Ehemaliger Integra-Bereichsleiter sitzt Haftstrafe und Urlaub ab

Vorarlberg / 25.04.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch im Integra-Büro in Wolfurt sind derzeit die Rechnungshof-Prüfer unterwegs. VN
Auch im Integra-Büro in Wolfurt sind derzeit die Rechnungshof-Prüfer unterwegs. VN

Ehemaliger Integra-Bereichsleiter baut noch Urlaub ab, sitzt aber schon im Gefängnis.

Schwarzach Die Integra findet keine Ruhe. Seitdem bekannt wurde, dass ein ehemaliger Millionenbetrüger bei der Integra seit April 2016 als Bereichsleiter tätig war, rumort es im Sozialbetrieb. Ehemalige Mitarbeiter erheben zahlreiche Vorwürfe, der Landesrechnungshof prüft. Nun droht neues Ungemach. Zwar haben die Geschäftsführer Robert Baljak und Stefan Koch schon im Jänner betont, das Ende des Dienstverhältnisses einzuleiten. Das zieht sich aber: Der Mitarbeiter ist noch bis 31. Mai angestellt und baut Urlaub ab, obwohl er bereits seit Ende Februar im Gefängnis sitzt.

Der Sozialbetrieb Integra ist ein wichtiger Bestandteil des Vorarlberger Arbeitsmarkts. Ende 2017 waren über 700 Menschen bei Integra beschäftigt, übers ganze Jahre verteilt sogar 1500. 107 Fixangestellte sind für die Projekte zuständig, der Rest sind Projektteilnehmer. Integra hilft Menschen, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. 13 Millionen Euro setzte der Betrieb im Jahr 2017 um. Zur Hälfte finanziert sich der Sozialbetrieb über private Aufträge, die andere Hälfte stammt vor allem vom AMS und aus Bundesförderungen, rund eine Million kommt aus dem Landesbudget. Gesellschafter sind die AK (38,25 Prozent), der Verein Dowas (36,6 Prozent), der Verein ARB (18,3 Prozent) und Jugend am Werk (6,75 Prozent). Derzeit prüft der Landesrechnungshofs, was er nur kann, weil die Integra dem freiwillig zugestimmt hat. Auch die Causa des Bereichsleiters wird geprüft.

Sieben Monate Haft waren noch offen, als der Mitarbeiter Integra verlassen musste. Seit Ende Februar sitzt er sie in St. Gallen ab, wie René Frei, Leiter des Vollzugs in St. Gallen, auf VN-Anfrage bestätigt. Entgegen früherer Aussagen konnte er im März also keine Projekte mehr fertigstellen. Geschäftsführer Stefan Koch bestätigt den VN: „Er hatte Ende Februar seinen letzten Arbeitstag, anschließend baute er Mehrstunden und Urlaub ab.“ Davon hat er seit April 2016 offenbar genug gesammelt. Bis 31. Mai befindet er sich noch im Urlaub. Dass er Geld verdient, obwohl er in Haft sitzt, sei kein Problem, heißt es aus St. Gallen. Auch dann nicht, wenn der Gefangene in der Justizvollzugsanstalt ebenfalls arbeitet, wie es hier der Fall ist. Frei erläutert: „Er arbeitet mit anderen Insassen zusammen und erhält dafür ein Entgelt.“ Dieses beträgt im Normalfall 28 Franken pro Tag.

Der Druck wächst

Der Fall ist längst zum Politikum geworden. Neos-Abgeordneter Gerald Loacker poltert: „Die Geschäftsführer eines Unternehmens, das mit öffentlichem Geld arbeitet, haben bewusst die Öffentlichkeit angelogen.“ Er verlangt personelle Konsequenzen. Größter Gesellschafter ist die AK, deren Vizepräsidentin Manuela Auer ebenfalls feststellt: „Mich stört die Inkonsequenz, die die Geschäftsleitung an den Tag legt und dass offenbar falsche Aussagen zur Beendigung des Dienstverhältnisses gemacht wurden.“ Sie fordert eine Erklärung der Geschäftsleitung und dass das Dienstverhältnis mit dem Bereichsleiter sofort beendet wird.

Stefan Koch bemüht sich um Schadensbegrenzung: „Nach dem Urlaub ist die Sache erledigt. Eine Wiederanstellung steht nicht im Raum.“ Die angekündigten Anzeigen gegen jene, die derzeit zahlreiche Vorwürfe erheben, würden von einem Anwalt geprüft. Lieber wäre ihm aber, dass Ruhe einkehrt.