„Friday for Future“: Streikendes Klassenzimmer vor dem Montforthaus für den Klimaschutz

Vorarlberg / 26.04.2019 • 18:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Schüler haben ihre eigenen Plakate mitgebracht. Beim „streikenden Klassenzimmer“ erhielten sie trotz Schwänzens fachkundigen Unterricht. VN/PAULITSCH

70 Schüler streikten am Freitag und besuchten stattdessen eine Vorlesung bei strömenden Regen. Klimaexperte Johann Feichter referierte 50 Minuten über die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Dass Schüler weltweit am Freitag den Unterricht sausen lassen, um für eine Änderung der weltweiten Klimapolitik zu streiken, lässt niemanden kalt. Die einen unterstützen die Forderungen der Jugendlichen, die anderen kritisieren das Schwänzen und stellen das Verhalten der Jugend an und für sich in Frage. In Feldkirch kam es gestern zur zweiten Protestaktion. Im Gegensatz zur ersten großen Demo am 22. Februar in Bregenz war der Andrang dieses Mal überschaubar: etwa 70 Schüler haben sich eingefunden. „Viele Schulen haben ein klares Verbot ausgesprochen“, erklärt einer der Mitorganisatoren, der 17-jährige Paul Mille. Trotzdem kamen Schüler aus allen vier großen Städten des Landes nach Feldkirch und trotzten dem Regen.

Unterricht beim Schwänzen

„Wir möchten zeigen, dass uns Unterricht wichtig ist“, erklärt Mille. „Leider hören uns viele Politiker gar nicht erst zu, sondern kritisieren einfach nur das Schwänzen“, fährt er fort. Aus diesem Grund lernten die Schüler bei der Demo. Nach einem kurzen Protestzug gab es vor dem Montforthaus bei strömenden Regen eine 50-minütige Vorlesung von einem Klimaexperten. Der Meteorologe Johann Feichter war bis zu seiner Pensionierung als Wissenschafter am Max-Planck-Institut in Hamburg tätig, dort wurden unter anderem Klimamodelle berechnet. Er hat an zwei Sachstandsberichten des IPCC, des Weltklimarates, mitgeschrieben.

Viele Schulen hatten strikte Verbote ausgesprochen, die Besucherzahl war überschaubar. VN/Paulitsch
Viele Schulen hatten strikte Verbote ausgesprochen, die Besucherzahl war überschaubar. VN/Paulitsch

In seiner Vorlesung beschrieb Feichter einen weiten Bogen zum aktuellen Stand der Wissenschaft in Sachen menschengemachter Klimawandel. Er erklärte, welche Auswirkungen weltweit und auch in Vorarlberg bereits heute spürbar sind. Für das Schwänzen der Schüler zeigt er Verständnis. „Ohne das Schulschwänzen wäre die mediale Aufmerksamkeit wohl nie so groß geworden“, ist er überzeugt. Demos an Wochenenden hätten nie diese Resonanz gefunden.

Die Schüler selber zeigen sich eher verärgert darüber, dass das Schwänzen und nicht der Klimawandel zum Thema geworden sei. Aber sie werden weitermachen. Am 24. Mai, direkt vor der EU-Wahl, finde in Dornbirn eine weitere Demo statt. „An diesem Tag wird weltweit gestreikt“, weiß die 15-jährige Mitorganisatorin Diome Azemi.Dann werden wohl mehr Schüler die Verbote ihrer Schulen ignorieren und auf die Straße gehen.