Michael Köhlmeier las in der Bludenzer Remise

Vorarlberg / 20.04.2019 • 08:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michael Köhlmeier war in der Remise zu Gast. DPA/WOITAS

Der erfolgreiche Autor stellte sein Buch „Bruder und Schwester Lenobel“ vor.

BLUDENZ „Heute ist ein ganz besonderer literarischer Abend. Mit Michael Köhlmeier begrüßen wir einen großartigen Autor. Das letzte Mal hielt er hier in der Remise zum 30-jährigen Jubiläum von allerArt eine gewaltige Rede. Und heute liest er aus seinem Familienepos ‚Bruder und Schwester Lenobel‘“, begrüßte Nikola Bartenbach vom Kulturamt der Stadt Bludenz am vergangenen Samstag die zahlreich erschienen Besucher in der Remise in Bludenz.

„Bruder und Schwester Lenobel“ ist nicht nur ein Familienepos. Die verschlungenen Wege der Geschwister Robert und Jetti Lenobel können als ein solches gesehen werden. Das Zurücklassen der eigenen Familie bildet in Michael Köhlmeiers Roman ein wiederkehrendes Motiv. Es ist jedoch ein vielschichtiges Werk, das durchaus multiperspektivisch gelesen werden kann. So ist das Werk zugleich auch ein radikaler Trennungsroman. Er könnte in etwa so gelesen werden: Mann verlässt Frau und ist verschwunden. Frau sucht sich Hilfe und überlegt, was in ihrer Beziehung mit ihrem Mann noch Liebe gewesen sein könnte. Überhaupt ist die Liebe ein großes Thema in diesem Buch: die enttäuschte, die verfehlte und die gefundene Liebe. Außerdem geht es um Freundschaft, um die Suche nach der eigenen Identität, um Sinnfindung und um Gott.

Jedem Kapitel sind schaurig-schöne Märchen vorangestellt . Nicht wenige davon handeln von einem ungewöhnlichen Deal mit dem Schicksal. Die Themen sind disparat, bilden nicht die Szenen im Roman ab, sondern vermitteln gekonnt eine Atmosphäre, in der sich das Nachfolgende abspielt. Zwei dieser Märchen und zwei größere Kapitel las der Autor. Das Publikum hörte gebannt zu und blieb auch noch nach dem Ende der Lesung sitzen. Was Michael Köhlmeier, der vor Kurzem erst den Ferdinand-Berger-Preis gegen Rechtsextremismus erhalten hat, zu der Frage veranlasste: „Habe ich zu kurz gelesen?“ Was jedoch nicht der Fall war; nicht nur der Roman selbst, sondern auch die einzigartige Vortragsweise Michael Köhlmeiers begeisterte das Publikum. BI