Schulkindbetreuung: Mehr Betreuung zu unterschiedlichen Tarifen in den Kommunen

Vorarlberg / 02.05.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eltern möchten ihre Kinder in der Schule gut betreut wissen. Kinder möchten die Betreuung genießen.VN/Tschabrunn

Der Landesrechnungshof untersuchte die Gemeinden Wolfurt und Altach. Fazit: Vieles läuft gut, aber Verbesserungsbedarf ist gegeben.

Bregenz Der Landesrechnungshof (LRH) feierte eine Premiere. Erstmals wurde ein Thema, in diesem Fall die Schulkindbetreuung, aus der Sicht von verschiedenen Gebietskörperschaften untersucht. Im Oktober 2018 stellten LRH-Direktorin Brigitte Eggler-Bargehr (55) und ihr Team den Landesbericht vor und wiesen auf zahlreiche Mängel hin. Am Donnerstag gab es die Vorstellung des Ergebnisses der Untersuchungen in den Gemeinden Wolfurt und Altach. Fazit: Betreuungsquoten und Betreuungsstunden nahmen im Zeitraum zwischen 2012 und 2017 zu, in puncto Umsetzung, Organisation und Kosteneffizienz gibt es allerdings noch Luft nach oben.

Beträchtliche Steigerungen

Im Jahr 2017, in welchem jeweils die meisten Betreuungsstunden anfielen, wendete Altach 135.000 Euro, Wolfurt 353.300 Euro für Schulkindbetreuung auf. Während die Gemeinde Altach diese Kosten im Betrachtungszeitraum 2015 bis 2017 merklich senken konnte, erhöhten sie sich in Wolfurt. Grund dafür sind vor allem die gewählten Betreuungsanbieter mit ihren verschiedenen Tarifmodellen. Während Altach für die Schulkindbetreuung die gemeindeeigene Sozialzentrum Altach GmbH. betraute, griff Wolfurt auf die Dienste der Kinderbetreuung Vorarlberg zurück. Letztere ist neben dem Verein Schülerbetreuung Vorarlberg der zweite externe Anbieter in Sachen Schulkindbetreuung. Bemerkenswert: Wolfurt hatte schon zu Beginn des Untersuchungszeitraums deutlich mehr Betreuungsangebote als Altach.

„Qualifizierte schulische Betreuung wird für einen attraktiven Wirtschaftsstandort zunehmend wichtig.“

Brigitte Eggler-Bargehr, Direktorin Landesrechnungshof

Der Anstieg der Betreuungsleistungen ist in beiden Kommunen beträchtlich. In Altach betrug er für den Untersuchungszeitraum 100 Prozent und liegt bei 21.235 Stunden im Schuljahr 2017/2018. In Wolfurt leistete die Kinderbetreuung Vorarlberg 41.171 Stunden. Das ist eine Steigerung von mehr als 50 Prozent.

Vergleichbare Kommunen

Warum der Landesrechungshof ausgerechnet Wolfurt und Altach für seine Gemeindeuntersuchungen auswählte, liegt für Eggler-Bargehr auf der Hand. „Die beiden Gemeinden sind vergleichbar, haben eine Einwohnerzahl zwischen 5000 und 8000 und verfügen über die gleiche Schulstruktur. Sie haben aber bei der Schulkindbetreuung die erwähnten unterschiedlichen Organisationsmodelle.“

Bemängelt wird vom Landesrechnungshof, dass in beiden Gemeinden die Informationen über das Betreuungsangebot mit all seinen Möglichkeiten unzureichend sei. Weder Gemeindevertreter noch die betroffenen Eltern wissen darüber in ausreichendem Maße Bescheid. Daher rührt auch ein Grundproblem der Schulkindbetreuung in Vorarlberg. Mit Ausnahme der verschränkten Ganztagsschule werden kaum Unterscheidungen zwischen getrennter Ganztagsschule sowie Mittags- und Nachmittagsbetreuung getroffen. „Die Vermischung beider Formen erschwert eine bewusste Entscheidung der Eltern für ein bestimmtes Konzept“, so Eggler-Bargehr. Nur die Mittelschule Wolfurt stellte Erziehungsberechtigten ausreichend Informationen über die verschränkte Ganztagsschule zur Verfügung. Dort hat sich die Anzahl der Ganztagsklassen verdreifacht. „Ein Indiz dafür, dass bei spezifischer Information auch die Nachfrage steigt“, folgert die LHR-Direktorin.

Wichtig für attraktiven Standort

Für die Eltern in den geprüften Gemeinden steigen laut Landesrechnungshof die Betreuungskosten für ihre Kinder vor allem mit dem Wechsel vom Kindergarten in die Volksschule deutlich an. Die monatlichen Beiträge liegen in der Volksschule zwischen 39 und 54 Euro pro Kind über den Normaltarifen im letzten Kindergartenjahr, sinken allerdings mit dem Übergang in die Mittelschule wieder.

Vorarlbergweit bieten insgesamt 67 Gemeinden Schulkindbetreuung an. „Qualifizierte schulische Betreuung wird für einen attraktiven Wirtschaftsstandort zunehmend wichtig“, weiß die Landesrechnungshofdirektorin.

Schulkindbetreuung

67 Gemeinden in Vorarlberg bieten Schulkindbetreuung an

Wolfurt

41.200 Betreuungsstunden 2017/2018

51 Prozent mehr als 2012

36 Prozent der Schulkinder in Wolfurt betreut

353.300 Euro wendete Wolfurt für Schulkindbetreuung 2017 auf

Altach

21.200 Betreuungsstunden 2017/2018

112 Prozent mehr als 2012

27 Prozent der Schulkinder in Altach betreut

135.000 Euro verwendete Altach 2017 für Schulbetreuung