Ein Blick hinter die Kulissen der Oesterreich

17.04.2019 • 19:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Motorschiff Oesterreich (im Hintergrund liegt die Hohentwiel) ist 54,4 Meter lang und 9,9 Meter breit.

Zeitreise in die 20er-Jahre: Am Karsamstag sticht das Motorschiff erstmals offiziell in See.

Geraldine Reiner

Hard Die 1920er-Jahre. Das waren Paillettenkleider, Federboas, Seidenstrümpfe und Glockenhüte. Charleston, Bauhaus, Art déco, endlose lange Zigarettenspitzen und Bubiköpfe. Die Oesterreich versetzt ihre Passagiere noch heute zurück in dieses wilde, goldene Jahrzehnt. „Das Schiff wurde gemäß dem Originalzustand von 1928 restauriert“, berichtet Jürgen Zimmermann, Geschäftsführer der Museumsschiff Oesterreich GmbH und Co-Obmann des Fördervereins Museumsschiff Österreich.

Die beiden Achtzylinder-Scania-Dieselmotoren treiben die Oesterreich mit insgesamt knapp 1070 PS an. Zwei Dieselgeneratoren, einer davon ist im Bug untergebracht, versorgen das Schiff mit Strom.
Die beiden Achtzylinder-Scania-Dieselmotoren treiben die Oesterreich mit insgesamt knapp 1070 PS an. Zwei Dieselgeneratoren, einer davon ist im Bug untergebracht, versorgen das Schiff mit Strom.
Der große Dinnersalon auf dem hinteren Hauptdeck ist im Gegensatz zum darunterliegenden Tanzsalon in hellen Farben gehalten.
Der große Dinnersalon auf dem hinteren Hauptdeck ist im Gegensatz zum darunterliegenden Tanzsalon in hellen Farben gehalten.

Das gilt auch für die Salons im Stile des Art déco. Der Tanzsalon im hinteren Unterdeck erstrahlt in Mahagonioptik. Die Stühle in Klavierlack wurden originalgetreu in Italien nachgebaut und der Gobelin an der Wand von Dornier nachgestickt. „Wenn du auf dem Oberdeck bist, und mit 20 km/h fährst, dann meinst du, man schleicht umher, und wenn du hier unten bist, geht das Wasser an dir vorbei wie eine Rakete“, schwärmt Zimmermann.

Auf dem Oberdeck ist ein Großteil der 140 Außenspeise­plätze zu finden. In den Lampen sind die Lautsprecher integriert. Hinter der Bar sieht man den Kamin und links und rechts davon die beiden Lufthutzen, über die Frischluft angesaugt wird.
Auf dem Oberdeck ist ein Großteil der 140 Außenspeise­plätze zu finden. In den Lampen sind die Lautsprecher integriert. Hinter der Bar sieht man den Kamin und links und rechts davon die beiden Lufthutzen, über die Frischluft angesaugt wird.
Das Original-Steuerrad aus dem Jahr 1928.
Das Original-Steuerrad aus dem Jahr 1928.

Direkt darüber befindet sich der große Dinnersalon und im vorderen Bereich der Damensalon. Beide sind in hellen Farben gehalten und mit Korbstühlen möbliert. Das Intarsienbild im Damensalon stammt aus dem Jahr 1952. „Es wurde 2015 in Sicherheit gebracht und restauriert“, ergänzt der Oesterreich-Geschäftsführer.

320 Passagiere

Das Motorschiff verfügt über 140 Speiseplätze innen und 140 Speiseplätze außen. Insgesamt ist es für 320 Passagiere zugelassen. Während die Einrichtung und das Schiff den Charme früherer Zeiten versprühen, steckt im Inneren modernste Technik. Für einen ordentlichen Antrieb sorgen zwei Achtzylindermotoren. „Die Motorabgase gehen im Kamin durch eine Rußfilteranlage. Das heißt, es gibt keine rußigen Abgase wie bei anderen Schiffen“, nennt Zimmermann ein Beispiel. Heute, Donnerstag wird der 91 Jahre alte Art déco-Liner gesegnet, am Karsamstag sticht er erstmals offiziell in See.

Im hinteren Unterdeck befindet sich der Tanzsalon samt einem kleinen Buffet und einem horizontalen Speiselift, der direkt in die Küche führt.  An der hinteren Wand hängt wie früher ein Gobelin mit Staatswappen, der von Dornier nachgestickt wurde.
Im hinteren Unterdeck befindet sich der Tanzsalon samt einem kleinen Buffet und einem horizontalen Speiselift, der direkt in die Küche führt. An der hinteren Wand hängt wie früher ein Gobelin mit Staatswappen, der von Dornier nachgestickt wurde.
Hier oder auf der gegenüberliegenden Seite steht normalerweilse der Kapitän, wenn er das Schiff in den Hafen lenkt. Die beiden Maschinentelegrafen sind voll funktionstüchtig.
Hier oder auf der gegenüberliegenden Seite steht normalerweilse der Kapitän, wenn er das Schiff in den Hafen lenkt. Die beiden Maschinentelegrafen sind voll funktionstüchtig.
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