Ohne Glyphosat

Vorarlberg / 25.04.2019 • 19:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

35 Vorarlberger Kommunen verzichten auf umstrittenes Herbizid.

sulzberg, götzis Glyphosat ist höchst umstritten. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft den EU-weit bis 2022 zugelassenen Unkrautvernichter als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Umweltorganisationen pochen schon länger auf einen Ausstieg Österreichs. „Bis es aber so weit ist, dürfen sich aber auch die Bürgermeister nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Glyphosat-Experte bei Greenpeace. Sie seien angehalten, den Einsatz des Herbizids im öffentlichen Raum umgehend zu beenden. Vorarlbergs Gemeinden zählen diesbezüglich zu den Musterschülern in Österreich. Das zeigt ein aktuelles Ranking der Umweltschützer: 35 von 96 Kommunen (36 Prozent) verzichten demzufolge bei der Pflege von öffentlichen Parks, Spielplätzen und Friedhöfen komplett auf Glyphosat.

Niederösterreich hat Nase vorn

Vorarlberg befindet sich mit den Kärntner Gemeinden im Ranking gemeinsam auf dem zweiten Platz. Davor liegt nur Niederösterreich: Dort verwenden 61 Prozent der Kommunen kein Glyphosat. Österreichweit beträgt dieser Wert 33 Prozent. Das sind 701 der 2095 Kommunen. „Viele dieser Gemeinden entfernen unerwünschten Bewuchs jetzt nicht mehr mit giftigen Chemikalien, sondern stattdessen mechanisch oder etwa mit modernen Heißdampfverfahren, bei denen die Pflanzen mit Hitze bekämpft werden“, sagt Theissing-Matei.

Seit dem Vorjahr setzt auch die Bregenzerwälder Gemeinde Sulzberg kein Glyphosat mehr ein. Wie Bürgermeister Helmut Blank im VN-Gespräch erläutert, haben die Bürger diesen Prozess ins Rollen gebracht. „Sie haben uns direkt darauf angesprochen. Daraufhin haben wir den Diskussionsprozess begonnen.“ Der Beschluss in der Gemeindevertretung erfolgte einstimmig. Blank betont: „Wir ziehen das in unserem Wirkungsbereich konsequent durch.“ Die unerwünschten Pflanzen werden vor allem mechanisch entfernt. „Wir Vorderwälder Gemeinden erwägen derzeit auch die natürliche Unkrautvernichtung mit heißem Dampf. Da gibt es bereits sehr gute Geräte.“

Auch Götzis zählt in Sachen Glyphosatverzicht zu den Vorreitern. „Wir verwenden das schon lange nicht mehr“, erläutert Konrad Ortner, Amtsleiter der Marktgemeinde. Dies sei mitunter aber eine große Herausforderung, insbesondere bei großen Flächen wie Friedhöfen. „Der Verzicht bedeutet einen Mehraufwand für die Mitarbeiter.“ Immerhin sei nun vieles händisch zu machen.

Verbot für Privatpersonen

Greenpeace sieht Umweltministerin Elisabeth Köstinger in der Pflicht, einen Plan für ein österreichweites Glyphosat-Verbot vorzulegen. Kärnten ist im März vorgeprescht: Dort hat der Landtag ein Verbot für private Anwender beschlossen. Vorarlberg zieht nun nach. Am Mittwoch kam es zu einem einstimmigen Beschluss im Rechtsausschuss des Landtags. Den entsprechenden Antrag hatte die SPÖ eingebracht.

Den Grünen ist das aber noch nicht genug: Sie fordern, dass nicht nur private Nutzer, sondern auch die Landwirtschaft künftig komplett auf Glyphosat verzichtet.

„Wir Vorderwälder Gemeinden erwägen die Unkrautvernichtung mit heißem Dampf.“