Schüler kämpfen mit dem Shotokan-Weltmeister

Vorarlberg / 23.04.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schüler kämpfen mit dem Shotokan-Weltmeister
Stefan Mayr zeigt Linus, was Krafteinsatz bedeutet. VN/STEURER

Neues Selbstverteidigungs- und Präventionsprojekt für Schulen.

bregenz In den schlaksigen Beinen von Lukas steckt ungeheuer viel Kraft. Mit jugendlichem Schwung wuchtet er den linken Fuß gegen die Schlagpratze, die ihm Stefan Mayr entgegenhält. Die übrigen 23 Schülerinnen und Schüler einer zweiten Klasse des Privatgymnasiums Mehrerau schauen genau hin, ehe sie die Übung selbst ausprobieren dürfen. Dann legen sie los, aber nicht ohne dass Mayr und Eva Kathrein ein wachsames Auge auf die Ausführungen haben. Die Referentin gegen Gewalt und Machtmissbrauch im Sport sowie der Shotokan-Welt- und Europameister und Bundestrainer bieten seit Kurzem Kurse zur Selbstverteidigung und Prävention für Schulen an. Es handelt sich um eine tatsächlich spannende Mischung aus Theorie und Praxis, die bei den Schülern ganz offenkundig ankommt. Sie stellen interessiert Fragen, und wenn es wieder ans Praktische geht, sind sie mit Eifer bei der Sache.

Positives Arbeiten

Simon Gehrer, Sport- und Geografielehrer in der Mehrerau, hat das Projekt bei einem Karate-Schnupperkurs kennengelernt und war sofort begeistert davon. “Ich bin immer offen für Dinge, die Kindern nützen können”, sagt Gehrer. Die Schulleitung zeigte sich ebenfalls angetan. “Prävention und Sensibilisierung und das positive Arbeiten damit sind für Kinder in diesem Alter wichtig”, bekräftigt auch Direktor Christian Kusche und holte das Projekt an die Schule. Es umfasst acht Unterrichtseinheiten sowie eine Auffrischung im jeweils nächsten Semester. Hinter dem Projekt stehen aktuell die Vereine Karate Bregenz, Karate Wolfurt und Karate Hörbranz sowie der Landesfachverband Budo Vorarlberg und Budo Austria. Das Land übernimmt einen Teil der Kosten. Eva Kathrein ist derzeit die Einzige im Land, die für Sportvereine Fortbildungen zu den Themen Gewalt und Machtmissbrauch abhalten darf. “Es ist also tatsächlich ein einzigartiges Projekt”, freut sie sich, es anbieten zu können.

Seine Besonderheit besteht in der Kombination aus Selbstverteidigungskursen (vier Schulstunden) plus einem Workshop zum Thema Prävention vor – auch sexueller – Gewalt und Machtmissbrauch (zwei Unterrichtseinheiten). An diesem Vormittag in der Mehrerau dürfen die Mädchen und Burschen im Turnunterricht einmal so richtig zulangen. Stefan Mayr gibt allerdings einen wohldosierten Takt vor. “Die Kinder sollen lernen, ihre Kraft richtig einzusetzen”, erklärt der Meister des Shotokan. Deshalb schärft er ihnen immer wieder ein: “Selbstverteidigung heißt nicht, grundlos zu schlagen!” Beim spielerischen Kampf mit Stefan Mayr können die Schülerinnen und Schüler verschiedene Techniken ausprobieren, ohne sich oder andere zu verletzen. Das nützt auch der Koordination. “Da läuft es in der Mathestunde gleich besser”, merkt Direktor Christian Kusche schmunzelnd an. Noch wichtiger ist ihm der respektvolle Umgang untereinander sowie das Vertrauen der Kinder, dass sie sich melden, wenn es zu unguten Situationen kommt.

Umgang mit Konflikten

Zwischen den Übungen setzt sich Stefan Mayr mit den Jugendlichen ganz ungezwungen in einem Kreis auf den Boden und redet mit ihnen, zum Beispiel darüber, wann Notwehr vorliegt oder wie sie sich in einer kritischen Lage verhalten können. Die Schüler hängen geradezu an den Lippen von Mayr, sie stellen aber auch selbst Fragen. Bei allem geht es jedoch nicht nur um Selbstverteidigung, sondern ebenso um den richtigen Umgang mit Konflikten. “Gibt es andere Möglichkeiten, die aufgeheizte Stimmung zu entschärfen?”, sind Fragen, die sich die Schüler auch stellen sollen, wenn es die Not erfordert.

Schüler kämpfen mit dem Shotokan-Weltmeister
Schüler kämpfen mit dem Shotokan-Weltmeister
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