weiterentwickeln.“ Dem Schöpfer dankt sie für die Führung und die vielen Begegnungen mit Menschen.