Rauch zum grünen Spitzenkandidaten gekürt, aber nicht vorne auf der Landesliste

Vorarlberg / 26.04.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johannes Rauch ist alter und neuer grüner Spitzenkandidat. VN/HARTINGER

Johannes Rauch zum Spitzenkandidat gewählt, er führt aber nicht die Landesliste an.

Hohenems Es liegt nicht am Bürgermeister, dass im Hohenemser Salomon-Sulzer-Saal am Donnerstagabend stets ein blaues Gespenst über grünen Köpfen schwebt. Die Grünen sorgen selbst dafür. Es ist Landesversammlung, im Herbst steht bekanntlich eine Wahl vor der Tür. Für die Regierungspartei ist klar: Entweder sie oder die FPÖ. Johannes Rauch soll als Spitzenkandidat das für die 117 Delegierten richtige Ergebnis holen. Die FPÖ ist nicht das einzige Gespenst, das an diesem Abend durch die geschichtsträchtigen Mauern spukt.

Vorarlbergs Wahlsystem kennt zwei Listen: Je eine pro Bezirk und eine Landesliste. Gewählt wird im Bezirk, daraus errechnen sich die Landtagsmandate. Erst wenn Stimmen übrig bleiben, werden sie auf die Landesliste hochgerechnet. 2014 wurden von allen 36 Landtagsmandaten acht über die Landeslisten vergeben, bei den Grünen eines von sechs: Daniel Zadra. Er ist es auch, der im Herbst auf Platz eins der grünen Landesliste kandidiert. 98,3 Prozent der Delegierten wählen ihn um 20.20 Uhr nach vorne. Der Parteitag ist da bereits zwei Stunden alt.

Die Zeit davor gehört Johannes Rauch. Nachdem der Parteichef mit „Happy Birthday“ an seinen 60. Geburtstag erinnert wird, setzt er an. Gespenst eins: Spaltung! „Wir stehen für den Weg der Menschlichkeit, gegen die Spaltung.“ Gespenst zwei: Klimawandel! „Was wir in dieser Frage tun, reicht nicht. Nicht in Wien, nicht in Vorarlberg.“ Umwelt! „Wir leben in einem Land, in dem Umwelt und Wirtschaft wichtig sind. Es kann nicht sein, dass man diese Dinge gegeneinander ausspielt. Es gibt Grenzen des Wachstums.“ Gesellschaft! „Wir müssen aufpassen, dass keine Diktion salonfähig wird, die uns vor zehn Jahren auf die Straße gebracht hätte.“ Und natürlich: FPÖ! „Die FPÖ brauchen wir nicht in der Regierung. Nicht in Wien, schon gar nicht in Vorarlberg.“

Botschaft an den Koalitionspartner

Eine Frage aus dem Publikum lässt ein weiteres Gespenst frei: „Kannst du etwas Kritisches zum Koalitionspartner sagen?“ Rauch: „Ganz viel Kritisches.“ In der Umweltpolitik zum Beispiel, oder zuletzt bei der Ausschussabstimmung zur Mindestsicherung. „Mit einem grünen Regierungspartner lässt sich keine blaue Politik machen“, wettert er. „Es geht nicht nur darum, ob die Schwarzen bereit sind, mit uns zu regieren, sondern auch darum, ob wir bereit sind, mit der ÖVP zu regieren.“ Falls ja, werde er die ganze Legislaturperiode Landesrat sein. Applaus, lange, stehende Ovationen. 97,4 Prozent: Der Spitzenkandidat heißt Johannes Rauch. Er wird zusammen mit Katharina Wiesflecker auf allen Bezirkslisten ganz vorne stehen. Auf der Landesliste aber nur auf Platz zwölf und 13.

Die Statuten wurden ausführlich erläutert.
Die Statuten wurden ausführlich erläutert.

Auch das Gespenst einer prominenten Personalie ist allgegenwärtig: Adi Gross. Der Klubobmann tritt bekanntlich nicht mehr an und befindet sich im Krankenstand. Johannes Rauch und Daniel Zadra danken ihm. Wieder: Applaus, stehende Ovationen.

Die Wahlkommission: Harald Walser, Christina Heintel und Georg Klapper.
Die Wahlkommission: Harald Walser, Christina Heintel und Georg Klapper.

Hinter Zadra (34, Bezirk Dornbirn) gehen drei Frauen ins Rennen: Eva Hammerer (43, Bezirk Bregenz), Nina Tomaselli (34, Bezirk Feldkirch) und Nadine Kasper (38, Bezirk Bludenz). Ein Zeichen für die Bezirkslisten? Sie werden am 7. und am 9. Mai gewählt. Dann mit den richtigen Spitzenkandidaten an der Spitze.

Landesgeschäfsführer Lukas Schrattenthaler und 117 Delegierte.
Landesgeschäfsführer Lukas Schrattenthaler und 117 Delegierte.