Luis de Bon: Für einige seiner Schüler war er „der beste Fahrlehrer der Welt“

Vorarlberg / 01.05.2019 • 17:15 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Luis de Bon war 40 Jahre lang Fahrlehrer. Er brachte mehreren Tausend Schülern das Autofahren bei.DIETMAR STIPLOVSEK

Nach 40 Jahren geht Luis de Bon als Fahrlehrer in Pension.

Bürs Schon als Bub wusste Luis de Bon (heute 61), dass er einmal klassische Musik und Jazz studieren möchte. Denn: „Die Musik war meine Erfüllung.“ Der Sohn eines Kapellmeisters hatte an der Musikschule Trompete und Akkordeon gelernt. Orgel, Klavier und E-Bass brachte sich der musikalische Bub selbst bei. Nach einem schrecklichen Unfall musste er seinen Traum vom Studieren jedoch begraben. „Ich habe eine Rakete gebaut. Sie ging plötzlich los. Ich erlitt einen Lungendurchschuss.“ Der 14-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. „Der Pfarrer gab mir die letzte Ölung.“ Der Bub überlebte. Doch ein Teil seines Zeigefingers war weg. Das war ein Schock für ihn, weil es all seine Pläne zunichtemachte. Er hörte seinen Vater sagen: „Jetzt kann Luis nicht mehr musizieren.“ Doch sein Sohn gab nicht auf und entwickelte eine eigene Technik, um weiter Klavier, Orgel, Trompete und E-Bass spielen zu können.

Aber sein Leben nahm trotzdem eine andere Wendung. „Ich machte eine Mechanikerlehre.“ Sechs Jahre lang arbeitete er in seinem gelernten Beruf, „aber ich war nie ein leidenschaftlicher Automechaniker.“ Sein Herz schlug nach wie vor für die Musik. Er schloss sich der Band Lords an und tingelte mit ihr in seiner Freizeit durch die Lande.

Da er nicht mehr länger Automechaniker sein wollte, bewarb sich der junge Bürserberger im Jahr 1979 auf ein Inserat der Fahrschule Mallin in Bludenz und wurde prompt als Fahrlehrer eingestellt. „Ich dachte mir, dass ich das vorübergehend mache.“ Dass daraus 40 Jahre würden, hätte er damals nicht gedacht. Aber: „Der Job gefiel mir auf Anhieb. Es machte mir Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten. Der Chef, die Kollegen und das Arbeitsklima waren auch super. Außerdem ließ sich der Job mit der Musik kombinieren.“ Luis, der auch gut singen kann, trat jetzt in seiner Freizeit als Alleinunterhalter auf. „Ich habe alle Musikrichtungen gespielt.“ Zur Rolle der Musik in seinem Leben meint er: „An erster Stelle steht meine Frau, dann kommt die Musik und dann der Job.“

Die Musik bedeutete ihm noch mehr als der Job als Fahrlehrer. Luis de Bon trat viele Jahre als Alleinunterhalter auf.
Die Musik bedeutete ihm noch mehr als der Job als Fahrlehrer. Luis de Bon trat viele Jahre als Alleinunterhalter auf.

Luis unterrichtete in den vergangenen 40 Jahren zirka 7000 Fahrschüler. Sein Resümee: „Ein Drittel fährt gut. Ein Drittel schwimmt mit. Und bei einem Drittel fährt das Auto.“ Nachsatz: „Man glaubt gar nicht, wer alles auf der Straße ist.“ Rund 15 Prozent aller Fahrschüler seien „talentfrei“. Ein Talentfreier zaubert Luis noch heute ein Lächeln ins Gesicht. „Der Mann trat zur Motorradprüfung an. Er hatte den Sturzhelm verkehrt auf dem Kopf, sah nichts und brachte einen Meterstab mit. Er sagte, er wolle wissen, wo der Schleifpunkt anfange. Ich sagte ihm, dass ihm das nichts nütze. Er könne ja nicht während der Fahrt messen. Er müsse das im Gefühl haben.“

Ein Talentfreier tritt zur Prüfung an

Die Prüfungsfahrt wurde zum Fiasko. „Er fuhr langsam los, beim Umkehren streifte er den Zaun und verbog den Spiegel. Der Prüfer wollte ihn aufhalten. Doch anstatt zu bremsen, gab der Prüfling Vollgas und fuhr beinahe den Prüfer über den Haufen. Dann kehrte er in vollem Tempo um und stürzte“, erinnert sich Luis. Tage zuvor hatte der Fahrschullehrer mit dem „Talentfreien“ eine Runde gedreht. „Ich saß auf dem Sozius, um ihn zu instruieren. Als ich ihm sagte, dass er schalten solle, schaltete er bei Vollgas in den zweiten Gang. Das Motorrad machte Männchen. Auf dem Hinterrad ging es in Richtung Blumenbeet. Eine Frau konnte sich gerade noch auf die Seite retten. Und wir zwei landeten auf der Straße. Ich sagte zu ihm, dass ich nie mehr mit ihm mitfahren würde und er das Motorradfahren nie lernen werde.“

„Das Schönste ist, wenn die Schüler mit Freudentränen aus dem Büro gehen.“

Luis de Bon, Fahrlehrer

Laut Luis fallen zwischen 20 und 30 Prozent aller Fahrschüler durch. Aber er hat auch schon ganz viele begabte junge Menschen ausgebildet. „Mädchen fahren gut und in der Regel vernünftiger als Burschen. Diese fahren riskanter. Die Frau denkt voraus, der Mann denkt bis zur Motorhaube.“ Der Erfolg seiner Schüler war auch immer sein Erfolg. „Das Schönste ist, wenn die Schüler mit Freudentränen aus dem Büro gehen.“ Manche Führerschein-Neulinge sind so glücklich und dankbar, dass sie ihrem Fahrlehrer ein Geschenk machen. „Einmal zum Beispiel bekam ich eine Flasche Wein  geschenkt. Auf dem Etikett stand: ,Der beste Fahrlehrer der Welt.‘“

Pleiten, Pech und Pannen

Aber selbst der beste Fahrlehrer ist vor Pleiten, Pech und Pannen nicht gefeit. „In Auffahrunfälle war ich schon einige Male verwickelt. Das trifft jeden Fahrlehrer.“ Doch das Glück war auch ein paar Mal auf der Seite des Fahrexperten. „Bei einer Ausbildungsfahrt kam uns auf der S 16 ein Pick-up auf unserer Fahrbahn entgegen. Der Fahrer war am Steuer eingeschlafen. Nur wenige Meter vor uns krachte der Wagen in den Wald. Da hätten wir beide tot sein können.“

Jetzt, so kurz vor der Pensionierung, überschwemmen den Fahrlehrer Erinnerungen. Mit Dankbarkeit blickt der 61-Jährige, der 23 Jahre lang der erste Flügelhornist und erste Trompeter der Bürserberger Dorfmusik war, auf sein Berufsleben zurück. „Trotz des Unfalls im Alter von 14 Jahren hatte ich ein erfülltes Leben.“