Masernfall in Göfis war Fehlalarm

Vorarlberg / 18.04.2019 • 20:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Direktorin Sigrid Schmidle freut sich, dass nächste Woche  alle Kinder die Schule besuchen können. Uysal
Direktorin Sigrid Schmidle freut sich, dass nächste Woche  alle Kinder die Schule besuchen können. Uysal

Nach Vorliegen des Bluttests wurden alle Separierungsmaßnahmen aufgehoben. Mutter übt Kritik.

Gernot Schweigkofler

Göfis Entwarnung in Göfis: Nach dem Vorliegen des Bluttests hat sich der vermutete Masernfall nicht bestätigt. Das berichtete Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher auf VN-Anfrage am Donnerstag Vormittag. „Es dauert einige Tage, bis der Virus im Blut nachgewiesen werden kann“, erklärt der Mediziner. Der aufgrund der sehr typischen Symptome starke Verdacht hat sich also nicht bestätigt. Der Hautausschlag müsse auf eine andere Erkrankung zurückzuführen sein. Sofort nach Bekanntwerden des Ergebnises wurden deshalb die Absonderungsbescheide für die betroffenen 20 Personen mündlich aufgehoben: Sie wurden im Laufe des Donnerstags telefonisch informiert. Die schriftlichen Bescheide sind per RSA-Brief ebenfalls gestern verschickt worden.

„Komplett aufgebauscht“

Noch am Vormittag meldete sich dann die Mutter des Kindes, das den Masernalarm ausgelöst hatte, bei den VN und vol.at. Die überzeugte Impfgegnerin kritisiert das Vorgehen scharf. Ihr Sohn habe kurz vor der mutmaßlichen Masernerkrankung eine Mittelohrentzündung gehabt. „Er hatte starke Ohrenschmerzen und Fieber, schließlich platzte sogar das Trommelfell. Der Arzt verschrieb ihm ein Antibiotikum.“ Sie glaubt, dass eine allergische Reaktion auf das Antibiotikum den Ausschlag erklären könnte. Was sie ärgert, ist, dass man sie nie zum Kontakt zu an Masern Erkrankten befragt habe. Auch der Verlauf der Symptome passe nicht zu Masern. Bereits letzte Woche sei ein Bluttest negativ verlaufen. Trotzdem habe man der Familie und Personen im Umfeld eine Quarantäne auferlegt. „Das wurde meiner Meinung nach komplett aufgebauscht.“

Der Göfner Gemeindearzt Hubert Kaut wollte auf VN-Anfrage kein offizielles Statement abgeben. Er war bei der Diagnose allerdings nicht allein, denn nach der Meldung der möglichen Erkrankung, die meldepflichtig ist, wird von Amts wegen ein Facharzt zugezogen. Beide Mal kam man zur Diagnose auf Masern, da die Symptome für die Ärzte eindeutig waren.

Erleichterung in Göfis

„Es war seine Pflicht das zu melden“, stellt sich der Göfner Bürgermeister Thomas Lampert hinter seinen Gemeindearzt. Es sei ein Glücksfall, dass sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt habe. Im Dorf habe man die letzte Woche sehr gelassen erlebt, nach der Elternversammlung am 11. April habe sich die Situation schnell beruhigt. Insgesamt zeigt er sich zufrieden, wie reibungslos alles funktioniert habe. „Das Seuchenbekämpfungsteam hat das gut abgehandelt“, lobt er die Spezialisten.

Auch die Volksschuldirektorin Sigrid Schmidle ist froh, dass sich letztlich der Verdacht als unbegründet erwiesen hat. „Natürlich macht man sich anfangs Sorgen um die Kinder und die Lehrpersonen“, blickt sie zurück auf den ungewissen Tag zwischen Meldung und Ergebnissen der Bluttests der Lehrer. „Und natürlich ist das für die Kinder in der Quarantäne eine blöde Situation.“ Letztlich hätten aber die Symptome klar darauf hingewiesen, dass ein Masernfall vorlag. „Zwei Ärzte waren sich einig, es hat alles zusammengestimmt.“

Dass mittlerweile eine Diskussion zum Impfen entstanden ist, begrüßt sie. „Ich persönlich wäre für eine Impfpflicht für Lehrer“, bezieht sie Stellung. „Wir sind sehr vielen Kontakten ausgesetzt und die Impfmoral lässt in den letzten Jahren deutlich nach.“ Schmidle selbst hatte sich erst Wochen vor dem Fall impfen lassen: sie war in den 70er Jahren nur einmal geimpft worden, das reicht nach heutigen Standards nicht mehr aus.

„Ich wäre für eine Impfpflicht für Lehrer, wir sind sehr vielen Kontakten ausgesetzt.“