Wenn das Kind nur noch aufs Smartphone starrt: Experte Thomas Feibel gibt Tipps

01.05.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Für einen vernünftigen Umgang mit Smartphones brauchen Kinder klare Regeln.

Schwarzach Schon als Kleinkind lernte Tobias (10) mit den Fingern über das Display zu wischen. Ab und zu ließen seine Eltern das Smartphone als Babysitter einspringen. Dann spielte es über YouTube Kinderlieder in Dauerschleife und lieferte die passenden bewegten Bilder dazu. Im Alter von acht Jahren bekam Tobias sein erstes eigenes Handy, damit er immer erreichbar blieb. Bald wurde das simple Mobilgerät durch ein Smartphone ersetzt, das seitdem sein treuer Begleiter ist. Selbst beim Essen liegt das Handy auf dem Tisch.

Wie Tobias ergeht es vielen Kindern. „Die meisten rutschen in die Smartphone-Nutzung hinein, ohne zu wissen, wie man richtig damit umgeht“, sagt Thomas Feibel, Experte auf dem Gebiet Kinder und Digitales. Die Folgen seien oft Probleme wie exzessive Handynutzung mit negativen Auswirkungen auf Körper und Psyche. Doch was können Eltern tun, um einen vernünftigen Umgang ihrer Kinder mit dem Smartphone zu fördern?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich Thomas Feibel intensiv. Der Berliner (57) hat Ratgeber zum Thema Aufwachsen im digitalen Zeitalter verfasst und tourt derzeit als Redner durch den deutschsprachigen Raum. Er weiß, wie es gelingen kann, das Smartphone aus dem Mittelpunkt des Geschehens zu drängen. „Kinder brauchen klare Regeln für die Nutzung ihres Handys. Bei vielen Aktivitäten wie beim Essen, beim Lernen oder beim Schlafen hat das Smartphone nichts verloren.“ Feibel empfiehlt zum Beispiel zu Hause im Eingangsbereich ein kleines Körbchen hinzustellen und als Handyparkplatz zu verwenden, wo das Handy beim Heimkommen abgelegt wird.

Familienzeit ohne Handy

Mehr handyfreie Zeit für ihren Nachwuchs wünschen sich nicht nur Eltern, sondern auch viele Jugendliche und Kinder selbst. Bei einer aktuellen Studie des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien gab mehr als ein Drittel der befragten Elf- bis 17-Jährigen an, dass ihnen das Handy und andere digitale Geräte manchmal zu viel werden. Ebenso nervt es jeden dritten Befragten, dass die Eltern zu viel Zeit mit dem Handy verbringen. Erwachsene geben oft ein negatives Vorbild in Bezug auf die Nutzung von Smartphones ab und doch sind sie diejenigen, die für Kinder Regeln aufstellen. Feibel ist sich des Konfliktpotenzials, das dieser Zustand birgt, bewusst: „Wir fordern etwas von unseren Kindern, was wir selbst nicht können, nämlich zu widerstehen.“

Um dem permanenten Verlangen nach dem Smartphone entgegenzuwirken, rät Feibel Eltern und Kindern gemeinsam Freizeitaktivitäten zu unternehmen, bei denen ein Handy stört. „Wir müssen uns die Familienzeit zurückerobern und einander mehr ungeteilte Aufmerksamkeit zuwenden“, ist er überzeugt.
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für das erste eigene Smartphone bei Kindern ist für Feibel, der auch Kinder- und Jugendbücher schreibt, nicht eindeutig zu beantworten. „Das hängt von der individuellen Reife des Kindes ab. Der Übertritt zur nächsten Schule wäre ein möglicher Zeitraum“, sagt er. „Kinder unter sechs Jahren müssen sich jedenfalls so viele Fähigkeiten aneignen, dass sie mit anderen Dingen beschäftigt sein sollten, als damit, ein Smartphone zu beherrschen.“

Auch Feibels eigene Tochter sollte erst mit 14 ein Smartphone bekommen. Freunde durchkreuzten jedoch den Plan, indem sie ihr schon davor ein gebrauchtes Gerät schenkten. „Ich bin in der Erziehung meiner Kinder oft gescheitert“, konstatiert Feibel, „aber am Scheitern kann man wachsen.“ VN-LOT

Thomas Feibel referiert am 9. Mai 2019 in der Aula der VS Mäder zum Thema seines aktuellen Buches „Jetzt pack doch mal das Handy weg“. Eintritt: 10 Euro. Reservierungen: buch@buecherei-maeder.at