39-Jähriger tätowierte Hitler auf die Hüfte eines geistig Beeinträchtigten

Vorarlberg / 25.04.2019 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Tätowierer wurde am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch zu zwei Jahren Haft verurteilt. EC

Der Dornbirner muss wegen diverser Verstöße gegen das Verbotsgesetz in Haft.

Christiane Eckert

Feldkirch „Ich bin mir ganz sicher, der Angeklagte hat mir die Tätowierungen gestochen“, sagt der 41-jährige Zeuge. Auch gegen ihn wurde wegen Wiederbetätigung ermittelt, doch sein Verfahren wurde eingestellt, denn das Sachverständigengutachten von Primar Reinhard Haller ergab, dass der Arbeiter intellektuell zurückgeblieben und deshalb nicht zurechnungsfähig ist. „Ich habe noch zu ihm gesagt, ich will die Tattoos nur, wenn sie nicht verboten sind, ich will keinen Ärger“, erzählt der über und über Tätowierte von seinen cirka acht Besuchen beim Hobbytätowierer. Es geht um ein Hitler-Bild, SS-Runen und andere verbotene Symbole. „Das stimmt nicht, der hat wochenlang bei mir gewohnt, ich habe ihn durchgefüttert und als er immer mit dem Hitler-Zeug provozierte, habe ich ihn rausgeschmissen. Das ist jetzt die Retourkutsche“, behauptet der Angeklagte.

Verräterischer Anruf

Doch nach der Hausdurchsuchung beim Angeklagten rief dieser eine Bekannte an. Dabei äußerte sich der 41-Jährige so: „Mann, der Verfassungsschutz, neun Bullen und die Cobra waren bei mir, sie haben mir alles weggenommen. Mein Handy, die Tätowiermaschine, alles. Aber ich habe mich gut rausgeredet und alles so hingedreht, dass jetzt M. der Gefickte ist.“ M. ist der Zeuge, der ihn hinsichtlich der Tätowierungen belastet. Insgesamt werden fünf Zeugen zu den 24 Fakten einvernommen. Teilweise entlasten sie den Angeklagten. Zwei der Zeugen wurden selbst wegen Wiederbetätigung rechtskräftig verurteilt. Sie hatten ihre Kinder für Naziposen missbraucht. Gegen einen weiteren Zeugen wurde das Strafverfahren eingestellt, auch bei ihm gibt es intellektuelle Defizite, die ihn als nicht zurechnungsfähig ausweisen.

Diverse Nachrichten

Der Angeklagte gründete auch eine WhatsApp-Gruppe, die laut Anklagebehörde nationalsozialistischen Hintergrund hatte. Erst nannte er sie „Right Devils“, dann etwas unverfänglicher nur mehr „Devils“. Dort kursierten Reime wie „Lalelu, nur der kleine Führer schaut zu, wenn die kleinen Nazis schlafen gehen, doch bald ist Schluss mit dem Juchu.“ Seine Nazisager und Kommentare zu Hitler und Co. rechtfertigt der Angeklagte mit „geschichtlichem Interesse“. Doch diese Begründung wird angesichts seiner Ausführungen immer abstruser, je genauer er sie ausführt. Die Ex-Freundin des Angeklagten, die immerhin fünf Jahre mit ihm zusammen war, sagt, dass sie kein großes geschichtliches Interesse bemerkt habe. Gefischt habe er gern, aber Geschichte? Nein, eher nicht.

Der Schwurgerichtshof befindet den Mann zumindest im Großteil der Fakten für schuldig. Einige Handynachrichten konnten nicht mehr zurückverfolgt werden und bezüglich einer Nazifahne wurde beispielsweise nicht mehr nachgewiesen, wer diese als Erster aufhängen wollte. Die Strafe für den achtfach Vorbestraften: zwei Jahre Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.