Die Fußach war einst ein breiter Fluss

Vorarlberg / 20.04.2019 • 21:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Fußacher Dorfgeschichteverein lud zur Achbegehung ein.ajk

Verborgenes Biotop am alten Flussbett: Eine Studie zur Wiederbelebung ist geplant.

FUSSACH Man kennt solche Bilder vom Amazonas oder aus Urwaldgebieten: Gefallene Baumriesen über Wassertümpeln, Sträucher und Schilf – ein verborgenes Naturjuwel. Eines davon findet sich links des Rheins an der Gemeindegrenze Hard-Fußach. Seit dem Bau des Neuen Rheins vor über 120 Jahren liegt dort das alte Flussbett der Fußach unberührt.

Die Schützenscheibe von 1908 zeigt die Fußach im Dorfzentrum.

Der Fußacher Dorfgeschichteverein lud zur Wanderung entlang der einstigen Ach. Die Teilnehmer zeigten sich überrascht über die Entdeckungen, die auf dieser Wanderung abseits der üblichen Wegstrecke gemacht werden konnten. Einst hieß die Dornbirnerach auch in Dornbirn Fußach, Parzellen wie Fussenegg oder Fussenau erinnern daran. Die Ortschaft Fußach profitierte über Jahrhunderte vom Fluss und der Gunstlage am Seeufer. Dann erzwangen die häufigen Überschwemmungen durch den Rhein die Begradigung des Flussbettes. Ab 1892 wurde am Fußacher Durchstich gebaut. Das bedeutete das Ende für den Fußach-Fluss: Er wurde umgeleitet und fließt heute kanalisiert als Dornbirnerach auf der Harder Seite des Rheins in den Bodensee.

Biotop und Graben

In der Gemeinde Fußach blieben ein schmaler Graben sowie der Hafenbereich übrig. Anders zwischen Rheindamm und der Mühlwasen-Holzbrücke: Dort kümmerte sich seither niemand mehr um den einstigen Grenzfluss zwischen Hard und Fußach. Im Flussbett fließt zwar kein Wasser mehr, es blieb aber feucht. Die knorrigen Bäume durften wachsen, kippten um, Strauchwerk und Schilf bleiben unbehelligt. Das so entstandene Biotop findet sich in keinem Verzeichnis. Beinahe wäre es den Rhesi-Plänen zum Opfer gefallen, denn hier planten Schweizer „Umweltfreunde“ eine Dammabweichung. Gegen die geplante Vernichtung bestehender Naturflächen für eine künstlich angelegte Pseudo-Naturwelt wehrte sich Fußach erfolgreich.

Prof. Dr. Gerald Mathis (li.) erläuterte die Entwicklung des Fußach Flusses.

Ein ausgewiesener Kenner der alten Fußach ist der Fußacher Gerald Mathis. Er lieferte einen entsprechenden Beitrag zum 2010 erschienenen Heimatbuch der Gemeinde. Jetzt führte er an zwei Terminen interessierte Mitglieder des Dorfgeschichtevereins den alten Flusslauf entlang. Obmann Friedrich Schneider freute sich über das große Interesse.

Die Lastschiffe befuhren den Fußach Fluss bis zu dieser steiernen Brücke.

Die Teilnehmer staunten über die wildromantische Aulandschaft im Bereich zwischen der 1891 errichteten Mühlwasen-Holzbrücke und dem Rheindamm. Dort reicht das Flussbett nahe an den Rhein. Im weiteren Verlauf ist der einstige Fluss zum unscheinbaren Entwässerungsgraben geschrumpft.

Frischwasser in die Fußach

Vielleicht lässt sich der alte Fluss aber wieder mit ein wenig fließendem Wasser beleben. Heidi Senger-Weiss aus der Familie der einstigen Fußacher Boten hat mit Gerald Mathis und Vereinsobmann Friedrich Schneider vereinbart, dass die Möglichkeit dazu geprüft werden soll. „Eine entsprechende Studie über den Sinn der Einleitung von Wasser würde ich finanzieren“, erläuterte sie auch im Rahmen der Achwanderung. Diese Studie soll klären, ob es möglich ist, Wasser aus der Dornbirnerach in einer Rohrleitung unter dem Rheinbett zur Fußach zu leiten. Eine solche Unterdükerung wurde gerade für die Wasser- und Abwasserleitungen des Rheindeltas unter dem Rhein umgesetzt.

An der Ferdinand-Weiss-Straße stehen heute noch das K.K. Zollamt (1) sowie das Zoll- und Warenlager, die „Zuschg“ (2). Blau markiert die einstige Fußach, in diesem Bereich 25 bis 38 m breit. Hier legten die Lastschiffe aus Lindau an.

Der Dorfgeschichteverein plant zudem, mit markanten Schautafeln im Gemeindegebiet auf historische Zusammenhänge und Veränderungen wie eben die Folgen des Rheindurchstichs für die Fußach zu verweisen. Der Fluss sorgte einst nicht nur für Trinkwasser und den Hafen, er betrieb in alten Zeiten Getreidemühlen und später einen Spinnereibetrieb mit etwa 200 Arbeitskräften, die Gysi-Fabrik. Damals wurde für niederschlagsarme Zeiten noch Wasser mittels eines Schwellwuhrs aufgestaut. AJK